Der Stolz von Nick Hayek würde es nie zulassen, zwei relevante Prozentzahlen als Fakten anzuerkennen: die 29 und die 20. 2022 lag der Marktanteil der Uhrenmarken der Swatch Group gemäss Daten von Morgan Stanley und Luxconsult – den besten verfügbaren Schätzungen in einem notorisch intransparenten Markt – bei 20 Prozent. 2017 hingegen lag er noch bei 29 Prozent. In nur sechs Jahren hat das einst grösste Uhrenunternehmen der Schweiz fast 10 Prozent des Marktes verloren, seinen Spitzenplatz an Rolex abgeben müssen und zugesehen, wie seine drei Topmarken Omega, Longines und Tissot entweder ganz aus den Top Ten gefallen sind oder Topplätze an die Konkurrenz verloren haben.

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Im Verwaltungsrat der Swatch Group, präsidiert von Nick Hayeks Schwester Nayla Hayek, und in der Geschäftsleitung des Konzerns, geführt von Nick Hayek himself, müsste also längst Hektik ausgebrochen sein. Es müsste Alarmstimmung herrschen. Schliesslich droht der in einem helvetischen Kraftakt gezimmerte Konzern – quasi das staatlich geförderte Konstrukt, um das Ende der Schweizer Uhrenindustrie nach der Quarzkrise abzuwenden – weiter an Relevanz zu verlieren, wenn die Führung den Abwärtstrend nicht brechen kann.

Doch von Hektik und Alarmismus ist nichts zu spüren.

Die Hayeks scheinen die Augen vor den Veränderungen im Uhrenmarkt zu verschliessen

Stattdessen beschwört Nick Hayek in einem kürzlich erschienenen Interview die Harmonie im Konzern. Seine Schwester, sein Neffe Marc Hayek und er selbst würden «sehr harmonisch zusammenarbeiten», sich «sehr gut ergänzen». Das mag stimmen, kann aber keine befriedigende Antwort sein auf die Veränderungen im Uhrenmarkt, vor denen die Hayeks die Augen zu verschliessen scheinen.

Hayek wertet die Moonswatch als «phänomenalen Erfolg». Doch im globalen Uhrenmarkt laufen selbst die Stückzahlen des Erfolgsmodells unter ferner liefen.

Sehr zum Missfallen der Aktionäre notabene: In den letzten fünf Jahren hat die Swatch-Aktie 40 Prozent an Wert verloren, im laufenden Jahr sind es 12 Prozent. Anders formuliert: Wäre die Swatch Group nicht das kotierte Familienunternehmen, das sie ist, wären die Hayeks ihre Führungsrollen längst los. Nick Hayek mag sich an seinem Spruch ergötzen, sein Unternehmen verkaufe «Uhren, keine Aktien». Doch für den Chef eines kotierten Unternehmens ist die Aussage vor allem peinlich.

Keine Antwort auf die Smartwatch-Revolution

Das Hauptgeschäft der Gruppe spielt sich dort ab, wo seit 2015 kein Stein mehr auf dem anderen steht. Smartwatches haben den Markt für Uhren unter 1000 Franken komplett auf den Kopf gestellt. Apple allein verkauft mehr Uhren als die gesamte Schweizer Uhrenindustrie zusammen, 2022 waren es rund 44 Millionen Stück. Diese Zahl rückt den Erfolg der Moonswatch – die einzige Modellreihe, mit der die Swatch Group in den letzten Jahren für Aufsehen gesorgt hat – in ein angemessenes Licht. Bekanntlich gingen zwischen März und Dezember 2022 rund eine Million Moonswatches über den Ladentisch. Was Hayek als «phänomenalen Erfolg» wertet, ist im globalen Uhrenmarkt eigentlich wenig mehr als Peanuts.

Kritik lässt Nick Hayek nicht gelten. Er genügt sich selbst in seiner seit Jahren kultivierten Rolle als Pirat der Schweizer Uhrenindustrie. Weder seine Schwester noch sein Neffe, der den Konzern dereinst übernehmen dürfte, geben ihm Kontra. So könnte er zum Dinosaurier werden.