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Diktatur
Nordkorea: Konkurrent lehnte Seilbahn-Deal ab

Kim Jong-un: Das Luxus-Skigebiet mit Seilbahn ist sein Prestigeprojekt. (Bild: ZVG/Keystone)

Der Schweizer Seilbahnhersteller Bartholet wollte mit Nordkorea zusammenarbeiten und wurde gestoppt. Nun zeigt sich: Eine österreichische Konkurrentin wurde ebenfalls angefragt, lehnte jedoch ab.

Von Vasilije Mustur
am 21.08.2013

Er rasselt mit dem atomaren Säbel, schwingt die verbale Keule und lässt sein Volk hungern. In den Augen des Westens ist  der nordkoreanische Präsident Kim Jong-un ein unberechenbarer Despot. Dies hinderte den Schweizer Seilbahnhersteller BMF Bartholet Maschinenbau mit Sitz in Flums SG jedoch nicht daran, mit Nordkorea Geschäfte zu machen.

Kim Jong-un versucht seit dem Tode seines Vaters Kim Jong-il seine Macht zu zementieren und auszubauen. Deshalb droht der junge Diktator nicht nur ab und zu militärisch, sondern baut am Masikpass auf 768 Metern Höhe ein Luxus-Skigebiet mit 110 Kilometern Piste, Seilbahnen, Hotels und einem Helikopterlandeplatz, um die Elite im Lande an sich zu ketten. BMF wollte dafür die Seilbahn liefern. Doch der Bundesrat untersagte den Deal.

Eine Anfrage aus Pjöngjang

Pjöngjang fragte jedoch nicht nur bei BMF an. Ende des vergangenen Jahres wandte sich das Regime auch an das österreichisch-schweizerische Unternehmen Doppelmayr-Garaventa. Es deponierte eine Anfrage für den Bau einer Sesselbahn, wie ein Sprecher gegenüber handelszeitung.ch bestätigte.

Doppelmayr nahm den Auftrag entgegen und begann in einer Arbeitsgruppe die Fragen zu den Materialien, Arbeitskräften, Techniken und Infrastruktur des Projekts zu klären. Nach Abschluss des Evaluationsverfahrens präsentierte die Projektleitung den Plan der Geschäftsleitung. Das Resultat: Die Führung verwarf das Projekt aus Polit- und Imagegründen. Das sei ein ganz «normaler» Vorgang, so der Sprecher.

Früher sagt man noch Ja

Nicht immer handelte Doppelmayr indes so konsequent. Denn in der Vergangenheit baute der Weltmarktführer vier Bahnen für Nordkorea. In den Achtzigerjahren habe man das Land beliefert, bestätigt der Sprecher. Er legt aber Wert auf der Feststellung, dass die damalige politische Lage mit der derzeitigen  nicht zu vergleichen sei und die Seilbahnen möglicherweise von Unternehmen gebaut worden seien, welche damals noch nicht zur Doppelmayr-Gruppe gehört hätten.

Tatsächlich hat sich die Lage auf der koreanischen Halbinsel in den vergangenen Jahren zugespitzt: Nachdem das kommunistische Land im Jahre 2005 einen Atomtest ankündigte und diesen am 9. Oktober 2006 erholgreich durchführte, verhängte die UNO Wirtschaftssanktionen. Diese wurden bis im Frühjahr 2013 laufend verschärft. Aus diesem Grund lehnte Doppelmayr die Ende vergangenen Jahres eingegangene Anfrage ab.

Doppelmayr lag richtig

Am Ende kam die Schweizer Firma zum Handkuss. Sie unterzeichnete im Frühjahr 2013 einen Vertrag für den Bau einer kombinierten Sessel- und Kabinenbahn in der Höhe von gegen sieben Millionen Franken. Die Flumser Kleinfirma sollte demnach die Einzelteile der Anlage herstellen und an einen chinesischen Partner liefern. Dieser wiederum wurde damit beauftragt, die Bahn auf dem Masikpass zusammenzubauen. 

Derweil lag Doppelmayr mit seiner politischen Einschätzung richtig: Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) intervenierte gegen die Zusammenarbeit mit Nordkorea und stoppte das Projekt. Nach Einschätzung des Bundes handelt es sich beim Luxus-Skigebiet um ein «Prestige- und Propagandaprojekt des Regimes». 

Bartholet ist vom Seco enttäuscht

Das wiederum stösst dem BMF-Verwaltungsratspräsidenten Roland Bartholet  sauer auf. «Das Skigebiet muss zuerst vernünftig wachsen. Für die Dimension des geplanten Skigebietes bräuchte es jedoch eine sehr grosse Elite-Gesellschaft». Zudem sei Bartholet in vielen Ländern tätig, «welche wir bei Unsicherheiten im Vorfeld vom Seco überprüfen lassen. Bei dieser Anfrage gab es im Vorfeld keine Bedenken».

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