Sechs Jahre hat es gedauert von der Idee bis zur Lancierung des neusten Produktes von Rausch. Jetzt hält es CEO Marco Baumann im Sitzungszimmer am Firmensitz in Kreuzlingen stolz in den Händen und zweifelt keine Sekunde mehr daran, eine echte Innovation in den Fachhandel zu bringen: «Laus-Stopp» soll die 5- bis 11-Jährigen auf natürliche Art von den lästigen Läusen befreien, die jüngst wieder gehäuft landauf, landab auftreten. Geliefert wird die Crème mitsamt einer «Läusefibel» und der zur Anwendung nötigen Haarhaube. Das Produkt basiert auf natürlichen Rohstoffen. So wie sämtliche Pflegeprodukte des Schweizer Traditionsunternehmens.


Ein Nischenplayer

Mit ihrer Schweizer Kräuterkosmetik ist Rausch seit Jahren überaus erfolgreich. In 19 Ländern werden die Haar- und Hautpflegeprodukte vertrieben. Aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse werden unzählige Arten von Kräutern, Ölen und anderen Naturrohstoffen verarbeitet.
In aufwendigen Verfahren lagern die alle in Kreuzlingen hergestellten Extrakte zwischen drei bis elf Monate in Tanks, bevor sie in die Produkte integriert werden. «Das gleiche Prinzip wie bei guten Weinen», sagt Baumann.

Das hat seinen Preis. Rausch sieht sich als Nischenplayer mit Qualitäts- und Beratungsanspruch. Deshalb sind die Artikel weltweit nur im Fachhandel, Apotheken, Drogerien oder Warenhäusern zu finden. Ein weiterer wichtiger Faktor in der Unternehmensphilosophie ist der Produktionsstandort Schweiz. Tragende und motivierende Elemente dazu seien nicht nur die langjährigen Mitarbeitenden, sondern auch die günstigen Rahmenbedingungen des Kantons Thurgau.

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Vom Patron geprägt

Das Unternehmen wurde stark geprägt vom 60-jährigen, gelernten Bankkaufmann Marco Baumann. 1968 stieg dieser als Vertreter im Betrieb ein, den sein Vater 1949 von den Nachkommen des deutschen Firmengründer Josef Wilhelm Rausch erworben hatte. «Die Shampoo-Fläschchen in Zigarrenkistchen verstaut, besuchte ich während den ersten zweieinhalb Jahren alle Schweizer Apotheken, Drogerien und Coiffeursalons», schildert Baumann seine Lehrjahre.

1975 übergab Vater Josef ihm und seinem älteren Bruder J. Alexander, dem heutigen Thurgauer SVP-Nationalrat, das Unternehmen, das diese bis vor kurzem zusammen führten. Seitdem ist Marco Baumann Alleineigentümer. Zu seinem Stellvertreter ernannte er im August 2006 den Branchenkenner Stephan Eckhart.

Als Vollblutunternehmer lebt Baumann die Marke Rausch. «Die Leute stehen hinter mir. Das ist eine grosse Stärke dieses Unternehmens», sagt er. Oder laut lachend: «Ich kümmere mich um haarige Geschichten auf höchster Ebene». Gerne zeigt er seine übervolle Agenda, als ob es für seine nach wenigen Minuten spürbare Leidenschaft für das Unternehmen noch irgendwelche Beweise brauchte.


Seit 35 Jahren auch im Ausland

Bereits 1971, in Österreich, begann die Exporttätigkeit. Ein Land nach dem anderen folgte. Heute generiert Rausch knapp über 50% des Umsatzes im Heimmarkt. In Deutschland ist man in 16800 Apotheken präsent, als Leader im spezialisierten Fachhandel. Die deutschen Apotheker verliehen den Kreuzlingern kürzlich, zum vierten Mal in Folge, die Goldmedaille – als «bester Apotheker-Partner für Haarpflege».

Sorge bereitet Baumann allerdings die gegenwärtige Entwicklung auf dem deutschen Apotheken-Markt. Zwar erfreut sich Rausch stattlicher Zuwachsraten im Fachhandel, aber bei rückläufigen Marktanteilen der Vertriebspartner. «Als wir 1979 in Deutschland begannen, hatten die Apotheken 7% Marktanteil bei den Haarpflegeprodukten, heute sind es noch 1,3%.» Aber auch die Situation in der Schweiz beobachtet er mit Besorgnis. «Durch die vermehrte Kettenbildung wird es für die mittelständischen Apotheken und Drogerien immer enger.» Für Rausch bedeutet das, nach neuen Vetriebspartnern zu suchen, welche die Beratungskompetenz sicherstellen.

Zur Rausch-Philosophie gehört ein konsequentes Öko-Management: Zu 100% recyclierbare Verpackungen, der Verzicht auf umweltbelastende Stoffe. «Wenn Sie mit Naturstoffen produzieren, müssen sie nicht nur relativ früh planen, damit die Kräuter überhaupt verfügbar sind, sondern auch der Natur Sorge tragen.»

Ein weiterer Meilenstein in der Firmengeschichte war die 1983 erfolgte Lancierung der Hautpflegelinie Herbaderm. Anfänglich bestand das Sortiment aus einem Dusch-, einem Bademittel und einer Bodylotion. Inzwischen sind es zwölf verschiedene Produkte.


Söhne noch nicht bereit

Ein typisches Familienunternehmen, das ist für Baumann «ein über mehrere Generationen hinweg von fähigen Leuten geführter Betrieb». Soweit sei er aber noch nicht. Denn seine beiden Söhne – 25 und 28 Jahre alt – hat er bislang nicht zu einem Einstieg bei Rausch bewegen können.

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Firmenprofil

Name: Rausch AG, Kreuzlingen TG
Gründung: 1890
Führung: Marco Baumann
Umsatz: 30 Mio Fr.
Beschäftigte: 160
Produkte: Haar- und Hautpflegekosmetik
Internet: www.rausch.ch