Die Kreditkartenbank Viseca der Aduno-Gruppe verliert einen weiteren Partner – zumindest teilweise. Die Aduno-Aktionärin Migros Bank kündigt an, im kommenden Jahr neu mit der Cembra Money Bank zu kooperieren.

Derzeit werde ein gemeinsames Projekt erarbeitet, schreibt Cembra in einer Mitteilung. Bisher vertreibt die Migros Bank Kreditkarten von Viseca/Aduno. Die neue Karte werde eine «Ergänzung» des Angebots sein, sagt Bank-Sprecher Urs Aeberli.

Die Meldung lässt in der Szene aufhorchen, denn mit der Migros Bank geht nicht die erste Aduno-Aktionärin fremd. Bereits seit längerem vertreibt die Basler Kantonalbank (BKB) eine FCB-Kreditkarte der Tessiner Cornèrcard, obwohl sie wie die Migros Bank an der Aduno-Gruppe beteiligt ist und ihre Standard-Karten von dieser bezieht.

Und unlängst lancierte die BKB-Tochter Cler für ihr Online-Konto «Zak» eine virtuelle Kreditkarte von Cornèrcard. In beiden Fällen wurden technische Gründe geltend gemacht. Sprich: Aduno konnte nicht liefern, was BKB und Cler wollten. 

Es geht um die Kosten: Migros Bank will es günstiger

Im Falle der Migros Bank geht es eher um die Kosten der Karten, Aduno ist ihr wohl zu teuer. «Wir wollen etwas Neues bieten, was so mit Viseca nicht geht», sagt Migros-Bank-Sprecher Urs Aeberli. Die genauen Konditionen der neuen Karten ständen noch nicht fest, betont er. «Aber wir wollen etwas machen, was mit den Konditionen der Cumulus-Kreditkarte der Migros vergleichbar ist.» Und diese kennt beispielsweise keine Jahresgebühren.

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Dass man das Projekt schon jetzt ankündigt, obwohl die Karte erst «Ende 2020» lanciert werden soll, begründet Cembra-Sprecherin Carolin Schulze unter anderem mit der Börsenkotierung von Cembra, welche bedinge, das kursrelevante Informationen ad hoc kommuniziert werden müssen. Offenbar rechnet Cembra mit einem grösseren Zufluss von Kunden. Kunden, die dann wohl der Aduno-Gruppe fehlen werden.

Aduno-Chef: «Nicht jedem Trend hinterherrennen»

Aduno zeigt sich derweil gelassen. «Die Migros Bank ist – wie alle unsere Kundenbanken – frei bei der Wahl ihrer Partner», sagt Pressesprecher Nicolas Kucera. «Das neue, zusätzliche Angebot ist eine Angelegenheit zwischen der Migros Bank und Cembra und tangiert unsere Partnerschaft mit der Migros Bank nicht.»

In einem aktuellen HZ-Interview sagt Firmenchef Max Schönholzer, man wolle vor allem mit Service und Kundendienst punkten. Mit Blick auf die damalige Einführung der Gratiskreditkarten von Migros und Coop sagt er: «Das hatte einen Einfluss auf den Markt, aber am Ende des Tages lief unser Geschäft gut weiter.»

Ähnlich selbstbewusst will Aduno auf neue Gratisanbieter wie Revolut reagieren. «Ich sage nicht, wir sollten uns nicht bewegen. Aber wir dürfen nicht einfach jedem Trend hinterherrennen», so Schönholzer.

Grundsätzlich wäre es möglich, dass Aduno/Viseca neue Gratisprodukte lancierte, sagt er. «Ich frage mich aber, ob es sinnvoll wäre. Die Banken sind unsere Kunden. Sie sagen, was über ihre Kanäle absetzbar ist. Und nur dort, wo im Vertrieb eine Wertschöpfung möglich ist, machen neue Karten Sinn.»

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Das Interview mit Viseca-Aduno-Chef Schönholzer

Das Interview mit Viseca-Aduno-Chef Schönholzer über Konkurrenten wie Revolut und die Banken als Vertriebskanal gibt es hier