Es ist ein Exodus nach Osten. Reihenweise kündigten Schweizer Firmen in den letzten Wochen und Monaten an, Arbeitsplätze und Produktionsstätten nach Polen zu verlagern – etwa Clariant, Swiss, Flawa, Gaba, Huber + Suhner, UBS, SIX ­Telekurs, Mettler Toledo, Syngenta und Credit ­Suisse. Sie gesellen sich damit zu den Unternehmen, die bereits seit längerem im grössten osteuropäischen Markt aktiv sind. Zu ihnen gehören unter anderen Stadler Rail, Novartis, Roche, Model, Biella, Schindler und ABB.

«Polen übt auf Schweizer Unternehmen schon länger eine grosse Anziehungskraft aus», sagt Reto Iten, Präsident der Handelskammer SEC Schweiz-Mitteleuropa. «Zuletzt nahm aber die Dynamik klar zu.» Das Land biete ausländischen Firmen ein gutes Investitionsklima und verfüge über professionelle Anlaufstellen für Interessenten. Es eigne sich zudem gut, um weiter entfernte Märkte wie Russland oder die Ukraine zu erschliessen.

Gemäss Jaroslaw Starzyk, dem polnischen Botschafter in der Schweiz, schufen Schweizer Unternehmen bereits rund 40000 Arbeitsplätze in seinem Land. «Polen ist als Standort deutlich günstiger als westeuropäische Länder, bietet dank sehr gut ausgebildeten Arbeitskräften aber eine hohe Qualität.» Zudem profitierten Unternehmen in Sonderwirtschaftszonen von «signifikanten Steuererleichterungen, günstigem Land und vollem administrativem Support», erklärt Starzyk. Selbst in der Euro-Krise fiel Polen nicht in eine ­Rezession und wächst seit Jahren schnell. Seit 2001 legte Polens Wirtschaft um über 50 Prozent zu und wuchs damit ähnlich stark wie Russland oder die Türkei.

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«Polen entwickelte sich extrem. Das Land ist kaum wiederzuerkennen», sagt Jean-Pierre Schneuwly, Leiter des Osec Business Hub in Warschau. «Lange wurde­ das Land von Schweizer Führungskräften unterschätzt. Spätestens seit der Fussball-EM im letzten Jahr ist aber allen klar: Die können was.» Botschafter Starzyk bestätigt: «Polen geniesst unter Schweizer Managern ein sehr positives Image.»

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