In der UBS Deutschland brennts: Die deutsche Finanzmarktaufsicht, kurz Bafin, ermittelt gegen die Grossbank. Und noch immer ist unklar, wer die Führung der deutschen UBS-Tochter übernimmt.

Anfang März gab die Bank überraschend bekannt, dass Stephan Zimmermann seinen Chefposten verlassen wird - der 53-jährige Schweizer kommt heim nach Zürich. Per Anfang Juni wird er Leiter der Konzernrevision und berichtet direkt an UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger.

Es mag Zufall sein: Nur wenige Wochen nach der Meldung, dass Zimmermann nach Zürich zurückkehrt, wurde publik, dass die Bafin gegen UBS Deutschland ermittelt. Ausgelöst wurde die Sonderprüfung der Bafin durch die Vorwürfe des deutschen UBS-Kunden Peter S. gegenüber der Bank, welche die «Handelszeitung» Anfang März bekannt gemacht hat. S. beschuldigt das Institut, in den Wirren der Finanzkrise 2008 wesentliche Teile seines Vermögens verspielt zu haben; darüber hinaus wirft er der Bank vor, ab 2002 Beihilfe zur Steuerflucht geleistet zu haben - und das nicht nur in seinem Fall.

Dass die Bafin ihre UBS-Sonderprüfung offiziell bestätigte, war nur möglich, weil die UBS sie explizit dazu ermächtigt hatte.

Folgen der Bafin-Sonderprüfung

Im schlimmsten Fall könnten die Untersuchungen der Bafin zu einem Entzug der Banklizenz der UBS in Deutschland führen. Diese äusserste Massnahme ergreift die Bafin gemäss einem Sprecher jedoch nur bei ganz krassen Verstössen. Eine andere Sanktionsmöglichkeit, die häufiger angewendet werde, sei die Verwarnung von Bankchefs, verbunden mit der Anweisung auf Abberufung, sollten sich die Fehlbaren erneut gesetzeswidrig verhalten.

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Bis vor kurzem hatte die Bafin lediglich Zugriff auf Bankvor- stände - also auf Exekutivorgane. Laut einem Sprecher gibt es seit vergangenem Jahr auch eine Aufsicht der Bafin über Mitglieder von Verwaltungs- oder Aufsichtsorganen. Pikant: Zimmermann amtet nicht nur als CEO der deutschen UBS-Tochter. Seit 2003 sitzt er auch im Aufsichtsrat des Instituts - und steht damit während der fraglichen Zeit, in der Kunde S. die Bank beschuldigt, in der Verantwortung.

Aber: Gegen abgetretene Bankchefs geht die Bafin grundsätzlich nicht mehr vor. Schon gar nicht, wenn diese nicht mehr in Deutschland aktiv sind. «Unsere Möglichkeiten enden an der Grenze», bestätigt ein Bafin-Sprecher. Wurde Zimmermann, der seine Karriere 1975 beim damaligen Bankverein in Thun startete und seine ganze Karriere bei der UBS verbracht hat, darum zu seinem eigenen Schutz nach Zürich geholt? Eine UBS-Sprecherin lässt dazu verlauten: «Herr Zimmermann ist der Wunschkandidat unseres Verwaltungsrates. Sie werden verstehen, dass man dem Verwaltungsrat keinen Wunsch abschlägt. Seine umfassenden Kompetenzen machen ihn zum idealen Kandidaten als Leiter der Konzernrevision.»

Schon vor Zimmermann holte die UBS deutsche Spitzenkräfte nach Hause: Den heutigen UBS-Wealth-Management-Chef Jürg Zeltner etwa. Er war just in jener Zeit CEO der UBS Deutschland, in der seine Banker gemäss Strafanzeige von Kunde Peter S. Scheinwohnsitze in der Schweiz und Tarnkonstrukte zur Steuerflucht errichtet haben sollen. Zeltner, Mitglied der Konzernleitung, wechselte im Frühjahr 2008 nach Zürich. Er hatte mit UBS Deutschland einen aggressiven Wachstumskurs verfolgt.