Es gibt eine Zeit zum Aufbrechen und eine Zeit zum Innehalten – auch bei der Chefwahl. Als der langjährige SBB-Chef Benedikt Weibel abtrat, war ein externer Manager gefordert, einer, der frischen Wind in den etwas gar behäbigen Staatsbetrieb brachte. Doch nach rund zwölf Jahren Andreas Meyer braucht es nun wieder einen waschechten «Bähnler» oder «Cheminot», der für die Grundwerte des Service public einsteht und die SBB bestens kennt.

Einen wie Vincent Ducrot, der sich selbst als «bescheiden» und «transparent» beschreibt und der, anders als sein Vorgänger, kein Problem hat, beim Salär unter der magischen Grenze von einer Million Franken zu bleiben. Es ist kein Generationenwechsel, ist doch der 57-jährige Ducrot nur ein Jahr jünger als Meyer. Aber ein klarer Typenwechsel.

Und damit ein Wechsel, der auch der Politik gefallen dürfte. Denn selten stand die SBB so in der Kritik wie heute: Probleme mit der Pünktlichkeit und der Zuverlässigkeit, das nicht enden wollende Drama rund um die Dosto-Doppelstockzüge, der Lokführermangel und zuletzt der tödliche Unfall wegen defekter Türen haben arg am Lack des Schweizer Nationalheiligtums gekratzt. Ducrot verspricht Besserung. Wunder kann allerdings auch er nicht vollbringen.

Anzeige

Die Karriere

Nach der Matura geht Ducrot von 1982 bis 1987 an die ETH Lausanne (EPFL), wo er sich zum Ingenieur ausbilden lässt. Danach hängt er noch zwei weitere Jahre zum Nachdiplomstudium an der ETH Zürich an. Nach einem Abstecher von 1989 bis 1993 in die Beratungsindustrie bei James Martin Associates in Lausanne und Paris geht Ducrot zur SBB, wo er 18 Jahre bleibt. Er startet in der Informatikabteilung unter SBB-IT-Chef Josef Egger und steigt in der Ära des langjährigen SBB-Patrons Benedikt Weibel die Karriereleiter hoch bis zum Leiter der Fernverkehrssparte.

Weibel ist es auch, der ihn zum SBB-Delegierten für die Expo 2002 ernennt. Ducrots direkter Vorgesetzter ist Paul Blumenthal, der Chef der Division Personenverkehr. Als Blumenthal nach schwerer Krankheit nicht mehr zur SBB zurückkommt, übernimmt Ducrot für eine kurze Zeit interimistisch die Leitung des Personenverkehrs.

Im Sommer 2011 verlässt Ducrot die SBB und wird Direktor der Freiburger Verkehrsbetriebe TPF. Er hatte sich gegen 47 Mitbewerber durchgesetzt, wie der damalige TPF-Präsident, der mittlerweile verstorbene Direktor des Freiburger Wirtschaftsverbands Fédération Patronale et Economique Christian Castella, festhielt. Nun holt ihn SBB-Präsidentin Monika Ribar zurück zur SBB.

Die Familie

Vincent Ducrot wird 1962 geboren und wächst mit seinem Bruder Charles, der heute in der kantonalen Verwaltung arbeitet, und seiner Schwester Martine im freiburgischen Châtel-St-Denis auf. Sein Vater Henri war Tierarzt und später Kantonstierarzt, seine Mutter Rose-Marie Ducrot eine engagierte CVP-Politikerin: Sie war die Gemeindepräsidentin von Châtel-St-Denis, Grossrätin, Grossratspräsidentin und zwischen 1995 und 1999 gar Nationalrätin. Ducrots Tante und Schwester seiner Mutter, Anita Brünisholz, war ebenfalls für die CVP im Kantonsparlament.

Trotz familiärer CVP-Nähe ist der designierte SBB-Chef selbst nicht Mitglied einer Partei, wie er betont. Ducrot ist verwitwet, Vater von sechs Kindern im Alter von 12 bis 27 Jahren und wohnt in der Gemeinde Echarlens, deren Finanzkommission er präsidiert. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er Mitglied beim Samariterverband.

Vincent Ducrot wird 1962 geboren und wächst mit seinem Bruder Charles, der heute in der kantonalen Verwaltung arbeitet, und seiner Schwester Martine im freiburgischen Châtel-St-Denis auf. Sein Vater Henri war Tierarzt und später Kantonstierarzt, seine Mutter Rose-Marie Ducrot eine engagierte CVP-Politikerin: Sie war die Gemeindepräsidentin von Châtel-St-Denis, Grossrätin, Grossratspräsidentin und zwischen 1995 und 1999 gar Nationalrätin. Ducrots Tante und Schwester seiner Mutter, Anita Brünisholz, war ebenf

Rose-Marie Ducrot in ihrer Zeit als Nationalrätin. 

Quelle: ZVG
Anzeige

Dieser Text erschien in der Januar-Ausgabe 01/2020 der BILANZ.