Roche trägt dick auf: Der Basler Pharmariese will in den kommenden zehn Jahren 3 Milliarden Franken in den Bau des neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum am Rheinufer in Basel investieren. Das Projekt umfasst ein 50-stöckiges Hochhaus, das 205 Meter hoch werden soll. Es soll beim geplanten Bezug im Jahr 2021 das höchste Gebäude der Schweiz sein.

Die Schweizer Pharmabranche klotzt. Nicht nur gehören die obersten Manager der beiden Pharmagiganten Roche und Novartis mit einem Jahressalär von über 13 Millionen Franken zu den bestbezahlten des Landes (siehe Bildergalerie unten). Die beiden Wettbewerber konkurrieren auch architektonisch und verändern mit ihren Projekten am Rheinufer grundlegend das Stadtbild von Basel. Roches Lokalrivale Novartis baute sich mit dem neuen Firmengelände ebenfalls ein milliardenschweres Monument der Macht. 

Schon jetzt reihen sich Werke von Stararchitekten wie an einer Perlenkette – und machen Basel zur Architektur-Hauptstadt der Schweiz.

«Für Basel enorm wichtig»

Roches Pläne überzeugen auch die Politik in Basel. «Sie sind ein grossartiges Bekenntnis zur Stadt Basel als Hauptstandort eines der grössten Unternehmen der Welt», sagt Conradin Cramer, Präsident der Bau- und Raumplanungskommissionn des Grossen Rates des Kantons Basel-Stadt, gegenüber handelszeitung.ch. Für Basel seien diese Investitionen enorm wichtig. Sie würden helfen, Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Stadt zu erhalten und zu vergrössern.

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«Die geplanten Bauten werden das Stadtbild – wie schon der jetzt fast fertig gebaute erste Roche-Turm – natürlich nochmals verändern und prägen», sagt Cramer. «Ich finde es gut, dass das Unternehmen nicht auf der grünen Wiese baut, sondern seinen bestehenden Standort innerhalb der Stadt mit hochwertiger Architektur verdichtet.»

Basel wird Zürich ausstechen

Das neue Projekt von Roche soll für 1900 Mitarbeiter gebaut werden. «Roche setzt langfristig auf die Schweiz und Basel als Konzernhauptsitz und gleichzeitig einen unserer weltweit wichtigsten Standorte», wird Konzernchef Severin Schwan zitiert. Das Forschungszentrum soll aus insgesamt vier Gebäuden bestehen mit Höhen zwischen 16 und 132 Meter. Herzstück wird der geplante 205 Meter hohe Turm sein.

Damit will Roche noch höher hinaus als das sich noch in Bau befindliche ersten Roche-Hochhaus. Dessen 178 Meter hoher Rohbau voraussichtlich Ende dieses Jahr fertig sein wird. Noch steht das höchste Gebäude der Schweiz in Zürich: der Prime Tower mit 126 Metern. Die beiden Roche-Türme werden den Rekord um Weiten nach Basel holen.

Reigen aus Stararchitekten

Roche möchte nicht nur mit einer Parade von Hochhäusern Konkurrent Novartis übertrumpfen. Auch mit der Vergabe der Aufträge an Stararchitekten will man mithalten. Für Entwicklung des neuen Areals hat sich Roche mit dem international renommierten Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron zusammengetan. Dieses zeigte sich bereits verantwortlich für ein Gebäude auf dem Campus-Areal von Novartis.

Allerdings liegt Novartis in Bezug auf architektonischen Prunk noch Nasenlängen vor Roche. Zählt man die Architekten der Novartis-Gebäude auf, klingt es wie das Who-is-Who der internationalen Szene: SANAA, Frank O.Gehry, José Rafael Moneo Vallés, Eduardo Souto de Mouro oder Fumihiko Maki. Damit findet man wie nirgends auf der Welt eine Konzentration von Trägern des Pritzker-Preises. In Architekturkreisen hat diese Auszeichnung ein ähnliches Renommée wie der Nobelpreis in den Natur- und Geisteswissenschaften.

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Architektonischer Zweikampf zwischen Roche und Novartis

Ein weiteres Zeichen für das architektonische Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Schwergewichten: Gerade als heute Roche sein Mammutprojekt vorstellte, hiess der Grosse Rat in Basel fast zeitgleich das Projekt für den zweiten Teil des Hochhauszonen-Bebauungsplans gut. Damit sind Gebäude mit Höhen von 23,5 und 40 Metern sowie Hochhäuser mit 70, 100 und 120 Metern möglich. Der ganze «Campus des Wissens» wird seit 2001 nach einem Masterplan realisiert. Seine Fertigstellung ist nach 2020 vorgesehen. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich nach früheren Konzernangaben auf 2,5 Milliarden Franken. Dann soll der Campus etwa 59 Gebäude für rund 13'200 Arbeitsplätze beherbergen.

An den Prestigeobjekten hat nicht nur der Konzern selber Freude, sondern auch die Stadt Basel. An ausgewählten Samstagen organisiert Basel Tourismus sogar Führungen über den Novartis-Campus. Die Möglichkeit, diese Führungen anbieten zu können, ist für Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus, ein wahrer Segen. Denn touristisch nutzen lasse sich Architektur von Weltklasse nur, wenn sie auch besichtigt werden kann, sagte er einmal gegenüber «handelszeitung.ch».

(mit Material der sda und awp)