Die Banken ziehen Leine: Eine nach der anderen verscherbelt ihre Forderungsansprüche am maroden Industriekonzern OC Oerlikon. Involvierte Kreise streuten am Montagabend, dass die Banken inzwischen rund die Hälfte der 2,4 Mrd Fr. Schulden, die Oerlikon angehäuft hat, veräussert haben. Als Käufer treten Distressed-Debt-Fonds auf - Fonds, die Forderungen gegen notleidende Firmen aufkaufen. Mehrere Banken aus dem Konsortium hätten ihre Schuldpakete mittlerweile abgestossen; insgesamt gehören dem Konsortium 24 Institute an.

Diese Entwicklung verkompliziert die Lage für Oerlikon, die seit Wochen mit dem Gläubigerkonsortium ums Überleben ringt. Denn neue Verhandlungsteilnehmer bedeuten neue Informationsverhältnisse - und womöglich andere Strategien und Ziele.

Fonds: «Keine Zerschlagung»

Im angelsächsischen Raum sind Distressed-Debt-Fonds häufig anzutreffen. Sie verfolgen meist eine von drei Strategien: Sie fahren entweder eine passive Anlagestrategie oder eine aktive Investitionsstrategie. Im letzteren Fall übernehmen sie die Kontrolle über die Firma, beeinflussen die Restrukturierung und erhoffen sich daraus Profite. Oder aber sie verfolgen die Bondmail-Strategie, in Anlehnung an den englischen Ausdruck «blackmail» (Erpressung). Hier spekulieren die Investoren auf die Insolvenz der Krisenfirma, um lukrative Deals aus der Konkursmasse heraus abschliessen zu können.

Im Fall von Oerlikon betonen informierte Kreise, dass die Fonds kein Bondmailing betreiben würden. Es bestehe die Zusage, dass die Struktur, das Management und die Strategie von Oerlikon erhalten würden, heisst es. Eine Zerschlagung sei kein Thema. Gleichwohl setzen die Fonds den Oerlikon-Grossaktionär Viktor Vekselberg unter Druck: Sie wollen Oerlikons Schulden um 1,5 Mrd Fr. herabsetzen, streuen die involvierten Kreise. Davon könnten die Fonds 300 Mio Fr. in bar zu Oerlikon transferieren, der Rest soll über eine Kapitalerhöhung oder durch die Umwandlung von Schulden in Aktien kommen. Das heisst für Vekselberg: Entweder er schiesst Hunderte Mio Fr. nach oder die Fonds übernehmen das Kommando bei Oerlikon.

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