Das Foto zeigt eine Fluggastbrücke. Auf der Seite prangt das Logo der UBS. Die Bildsprache suggeriert: Bei uns lässt sich prima andocken. Die Aufnahme stammt von einem Entwicklerportal der Schweizer Grossbank. Es stellt alle nötigen Informationen dazu bereit, wie Drittanbieter in der EU auf Kontoinformationen europäischer UBS- Kunden zugreifen können.

Vorausgesetzt natürlich, die Bankkunden erlauben dies. Denkbar sind damit Services wie Finanzcockpits, mit denen Kunden auf einen Blick alle Konti bei verschiedenen Instituten in Echtzeit überwachen können. Auch automatisierte Zahlungs­vorgänge im Kundenauftrag sind dann möglich.

Alle Banken sind verpflichtet

Solche Open-Banking-Dienste können Drittanbieter wie Fintechs nur bieten, wenn sie offene, standardisierte Schnittstellen zu kontoführenden Banken haben. Im Rahmen der zweiten Zahlungsdienstrichtlinie (PSD2) sind ab September alle in der EU tätigen Banken verpflichtet, solche Schnittstellen diskriminierungsfrei anzubieten. Mit dabei sind zahlreiche Schweizer Banken mit Geschäft in der Europäischen Union wie UBS, Credit Suisse oder Julius Bär.

Aufgrund der zwingenden EU-Regulierung sind die Schweizer Institute in Europa fit fürs Open Banking. Auf dem Heimmarkt ist von der neuen Offenheit, zumindest für Privatkunden, jedoch wenig zu spüren: «Ein regulatorischer Zwang wäre ein un­nötiger Eingriff in den funktionierenden Markt und würde zu einer Wett­be­werbs­verzerrung zu Ungunsten der Banken führen», lautet die Haltung der Bankiervereinigung.

Bei der Credit Suisse betont man, dass im Firmenkunden-Bereich die Schnitt­stellen geöffnet seien, die Bank Partnerschaften mit Fintechs laufend ausbaue und dass man ein «Corporate Ecosystem» anstrebe. «Im Bereich Privatkunden sammeln wir derzeit erste Erfahrungen im europäischen Raum und evaluieren Anwendungsmöglichkeiten für unsere Kunden in der Schweiz», so die CS.

Zugriff nur auf Geschäftskonti

Auch Konkurrentin UBS fokussiert in der Schweiz bisher ausschliesslich auf Geschäftskunden: Man biete bereits heute sichere Schnittstellen, dort wo Kundenbedürfnisse bestünden. «Einen klaren Kundennutzen stiften dabei auch mo­derne Softwarelösungen für KMU- und Unternehmenskunden», so die UBS. Des Weiteren gebe man externen Vermögensverwaltern schon heute Zugriff auf die Konti der jeweiligen Privatbank-Kunden. Da prüfe man einen weiteren Ausbau des Angebots.

Das Daten-Reduit der Banken hierzulande hat Konsequenzen: Fintechs wie Qontis und Contovista mussten ihr Ge­schäfts­modell umbauen. Denn die Voraussetzungen für Finanzcockpits für Privatkunden, sogenannte Personal ­Finance Manager, sind nicht gegeben. So fehlen Standards wie in der EU, was die Anbindung einzelner Finanzinstitute zur kostspieligen Sisyphusarbeit macht.

Zumal einzelne Institute beim Anbindungsversuch mit Klagen drohten. «Die grosse Angst war, dass mit einem Finanz­cockpit dereinst auch ein Performance-Check in der Vermögensverwaltung möglich würde», erinnert sich ein Involvierter. Solche Transparenz scheuen gewisse Geldverwalter bis heute: Die «Handelszeitung» kennt ein Schweizer Fintech, das bei der UBS für offene Schnittstellen anklopfte, welche die Grossbank nun europäischen Drittanbietern gewähren muss. Die UBS blieb dem Startup eine Antwort schuldig.

Zeit zum Experimentieren

Noch herrsche gerade bei den grösseren Banken die Vorstellung, dass die Kunden alles bei einem Institut zu tätigen hätten, sagt Richard Dratva vom Banking-Entwickler Crealogix: «Open Banking ist aber keine Einbahnstrasse. Statt alles selber machen zu wollen, könnten Banken aktiv dieses Ökosystem orchestrieren und da­raus neue Geschäftsmodelle entwickeln.» Gerade für die Schweizer Banken böten sich jetzt gute Chancen, so Dratva: «Weil die hiesigen Player nicht PSD2-reguliert sind, besteht noch kein unmittelbarer Anpassungsdruck und somit Zeit zum Experimentieren und Positionieren.»

Als nächster Meilenstein hierzulande gilt die vom Infrastrukturbetreiber SIX Group angeführte Corporate API, die auf Initiative von Credit Suisse, Raiffeisen, UBS, Valiant und ZKB zustande kam. Es handelt sich dabei um eine zentrale Schnittstellen-Infrastruktur, die Banken, Drittanbieter und Geschäftskunden kurzschliessen soll. Der Start des Schweizer Schnittstellen-­Hubs soll demnächst erfolgen.

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