Was haben unsere Schuhe, die wir auf Zalando bestellen, mit teurerem WC-Papier zu tun? Einiges, denn der boomende Onlinehandel sorgt für steigende Zellstoffpreise in Europa. Und Zellstoff wird für Papier, Karton und eben auch Toilettenpapier verwendet. 

Doch auch Umweltschutzbemühungen wie der Wechsel von Plastik zu Papier oder die wachsende Weltbevölkerung treiben die Nachfrage nach Pappkarton nach oben. Zellstoff ist deshalb teuer geworden. Denn er eignet sich auch hervorragend für die Produktion von glatten Papieren – so wie es für die Herstellung von WC-Papier benötigt wird. Seit Anfang 2017 sind laut Branchenmeldungen die Preise des Rohstoffs für Hygieneartikel bei gewissen Sorten um bis zu 50 Prozent gestiegen. 

Das bestätigt auch Produzent Kimberly-Clark. Der amerikanische Konzern betreibt im aargauischen Niederbipp ein Werk mit über 300 Mitarbeitern, die verschiedenste Hygienepapiere wie Haushaltpapier, Taschentücher, Kosmetiktücher, Servietten oder eben Toilettenpapier produzieren. «Die Preise für Zellstoff werden zurzeit von der starken Weltwirtschaft und seiner hohen Nachfrage in China hochgehalten», sagt eine Sprecherin. 

Coop erhöht Preise, Migros vorerst nicht

So müssen die Schweizer für die Papier-Grundausstattung tiefer in die Tasche greifen: «Beim Hakle-Toilettenpapier waren wir aufgrund von Preiserhöhungen seitens Lieferant gezwungen, die Preise anzupassen», sagt Coop-Sprecherin Andrea Bergmann. Eine Packung mit elf Rollen à 140 Blatt kostet seit einigen Tagen neu 9.90 Franken statt 9.40 Franken. Das ist eine Steigerung von 5,3 Prozent. 

Auch bei Taschentüchern der Marke Kleenex gab es bei Coop Preisanpassungen: Neu kostet eine Packung 4.40 anstatt 3.80 Franken. Ein Plus von 15,8 Prozent. 

Auch die Migros sieht sich mit höheren Preisen konfrontiert: «Aktuell können die Preise dank bestehenden Verträgen und Vorräten noch gehalten werden. Mittelfristig ist aber mit einer Preissteigerung zu rechnen«, sagt Mediensprecher Patrick Stöpper.

Aldi Schweiz schreibt auf Anfrage: «Wir verfolgen die Entwicklung der Weltmarktpreise für Zellstoffe aufmerksam». Trotz gestiegener Rohstoffpreise konnte Aldi Schweiz bisher auf Preiskorrekturen für den Endverbraucher verzichten. Abhängig von der weiteren Preisentwicklung wird eine Anpassung der Preise allerdings nicht ausgeschlossen, so Mediensprecher Philippe Vetterli.

In Deutschland hingegen hat Aldi die Kosten bereits auf die Konsumenten abgewälzt. Aldi Deutschland hat die Verkaufspreise für WC-Papier und Küchenrollen zwischen 4 und 10 Prozent angehoben. Daraufhin reagierte auch der deutsche Konkurrent Lidl sowie die Drogeriekette Rossmann mit höheren Preisen, wie die «Lebensmittel Zeitung» schreibt. Die Branchenzeitung begründet den Anstieg des Zellstoffs mit dem boomenden Onlinehandel, der zu einer höheren Nachfrage nach Karton führt. 

Für Schweizer spielt es eine Luxus-Rolle

Die höheren Kosten für den diskreten Verbrauchsartikel könnte sich durchaus aufs Haushaltsbudget auswirken: Schliesslich gehören die Schweizer zu den Spitzenreitern im Vebrauch von WC-Papier. Im Durchschnitt benötigen die Schweizer rund 11,5 Kilogramm pro Kopf, das entspricht rund 127 Rollen Toilettenpapier

Damit spülen wir im Jahr beispielsweise mehr Rollen als etwa die Schweden, Briten oder Österreicher das WC runter. Die Deutschen hingegen gönnen sich laut dem Statistikportal «Statista» sogar noch 400 Gramm mehr pro Jahr, das entspricht etwa vier Rollen mehr. Am wenigsten WC-Papier wird in Indien verbraucht. Es sind nicht mal 0,04 Kilogramm pro Kopf pro Jahr.

Auch Zeitungspapier wird teurer

Der Papiermarkt gerat in einer digitalen Welt anscheinend zunehmend unter Druck: Auch der Preis für Zeitungspapier steigt stetig. Bislang bestimmten Überkapazitäten das Geschäft – jetzt wird Zeitungsdruckpapier knapp. Dies treibt seit Jahresbeginn die Preise in die Höhe und belastet schlagartig die Ertragslage der gedruckten Medien. Dabei ist die Herausforderung gross: Die Verlage haben nämlich nur wenig Spielraum, um sich aus dieser Kostenfalle zu befreien.

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