Sepp Knüsel. Der Name ist Programm und Marke zugleich. Seit bald 30 Jahren ist der 49-Jährige mit seiner Frau Marlis mit eigener Werkstätte in Küssnacht am Rigi im Markt der Landmaschinen präsent. Der Mechaniker startete bei Null, reparierte und passte Geräte auf Wunsch an, steckte das Geld immer wieder in den Betrieb. Bald verkaufte er Traktoren und andere Landmaschinen. 1983 brachte der Tüftler seine erste Eigenmarke auf den Markt, einen Bandheuer, der heute noch ein Verkaufsrenner ist. Einige Jahre später entwickelte er ein eigenes Front-Scheibenmähwerk.

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Knüsels Ehrgeiz war seit jeher die Herstellung eines eigenen Traktors. Angesichts der weltweit tätigen Konkurrenz durch Grosskonzerne wie John Deere, New Holland oder Fendt ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen. Die Entscheidfindung hatte ihm damals keine schlaflosen Nächte gebracht ganz im Gegensatz zur Umsetzungsphase, etwa mit der Software zum Fahrhydraulik-Antrieb. Rund drei Jahre dauerte die Entwicklung bis zum Verkauf des ersten Gefährts.

Angst vor der scheinbar übermächtigen Konkurrenz hatte Knüsel nie. Entsprechend konnte er sich einen Seitenhieb anlässlich der Lancierung des neuen Schweizer Traktors auch nicht verkneifen: «Er kann das, was andere versprechen», stand auf den Plakaten unter dem Bild des Rigitracs.

Knüsel setzt seit jeher auf lukrative Nischen. Bei austauschbaren Standardmaschinen sei der Preis ausschlaggebend, und weil er nie von Skaleneffekten wie die grossen Anbieter profitieren könne, habe er wie bei seinen Mähwerken für schwieriges Gelände in Bergregionen immer Nischen gesucht: «Für die Grossen sind solche Teilmärkte wenig lukrativ. Angesichts stagnierender Absätze versuchen sie jetzt aber wieder, darin Fuss zu fassen. Auch wenn wir in diesen schmalen Segmenten stark präsent sind, wird es dadurch immer wieder enger.»

Beklagen mag sich Knüsel aber nicht, das sei halt so in der freien Marktwirtschaft. Mehr zu schaffen machen ihm die Behörden, etwa wenn es um die Erteilung von Patenten geht: «Das dauert in der Schweiz gut zwei Jahre, während ich in Deutschland oder Österreich nach 14 Tagen eine Antwort erhalte.» Die Konsequenz: «Der administrative Aufwand hat über die Jahre hinweg allgemein enorm zugenommen.»

Kosten weiter senken

Sepp Knüsel versucht, die Kosten in der Produktion zu senken. Ansatzpunkt ist der Einkauf von Komponenten. Er ist bestrebt, sich einem grossen Abnehmer anzuhängen, um von dessen Mengenrabatten zu profitieren. Nicht viel drin liegt bei den Personalkosten, da sind Knüsel am Standort Schweiz grösstenteils die Hände gebunden.

Doch was unterscheidet den Rigitrac von Konkurrenzmaschinen? Auf auffälligsten ist wohl der Fahrzeugrahmen mit zentral angeordnetem Drehgelenk, das die Kippgefahr in steilem Gelände minimiert, weil die Aufbauten länger aufrecht stehen. «Das hat sonst niemand», sagt Sepp Knüsel stolz. Um sich abzusichern, hat er dazu sieben Patente in der Schweiz, Deutschland und Österreich gesichert. Die Antriebsorgane wie Motor (Knüsel verwendet Deutz-Motoren) und Getriebe-Einheit sind vibrationsfrei in den Fahrzeugrahmen integriert. Diese Bauweise erfordert keine teuren Chassisverstärkungen und führt dazu, dass der Rigitrac bis zu 1500 kg leichter ist als Mitbewerberfahrzeuge. Dazu kommt ein stufenloser Fahrantrieb, ein eigentlicher Automat, den ausser Fendt niemand sonst bietet ein Fahrkonzept, das Treibstoff sparen hilft. Die Vierradlenkung, die gutes Manövrieren und Wenden auf engstem Raum ermöglicht und vor allem der so genannte «Hundegang», der ein seitliches Fahren mit Arbeitsgeräten wie Frontmähwerken erlaubt, sind ein weiterer Mehrwert. Das ist vor allem im kommunalen Bereich bei Strassenarbeiten, entlang Zäunen und unter Leitplanken von Vorteil, also bei Arbeiten, bei denen das Fahrzeug verschoben werden muss.

Wichtiger Europamarkt

Potenzielle Kunden sind denn auch Bauern, die spezielles Gelände zu bearbeiten haben, Golfplatzbetreiber, Gemeinden und deren Lohnunternehmer, Olivenplantagen-Besitzer, Wald- und Forstwirtschaft. Durch seinen Landtechnik-Betrieb verfügt Knüsel zusätzlich zur Schweiz über ausgezeichnete Kontakte in Deutschland und Österreich, seine bisher wichtigsten Auslandmärkte. Derzeit wird der Markt Spanien aufgebaut. Doch Knüsel will nichts überstürzen, finanzielle Abenteuer sind ihm zuwider. Lieber langsamer wachsen, dafür mit Nachhaltigkeit. Das ist seine Lehre aus 30-jähriger unternehmerischer Tätigkeit.

Inzwischen sind die ersten Rigitracs verkauft. Kapazitäten bestehen für eine Produktion von 50 Traktoren pro Jahr. Der Ausbau der Infrastruktur im Industriegebiet Fänn in Küssnacht am Rigi ist jederzeit möglich. Und bereits ist das nächste Projekt lanciert, das Knüsel «mit Hochdruck» vorantreibt: Der Bau eines kleineren Traktors, der mit 80 PS rund 1000 kg leichter aber mit gleichen Eigenschaften wie die grossen Brüder der 100- und 120-PS-Klasse ist. «Wir haben bereits sehr viele Anfragen von Interessenten, die Wiesen und Golfplätze bearbeiten, aber auch aus Berggebieten und wo sonst noch das Gewicht ausschlaggebend ist», lässt sich Knüsel in die Karten blicken. Ende Jahr wird die Variante «Light» dem Fachpublikum aus dem In- und Ausland präsentiert.

Für den Generationenwechsel ist schon gesorgt. Mindestens zwei der vier Töchter von Josef und Marlis Knüsel haben Interesse an der Materie und an einer möglichen Übernahme der Geschäftstätigkeit.

Firmen-Profil

Name: Rigitrac Traktorenbau AG, Industriegebiet Fänn, Küssnacht am Rigi

Gründung: 1976 durch Josef Knüsel

Geschäftsleitung: Josef und Marlis Knüsel

Umsatz: 10 Mio Fr.

Beschäftigte: 30

Produkte: Herstellung von Traktoren und Landmaschinen, mechanische Werkstätte

Absatzmärkte: Schweiz, Deutschland, Österreich, Spanien

Internet: www.rigitrac.ch