POSTMARKT. Anfang nächstes Jahr sollte der künftige Öffnungsfahrplan für den Schweizer Postmarkt in die Vernehmlassung gehen. Dabei stockt die Liberalisierung bereits und der ehemalige Monopolist gewinnt im geöffneten Paketmarkt gar Marktanteile zurück.

Bereits letztes Jahr sank der Marktanteil der privaten Paketanbieter von 18 auf 17% (Totalmarkt: 774 Mio Fr.), die deutsche DHL und die französische DPD steuerten 90% dazu bei. Heuer wird die Schweizer Post ihren Marktanteil weiter steigern. «Mit der Übernahme der bernischen NES AG im Sommer, die ebenfalls Paketkonzessionärin war, hat die Post ihren Marktanteil im Paketgeschäft um 1 bis 2% auf schätzungsweise 85% erhöht», sagt Postregulator Martin Kaiser. Damit folge die Post einem Trend: «Der Ex-Staatsbetrieb, der immer noch sehr gut verdient mit einem grossen Monopolbereich, kauft sich im bereits liberalisierten Teilmarkt Marktanteile zurück.»Weitere Rückzüge Privater aus dem konzessionierten Paketgeschäft seien angesichts der langsamen Liberalisierung nicht auszuschliessen; stattdessen würden sie sich dann auf die vollständig deregulierten Teilmärkte wie Kurier- und Expressgeschäfte konzentrieren. Wettbewerbsrechtlich intervenieren könnte nur die Weko. Doch bei der Wettbewerbskommission (Weko) ist der 2004 geöffnete Paketmarkt derzeit kein Thema. Patrik Ducrey, stellvertretender Weko-Direktor: «Gemäss Kartellgesetz müssen wir erst bei Akquisitionen von über 100 Mio Fr. eine Untersuchung einleiten.»

Postregulator fehlt Kompetenz

Die Expansion der Privatpöstler wird auch durch die mangelnde Infrastruktur in der Zustellung und Entgegennahme behindert. Bis heute haben die Privatpöstler keinen Zugang zu den Postfächern. Bei DPD werden jährlich über 20000 Sendungen an Postfächer adressiert. Die DPD wäre bereit, für den Zugang zu zahlen, denn das Heraussuchen und Beliefern der Privatadresse ist sehr teuer.Doch die Schweizer Post und der Verband der privaten Postdienstleister KEP&Mail haben sich noch nicht auf einen Preis einigen können, wie KEP&Mail-Präsident Peter Sutterlüti erklärt. Postregulator Martin Kaiser kennt das Phänomen aus dem Ausland: «Letztlich braucht es in diesem Fall einen Sektorregulator, der mit den notwendigen Kompetenzen versehen ist, im Streitfall den Access-Preis festzulegen. Diese Kompetenz fehlt PostReg», sagt er. Da Kaiser zudem per Ende Jahr zurücktritt, befürchten die Privaten, dass der Regulatorposten abgeschafft werden könnte. DHL und DPD fordern, dass Kaiser auf jeden Fall durch einen unabhängigen Nachfolger ersetzt werde.

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