Es wäre die längste kommerzielle Flugroute der Welt. Von der australischen Metropole Sydney bis an die US-Ostküste nach New York. Rund 20 Stunden würde die Reise für die gut 16'100 Kilometer weite Entfernung in der Luft dauern – ohne die Anfahrt zum Flughafen plus Sicherheitskontrolle. Diese Ultra-Langstrecke plant nach eigenen Angaben die Fluggesellschaft Qantas.

Was sind die Folgen für die Gesundheit?

Vorher soll aber erst noch erkundet werden, welche Auswirkungen die Fernreise auf die Gesundheit der Passagiere hätte. Ausserdem steht noch nicht fest, ob ein Airbus- oder Boeing-Grossraumjet auf der Marathonroute eingesetzt wird, die im Jahr 2022 oder 2023 auf dem Flugplan stehen soll.

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Den Langstreckenrekord bei kommerziellen Flügen hält derzeit Singapore Airlines, die seit Herbst 2018 eine Nonstop-Route von der südostasiatischen Metropole nach New York in fast 19 Stunden anbieten.

Nach einer fünfjährigen Pause hatte die Fluggesellschaft im vergangenen Jahr die Verbindung wieder mit einem Airbus-Spezialmodell aufgenommen, nach dem sie die Strecke bereits zwischen 2004 und 2013 flogen.

Das Interesse ist wiedererwacht

Doch dann waren die Treibstoffpreise zu hoch. Mit neuer Flugzeugtechnik erwacht jetzt bei den Airlines neues Interesse an sogenannten Ultra-Langstreckenflügen, also Direktflügen, die länger als 16 Stunden dauern.

Qantas-Chef Alan Joyce äusserte sich jetzt optimistisch, dass sein Marathonstreckenprojekt unter dem Namen «Sunrise» klappen wird.

Dennoch müssen noch ein paar finanzielle und regulatorische Hürden überwunden werden, liess er durchblicken. Dazu gehört auch die Arbeitszeit der Piloten. «Ich werde es nur tun, wenn es gut für unsere Aktionäre ist und wir glauben, dass wir es schaffen werden», sagte Joyce. Die Entscheidung soll wohl noch vor Jahresende fallen.

QantasBoeing

Qantas: Die Australier wollen das geplante Angebot zuerst testen.

Quelle: Keystone

Ärzte raten zu Vorsichtsmassnahmen

Im Oktober soll es zunächst einen Testflug mit Qantas-Mitarbeitern unter besonderen Bedingungen geben. Nur 40 Test-Passagiere sind dann an Bord einer Boeing 787-9, in der es sonst gut 230 Sitzplätze gibt. Das spart Gewicht und vergrössert so die Reichweite des Flugzeugs.

Mediziner und Wissenschafter sollen dabei erkunden, wie es den Passagieren ergeht. Zu den Fragestellungen gehören die Auswirkungen auf den Schlafrhythmus, wie der Speiseplan aussehen sollte oder wie sich die vielen Stunden durch Unterhaltungsprogramme überbrücken lassen.

Über die Innenraumbeleuchtung lassen sich Tageszeiten simulieren, was wiederum den Jetlag dämpfen soll. Selbst die Hirnströme der Piloten werden bei den anstehenden Qantas-Testflügen gemessen.

Ärzte raten zu Thrombose-Strümpfen

Bei Branchenexperten gibt es vielfältige Überlegungen, wie die Flugreise angenehm gestaltet werden soll. Im Innenraum könnte es Bars gaben, ein kleines Fitnessstudio, ein Yoga-Übungsbereich und womöglich ein Spielbereich für Kinder. Es ist aber immer auch ein Tauziehen, ob nicht doch lieber Sitzplätze eingebaut werden, die Einnahmen bringen.

Ärzte raten bei den Langstreckenflügen jedenfalls zu Thrombose-Strümpfen, regelmässiger Bewegung und reichliche Wasserzufuhr. Einige Fluggesellschaften haben deshalb spezielle Yoga- oder Gymnastik-Videos im Programm.

Qantas gilt als Vorreiter für Extremflüge

Ultra-Langstreckenflüge sind aber nicht nur eine Belastung für den Körper, sondern auch für die Umwelt. Das bei den Qantas-Testflügen zunächst eingesetzte 787-Boeing-Modell wird beim Abheben jedenfalls vollgetankt sein.

Das wären rund 126'000 Liter Kerosin. Verbraucht werden, je nach Wetterlage, auf der Marathonstrecke voraussichtlich gut 113'500 Liter. Die Umweltbelastung wird also erheblich sein.

Die Gesellschaft plant drei Vorbereitungsflüge

Bei den Experten der zur Lufthansa gehörenden neuen Kompensationsplattform Compensaid heisst es auf Anfrage, dass bei nur einem 787-Flug von Sydney nach New York rund 290,6 Tonnen CO2 ausgestossen werden. Bei nur 40 Passagieren wären es rund 7,3 Tonnen pro Kopf – ein Rekordwert.

Insgesamt plant Qantas drei Vorbereitungsflüge von Sydney nach New York oder London, die dann 19 bis 20 Stunden dauern, bis das endgültige Konzept für die Passagiere und die Beladung feststeht.

Im regulären Betrieb will Qantas entweder den neuen Boeing-Grossraumjet 777-X8 einsetzen, dessen Erstflug sich immer weiter verzögert oder die auf Ultra-Langstrecken ausgelegten Airbus-Modelle A350-900ULR und -1000ULR. Indirekt kann sich Qantas freuen, dass es hier einen Wettbewerb gibt.

Qantas hat Erfahrung in der Ultra-Langstrecke

Qantas gilt als Vorreiter für extreme Langstreckenflüge. 2018 wurde die erste Direktverbindung von Australien (Perth) nach Europa (London) über 17,5 Stunden gestartet.

Neben Qantas und Singapore Airlines bieten auch andere Fluggesellschaften extreme Langstrecken an. Etwa Qatar Airways, die seit Anfang 2017 Nonstop-Verbindungen zwischen Auckland in Neuseeland und Doha anbieten. 17 Stunden und 30 Minuten dauert der Flug.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der «Welt» unter dem Titel: «Mit nur 40 Passagieren startet der längste Linienflug der Welt».