Novartis ist weiter auf Einkaufstour. Der Basler Pharmakonzern kauft für 9,7 Milliarden Dollar das amerikanische Biotechunternehmen The Medicines Company, wie am Sonntagabend bekannt wurde.

Das Unternehmen aus New Jersey hat Inclisiran, eine neuartige Therapie gegen Cholesterin in der Entwicklung. Es handelt sich dabei um eine Technologie, die es ermöglicht, zu hohes Cholesterin mit einer subkutanen Spritze unter die Haut effektiv zu behandeln. Die Behandlung muss zweimal pro Jahr durchgeführt werden.

Bei mehr als 50 Millionen Patienten mit arteriosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen könne das Cholesterin nicht ausreichend reduziert werden, weshalb sie weiter erhöhte Risiken hätten, schreibt Novartis.

Die klinischen Daten aus den klinischen Studien zeigten, dass Inclisiran zu eine dauerhaften Senkung um 50 Prozent gegenüber dem besten heute verfügbaren Therapiestandard führe. 

"Wir sind schon lange beeindruckt von den Resultaten von Inclisiran in den klinischen Studien und wir denken, dass sich die Therapie als disruptiv herausstellen könnte", schreibt Lorenzo Biasio, Pharma-Analyst bei der Credit Suisse. Der entscheidende Vorteil sei die Dosierung mit einer zweimal jährlichen Behandlung gegenüber einer zweimal monatlichen bei den aktuell verfügbaren Therapien. "Das ist ein substantieller Vorteil für die Ärzte, die Patienten und die Zahler, vor allem dann, wenn es darum geht, das Medikament in einem präventiven Setting anzuwenden", schreibt der Credit-Suisse-Analyst weiter. 

Der Vorteil der nur zweimal jährlichen Behandlung sei entscheidend, schreibt auch Michael Nawrath, Pharma-Analyst der ZKB. Zum Vergleich: Die beiden vergleichbaren Präparate von Amgen und Sanofi sind bereits seit vier Jahren am Markt, erzielten aber im zweiten Quartal 2019 lediglich Umsätze von 152 Millionen Dollar beziehungsweise 73 Millionen Dollar – und dies, obwohl der Preis um 60 Prozent auf knapp 6000 Dollar pro Jahr reduziert wurde. Inclisiran sei mindestens genau so effektiv, müsse aber nur halbjährlich während der üblichen Arztvisiten initiiert werden, schreibt der Pharma-Analyst der ZKB.

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Gesellschaft für das Herzmedikament Entresto

Die Akquisition würde es Novartis ermöglichen, seine Herzkreislauf-Franchise auszubauen. Novartis hat mit Entresto ein führendes Herzmedikament, das 2018 nach einem schleppenden Start mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz machte. Ein paar Jahre zuvor waren die Patente für den Blutdrucksenker Diovan, ebenfalls ein Blockbuster, abgelaufen. 

Die Therapie habe das Potential, eines der grössten Produkte zu werden, schreibt Novartis. Zudem sieht das Unternehmen «signifikante Synergien» mit den existierenden kardiovaskulären Verkaufskapazitäten.

Inclisiran, die Therapie von The Medicines Company richtet sich an Patienten, bei denen die Statine oder Kombinationstherapien mit Statinen, mit denen Cholesterin-Patienten vor allem behandelt werden, nicht gut wirken. Es handelt sich um eine RNA-Therapie, eine vergleichbar neue Technologie, bei der molekulare Botenstoffe, die bei der Entstehung von Cholesterin eine Rolle spielen, ausgeschaltet werden. 

Novartis bezahlt 85 Dollar pro Aktie von Medicines. Das entspricht einer Prämie von 41 Prozent gegenüber dem 30-Tage-Mittel und entspricht einer Bewertung von rund 9,7 Milliarden Dollar. Das ist zwar viel, aber durchaus üblich bei Biotech, wo auch schon Deal mit Zuschlägen von 50 Prozent abgeschlossen wurden. Die Akquisition sei für einen "Mega-Blockbuster" nicht überbezahlt, schreibt Michael Nawrath, Pharma-Analyst der ZKB. 

Vierte Milliarden-Übernahme unter Vas Narasimhan

The Medicines Company ist die vierte Milliarden-Übernahme seit der ehemalige Entwicklungschef und Arzt Vas Narasimhan 2018 Konzernchef von Novartis wurde. Zuvor hatte er 8,7 Milliarden Dollar für das Biotech-Startup Avexis und die Gentherapie Zolgensma auf den Tisch gelegt. Zolgensma ist eine Therapie gegen spinale Muskelatrophie, eine schwere genetische Erkrankung, die in ihrer schwersten Form meist zum Tod der betroffenen Kinder bis zum zweiten Lebensjahr führt.

Zudem übernahm Novartis für 3,4 Milliarden Dollar den Augenheilmittel-Hersteller Xiidra und  für  2,1 Milliarden Dollar Endocyte, einen Anbieter von Radioligandentherapien, einer Form von Chemotherapie, bei der die radioaktiven Substanzen direkt in die Zellen transportiert werden. 

Novartis hat in Aussicht gestellt, 5 Prozent seiner Marktkapitalisierung für M&A einzusetzen: Das entspricht aktuell etwas 10 Milliarden Dollar. Die Übernahme liegt also genau im anvisierten Bereich.

  

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