Es gibt eine Zeit zum Aufbrechen und eine Zeit zum Innehalten – auch bei der Chefwahl. Als der langjährige SBB-Chef Benedikt Weibel abtrat, war ein externer Manager gefordert, einer, der frischen Wind in den etwas gar behäbigen Staatsbetrieb brachte. Doch nach rund zwölf Jahren Andreas Meyer braucht es nun wieder einen waschechten «Bähnler» oder «Cheminot», der für die Grundwerte des Service public einsteht und die SBB bestens kennt.

Einen wie Vincent Ducrot, der sich selbst als «bescheiden» und «transparent» beschreibt und der, anders als sein Vorgänger, kein Problem hat, beim Salär unter der magischen Grenze von einer Million Franken zu bleiben. Es ist kein Generationenwechsel, ist doch der 57-jährige Ducrot nur ein Jahr jünger als Meyer. Aber ein klarer Typenwechsel.

Und damit ein Wechsel, der auch der Politik gefallen dürfte. Denn selten stand die SBB so in der Kritik wie heute: Probleme mit der Pünktlichkeit und der Zuverlässigkeit, das nicht enden wollende Drama rund um die Dosto-Doppelstockzüge, der Lokführermangel und zuletzt der tödliche Unfall wegen defekter Türen haben arg am Lack des Schweizer Nationalheiligtums gekratzt. Ducrot verspricht Besserung. Wunder kann allerdings auch er nicht vollbringen.

Die Mitstreiter und Gegenspieler von Vincent Ducrot

Jacques Boschung
Juerg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus spricht an der Winter Medienkonferenz von Schweiz Tourismus, fotografiert am Dienstag, 7. November 2017 in der Cigarettenfabrik in Zuerich. (PPR/Manuel Lopez).
Jeannine Pilloud, Swiss Federal Railways delegate in an industry committee for the development of public transportation, portrayed at Zurich Altstetten train station, Switzerland, on July 9, 2018. (KEYSTONE/Gaetan Bally) Jeannine Pilloud, SBB Delegierte fuer OEV-Branchenentwicklung, portraetiert am 9. Juli 2018, am Bahnhof Zuerich Altstetten. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Giorgio Tuti, Praesident SEV, spricht waehrend der 296. SGB-Delegiertenversammlung, am Freitag, 25. Mai 2018 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Bombardier-Schweiz-Chef Stephane Wettstein an einer Medienkonferenz in Zuerich am Mittwoch, 6. November 2019. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Georges Godel, President du Conseil d'Etat, Directeur des finances, prend la parole lors d'une conference de presse du Conseil d'Etat sur l'audits de la gestion financiere du HFR, ce vendredi 13 juillet 2018 a Fribourg. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Pierre-Olivier Nobs (PCS - Centre gauche) lors du premier tour des elections communales 2016 pour la Municipalite de la ville de Fribourg, ce dimanche 28 fevrier 2016 a Fribourg. (KEYSTONE/Cyril Zingaro)
Jean-Francois Steiert, directeur de l'amenagement, de l'environnement et des constructions du canton de Fribourg, fais un discours lors de l'inauguration du pont routier du Tiguelet, qui relie Belfaux a la zone industrielle de Givisiez, ce lundi, 12 novembre 2018 a Givisiez. (KEYSTONE/Adrien Perritaz)
Jacques Bourgeois, Nationalrat FDP-FR, portraitiert am 10. Dezember 2019 in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Christian Levrat, candidat PS au Conseil des Etats, centre, est photographie lors de la journee des resultats du second tour des elections au Conseil des Etats, ce dimanche, 10 novembre 2019 a Fribourg. (KEYSTONE/Anthony Anex)
ARCHIV - AM 11. DEZEMBER 2019 WIRD SIMONETTA SOMMARUGA VORAUSSICHTLICH ZUR BUNDESPRAESIDENTIN GEWAEHLT, DAZU STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Bundesraetin Simonetta Sommaruga waehrend einer Medienkonferenz, am Montag, 12. Maerz 2018 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
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Die Mitstreiter:

Er gratuliere «mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagte der Freiburger Regierungsrat Georges Godel, der die Freiburger Verkehrsbetriebe TPF präsidiert. Ducrots Nomination an die SBB-Spitze sei eine Chance, aber für die TPF ein Verlust. Denn darin sind sich alle Freiburger einig: Ducrot hat als TPF-Chef einen guten Job gemacht und die Unternehmung modernisiert.

Quelle: Keystone
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Die Karriere

Nach der Matura geht Ducrot von 1982 bis 1987 an die ETH Lausanne (EPFL), wo er sich zum Ingenieur ausbilden lässt. Danach hängt er noch zwei weitere Jahre zum Nachdiplomstudium an der ETH Zürich an. Nach einem Abstecher von 1989 bis 1993 in die Beratungsindustrie bei James Martin Associates in Lausanne und Paris geht Ducrot zur SBB, wo er 18 Jahre bleibt. Er startet in der Informatikabteilung unter SBB-IT-Chef Josef Egger und steigt in der Ära des langjährigen SBB-Patrons Benedikt Weibel die Karriereleiter hoch bis zum Leiter der Fernverkehrssparte.

Weibel ist es auch, der ihn zum SBB-Delegierten für die Expo 2002 ernennt. Ducrots direkter Vorgesetzter ist Paul Blumenthal, der Chef der Division Personenverkehr. Als Blumenthal nach schwerer Krankheit nicht mehr zur SBB zurückkommt, übernimmt Ducrot für eine kurze Zeit interimistisch die Leitung des Personenverkehrs.

