Björn Rosengren, derzeit noch Chef beim Industriekonzern Sandvik, will bei seinem Amtsantritt als CEO von ABB im März 2020 den Konzern weiter entschlacken. Rosengren hegt offenbar Pläne, die ABB-Sparte Elekrtifizierung zu verkaufen. Das schreibt die schwedische Zeitung «Dagens Industri» ohne nähere Quellenangabe.

Der Verkauf der Elektrifizierungssparte käme einem Erdbeben innerhalb von ABB gleich. Mit einem Umsatz von 13 Milliarden Franken ist die Division die grösste bei ABB. Sie steuert - den Strombereich ausgenommen - rund 40 Prozent zum Konzernumsatz bei. Ziel der Transaktion sei, den Aktionärswert zu steigern, schreibt «Dagens Industri». ABB zählt fast 150'000 Mitarbeiter und erzielte 2018 einen Umsatz von über 27 Milliarden Dollar. 

Robotics & Discrete Automation soll Motor von ABB werden

Laut den Quellen von «Dagens Industri» sei es das Ziel von Rosengren, die Sparte Robotics & Discrete Automation in den nächsten Jahren zum zentralen Wachstumsmotor von ABB zu machen. Die Robotik-Division soll im Schnitt 6 Prozent pro Jahr wachsen, die restlichen Sparten 3 Prozent. 

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Bereits Ende letzten Jahres wurde bekannt, dass ABB die Stromnetzsparte an den Konkurrenten Hitachi verkauft. Der japanische Konzern übernimmt vorerst 80 Prozent an der Division. Damals liess ABB verlauten, der Konzern werde sich künftig auf die vier Sparten Elektrifizierung, Industrieautomation, Robotik und Fertigungsautomation sowie Antriebstechnik konzentrieren.

Artisan International Value Fund fordert Aufspaltung

Haupttreiber von Rosengrens Plänen könnte der ABB-Aktionär Artisan International Value Fund sein. Dieser fordert, dass sich ABB in zwei oder drei separate Unternehmen aufspaltet, etwa in die Bereiche Elektrifizierung und Fabrikautomation. Artisan hält rund 3 Prozent an ABB. Weitere Grossäktionäre sind Investor AB (11 Prozent), Cevian Capital (5 Prozent) und BlackRock (4 Prozent). Vor allem Cevian hatte auf den Verkauf der Stromnetzsparte gedrängt.

Rosengren folgt als ABB-CEO auf Verwaltungsratspräsident Peter Voser, der das operative Amt seit dem Abgang von Ulrich Spiesshofer interimistisch leitet. Spiesshofer trat im April von seinem Amt zurück. Beobachter sahen den Grund für den Rücktritt im ABB-Aktienkurs, den Spiesshofer während seiner sechsjährigen Amtszeit nicht steigern konnte. Auch das organische Wachstum blieb trotz gut laufender Weltkonjunktur hinter den Erwartungen zurück.

Der Aktienkurs von ABB stieg bei der CEO-Ernennung von Rosengren im April um 5 Prozent, ist aber seither wieder rund 15 Prozent gefallen. 

(dhü)

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