Noch im Mai diesen Jahres hielt Peter Fankhauser an der Universität St.Gallen eine Vorlesung unter dem vielversprechenden Titel «From Disrupted to Disruptor». In der Ansprache zeigte der Chef von Thomas Cook auf, wie sich das älteste Reiseunternehmen der Welt repositionieren will. Und wie es mit neuen Dienstleistungen und Konzepten Schwung für die digitale Äral erhalten möchte. 

Nun ist Fankhauser selbst «disruptiert» worden. Der britische Reisekonzern Thomas Cook ist am Ende, der Betrieb wurde mit sofortiger Wirkung eingestellt, 21'000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. Fankhauser sprach in einer Mitteilung von einem «tief traurigen Tag».

Mit den Managerlöhnen an den Pranger

Obwohl der Reisekonzern seit Jahren unter schwierigen Rahmenbedingungen litt, schien Fankhauser zuversichtlich, den Turnaround zu schaffen. Diesen Eindruck vermittelte er nicht nur in der St. Galler Vorlesung, er gab sich auch sonst optimistisch. 

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Schliesslich liess er sich dafür auch fürstlich entlöhnen: Seit der Übernahme als CEO im Jahre 2014 hat Fankhauser rund 8,3 Millionen Pfund kassiert. Im Jahre 2015 erhielt er einen Bonus von rund drei Millionen Pfund. Diese Zahlen verärgern nicht nur die Mitarbeiter, die nun auf der Strasse stehen, sondern offenbar auch die gestrandeten Passagiere: Parallel zu den Chaos-Meldungen aus Europas Flughäfen stellen die britischen Medien nun auch Fankhauser, das Thomas-Cook-Management und dessen Gehälter an den Pranger: «The Thomas Cook bosses who received £20m in bonuses in last 5 years as company collapsed», titelt jetzt zum Beispiel der «Telegraph».

Vom Emmental in die Welt

Die Pleite von Thomas Cook ist der grösste Rückschlag in der bemerkenswerten Karriere von Peter Fankhauser. Sein Heimatort ist das 1000-Seelen-Dorf Trub im Emmental, aufgewachsen ist er in Burgdorf. Fankhauser wurde schliesslich als national erfolgreicher Kunstturner schweizweit bekannt. Er turnte sich auch in der Geschäftswelt rasch nach oben: Über McKinsey kam er bereits mit 28 Jahren als Leiter Unternehmensentwicklung zu Kuoni. Das war 1989. Seither ging es für den «Bub von Trub» stetig aufwärts. In zehn Jahren arbeitete er sich beim Schweizer Reiseveranstalter in die Konzernleitung hoch, wechselte dann aber zum deutschen Ferienflieger LTU

Schliesslich heuerte Fankhauser bei der deutschen Thomas-Cook-Tochter an und kümmerte sich dort um die wichtigste Marke Neckermann. Immer wieder wurde Fankhauser aber auch als möglicher Kuoni-Chef gehandelt. Er war etwa beim CEO-Wechsel 2014 auf der Liste. Doch der Berner winkte ab und wollte lieber seine Karriere im Ausland bei Thomas Cook weiterverfolgen.

«Grossartige Ferien»

Für diese Hartnäckigkeit wurde er schliesslich im gleichen Jahr belohnt: Ende November 2014 wurde der damals 54-Jährige Knall auf Fall zum CEO von Thomas Cook gekürt. Hinter TUI ist Cook der zweitgrösste Reisekonzern Europas. Fankhauser gehörte zu den wenigen Schweizer Managern, die es im Ausland an die Spitze eines Milliardenkonzerns geschafft haben. Bei seinem Antritt versprach er: «Ich will den Konsumenten grossartige Ferien bieten und den Investoren gute Erträge.»

Daraus ist nun nichts geworden. Trotz der Pleite von Thomas Cook stellen ehemalige Mitarbeiter dem 58-Jährigen ein gutes Zeugnis aus, schreibt der «Telegraph». Nach seiner Übernahme steuerte er den Konzern wieder in die schwarzen Zahlen. Ein moderner Anstrich und die Übernahme von Hotels schienen sich auszuzahlen.

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Problem Hitzesommer

Doch schliesslich brach wohl der Hitzesommer 2018 dem britischen Reisekonzern das Genick: Viele Kunden entschlossen sich, die Ferien lieber zuhause als im Ausland zu verbringen. Dazu kamen die Angst rund um den Brexit, der Wertverlust des Pfunds sowie der ewige Konkurrenzkampf mit Onlinediensten sowie ein Rechtsstreit um zwei tote Kinder in Korfu.

Thomas Cook Frankfurt

Reisende vor dem Thomas-Cook-Schalter am Flughafen Frankfurt: 150'000 Kunden sind in ihren Ferien gestrandet. Sie müssen ihre Rechnungen teils aus eigener Tasche bezahlen, weil Hotels um ihr Geld fürchten. 

Quelle: Keystone

Erzürnt von der Pleite ist auch die chinesische Fosun-Gruppe: «Fosun ist enttäuscht, dass Thomas Cook keine tragfähige Lösung für ihre geplante Rekapitalisierung mit anderen Tochtergesellschaften, Banken und weiteren Beteiligten gefunden hat», schreibt das chinesische Unternehmen. Die beiden Fosun-Unternehmen hielten einen gemeinsamen Anteil von rund 18 Prozent an der Thomas Cook Group; sie sind damit die beiden grössten Aktionäre des britischen Unternehmens.

«Hätten wir besser machen können»

Der Rettungsplan von Fosun hätte dazu geführt, dass das Unternehmen über die in Hongkong börsennotierte Tochtergesellschaft Fosun Tourism Group 450 Millionen Pfund in Thomas Cook investiert hätte. Im Gegenzug hätten die Chinesen eine Mehrheitsbeteiligung am Tourengeschäft und eine Minderheitsbeteiligung am Flugbetrieb erhalten. 

«Es ist klar, dass es Dinge gibt, die wir als Unternehmen in den letzten neun Jahren hätten besser machen können», räumt Fankhauser zum Schluss ein. Die Rückholaktion der rund 150'000 gestrandeten Briten ist übrigens wohl auch indirekt dem Schweizer CEO gewidmet. Sie heisst nämlich «Matterhorn». 

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