Im Sommer 2011 verlässt Ducrot die SBB und wird Direktor der Freiburger Verkehrsbetriebe TPF. Er hatte sich gegen 47 Mitbewerber durchgesetzt, wie der damalige TPF-Präsident, der mittlerweile verstorbene Direktor des Freiburger Wirtschaftsverbands Fédération Patronale et Economique Christian Castella, festhielt. Nun holt ihn SBB-Präsidentin Monika Ribar zurück zur SBB.

Branchentreff: Vincent Ducrot und die Chefs der grösseren Verkehrsbetriebe

Portrait of Renato Fasciati, CEO of the Rhaetian Railway, taken in a train at the train station in Chur, Canton of Grisons, Switzerland, on March 22, 2018. (KEYSTONE/Christian Beutler)Renato Fasciati, CEO der Rhaetischen Bahn, portraitiert am 22. Maerz 2018 in einem Zug am Bahnhof in Chur. (KEYSTONE/Christian Beutler)
Thomas Kuechler, Vorsitzender der Geschaeftsleitung SOB, spricht waehrend einer Medienkonferenz ueber den Bahnausbauschritt 2035, am 27. Februar 2019 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
ABD0064_20190711 - WIEN - ÖSTERREICH: Bombardier Schweiz Geschäftsführer Stephane Wettstein und der Direktor der Verkehrsbetriebe Zürich Guido Schoch (R.) im Rahmen einer Präsentation der Straßenbahn Flexity Zürich am Donnerstag, 11. Juli 2019, bei Bombardier in Wien. - FOTO: APA/ROBERT JAEGER
Christian Pluess, neuer Leiter PostAuto stellt sich den Medien vor, am Donnerstag, 1. November 2018, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Peter Fueglistaler, Direktor Bundesamt fuer Verkehr, spricht ueber das neue Aufsichtskonzept zu den Subventionen im oeffentlichen Verkehr, am Montag, 6. Mai 2019, in Ittigen. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Ueli Stueckelberger, Direktor Verband oeffentlicher Verkehr VoeV, gibt ein Interview, nach einer Medienkonferenz ueber den Bahnausbauschritt 2035, am 27. Februar 2019 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Norbert Schmassmann, Direktor vbl, spricht vor dem Elektrobus "Urbino", welcher von der vbl, Verkehrsbetriebe Luzern, und der ZVB, Zugerland Verkehrsbetriebe, am Donnerstag, 1. Februar 2018, in der Stadt Luzern getestet wird. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
Andreas Meyer, CEO der SBB, spricht ueber die Vergabe der Fernverkehrskonzessionen durch das Bundesamt fuer Verkehr BAV, am Freitag, 4. Mai 2018 in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Bernard Guillelmon, CEO BLS, spricht wahrend einer BLS-Medienkonferenz ueber den aktuellen Stand betreffend Fernverkehrskonzession ein, am Freitag, 8. September 2017 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Portrait of Renato Fasciati, CEO of the Rhaetian Railway, taken in a train at the train station in Chur, Canton of Grisons, Switzerland, on March 22, 2018. (KEYSTONE/Christian Beutler)Renato Fasciati, CEO der Rhaetischen Bahn, portraitiert am 22. Maerz 2018 in einem Zug am Bahnhof in Chur. (KEYSTONE/Christian Beutler)
Thomas Kuechler, Vorsitzender der Geschaeftsleitung SOB, spricht waehrend einer Medienkonferenz ueber den Bahnausbauschritt 2035, am 27. Februar 2019 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
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Vincent Ducrot kennt sie alle, und sie kennen ihn: Denn alle Chefs der grösseren Verkehrsbetriebe treffen sich regelmässig bei den Vorstandssitzungen des von Ueli Stückelberger geführten Verbands öffentlicher Verkehr (VöV).

Quelle: Keystone

Die Familie

Vincent Ducrot wird 1962 geboren und wächst mit seinem Bruder Charles, der heute in der kantonalen Verwaltung arbeitet, und seiner Schwester Martine im freiburgischen Châtel-St-Denis auf. Sein Vater Henri war Tierarzt und später Kantonstierarzt, seine Mutter Rose-Marie Ducrot eine engagierte CVP-Politikerin: Sie war die Gemeindepräsidentin von Châtel-St-Denis, Grossrätin, Grossratspräsidentin und zwischen 1995 und 1999 gar Nationalrätin. Ducrots Tante und Schwester seiner Mutter, Anita Brünisholz, war ebenfalls für die CVP im Kantonsparlament.

Trotz familiärer CVP-Nähe ist der designierte SBB-Chef selbst nicht Mitglied einer Partei, wie er betont. Ducrot ist verwitwet, Vater von sechs Kindern im Alter von 12 bis 27 Jahren und wohnt in der Gemeinde Echarlens, deren Finanzkommission er präsidiert. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er Mitglied beim Samariterverband.

Vincent Ducrot wird 1962 geboren und wächst mit seinem Bruder Charles, der heute in der kantonalen Verwaltung arbeitet, und seiner Schwester Martine im freiburgischen Châtel-St-Denis auf. Sein Vater Henri war Tierarzt und später Kantonstierarzt, seine Mutter Rose-Marie Ducrot eine engagierte CVP-Politikerin: Sie war die Gemeindepräsidentin von Châtel-St-Denis, Grossrätin, Grossratspräsidentin und zwischen 1995 und 1999 gar Nationalrätin. Ducrots Tante und Schwester seiner Mutter, Anita Brünisholz, war ebenf

Rose-Marie Ducrot in ihrer Zeit als Nationalrätin. 

Quelle: ZVG
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Dieser Text erschien in der Januar-Ausgabe 01/2020 der BILANZ.