Den Beginn des Interviews muss Robert Dubler um ein paar Minuten verschieben. Der Patron hat noch am «Schalter» zu tun, wie der kleine Fabrikkiosk genannt wird. Dort verlangen Kunden tagein, tagaus nach Mohrenköpfen, stehen manchmal sogar Schlange und verladen die süsse Fracht meistens schachtelweise, zu 50 Stück, in ihre Wagen. «Der Direktverkauf macht 60% des Umsatzes aus», erklärt der Fabrikbesitzer, der seinen Kunden auch mal die Schachteln ins Auto trägt. Obwohl Dubler keine Werbung macht, nehmen Mohrenkopfliebhaber aus der ganzen Schweiz und aus Süddeutschland den Weg ins aargauische Waltenschwil auf sich.

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Wer gut ist, wird bemerkt

Robert Dubler hat die Erfahrung gemacht, dass die Innerschweizer Kunden etwas grosszügiger, die Zürcher etwas knauseriger sind. Zumindest versteht der 57-Jährige es nicht, wenn jemand aus Zürich mit dem Auto anfährt und «nur» zwei Viererpackungen kauft. Per Post verschicken könne man die süsse Ware nicht, daher werde demnächst eine Kundin aus der Nähe von Hamburg anreisen, um ihre 20 Schachteln Mohrenköpfe persönlich abzuholen. Auf die Frage nach dem Schlüssel zum Erfolg meint Robert Dubler lakonisch: «Es ist gar nicht möglich, 50 Jahre lang etwas Gutes zu machen, ohne bemerkt zu werden.»

Mittlerweile stehen wir in der kleinen Fabrikhalle, wo die Luft von süssem Schokoladenduft erfüllt ist. Vor unseren Augen verpacken zwei Angestellte von Hand Mohrenköpfe zweiter Wahl ohne Folie in grosse Schachteln. Ganz hinten, am Anfang der 30 m langen Produktionsstrasse, wird in mannshohen Mixern industriell vorgefertigtes Eiweiss geschlagen. In den Schaum kommt erhitzter Glukosesirup, damit er die nötige Konsistenz erhält. Nun wird die weisse Masse in die Dressiermaschine gefüllt, durch enge Düsen gepresst und in Portionen auf die Waffelböden gesetzt. Dann durchlaufen die Mohrenköpfe die Schokoladendusche und den Kühlkanal. Am Schluss verpackt sie eine Maschine in die goldglänzende Aluminiumfolie mit dem Dubler-Schriftzug.

Unter Maschinenlärm erklärt Robert Dubler, seit 1946 seien Rezept und Schriftzug nicht verändert worden. In jenem Jahr gründete der Vater, Robert Dubler senior, die Fabrik. Als gelernter Konditor hatte er in erstklassigen Häusern wie der Konditorei Hanselmann in St. Moritz Erfahrungen gesammelt. 1953 zog die Firma von Wohlen nach Waltenschwil. Ursprünglich produzierte Dubler verschiedene Confiserieartikel, ab Mitte der 60er Jahre ausschliesslich Mohrenköpfe. Der heutige Geschäftsführer übernahm den väterlichen Betrieb im jungen Alter von 23 Jahren, nach einem Auslandjahr in den USA. Er sei ins kalte Wasser geworfen und zu Beginn von der Mutter kritisch beäugt worden, erzählt Robert Dubler, der eine kaufmännische Lehre absolviert hat, mit einem Schmunzeln.

Obwohl er keine handwerkliche Ausbildung genoss, hat es ihm die Technik angetan: Viel Zeit verbringt er in der eigenen Werkstatt gegenüber der Fabrik, denn seine grosse Leidenschaft gilt amerikanischen Sportwagen, mit denen er auch Rennen fährt. Seit Jahrzehnten repariert er die Produktionsmaschinen eigenhändig und baut die Ersatzteile für die Maschinen selber. Tradition wird also gross geschrieben von dem Mann, der äusserlich eher dem Bild des Edelhippies entspricht als dem des distinguierten Fabrikherrn.

Der Betrieb sieht grösstenteils noch aus wie vor 50 Jahren. Nur in einem Punkt sah Dubler sofort Handlungsbedarf: Als eine der ersten Neuerungen liess er das Bild des «Negerkopfs» mit den grossen Ohrringen auf der Verpackungsfolie weg. Mit dem Namen «Mohrenkopf» an sich hat er keine Probleme, während andere Hersteller auf politisch korrektere Begrifffe wie Schaumköpfe oder Chocoköpfli ausgewichen sind. Robert Dubler: «Der Namen Mohrenkopf steht ja für etwas Gutes. Ein gutes Produkt kann dem Begriff nicht schaden.»

Auch der Ablauf der Produktion ist effizienter geworden. Wo zu Vaters Zeiten 12 Personen arbeiteten, sind heute noch acht Mitarbeitende tätig alles langjährige Angestellte. Die Atmosphäre ist angenehm und familiär. «Zufriedene Mitarbeiter sind sehr wichtig. Wenn sie unzufrieden sind, merkt man es an kleinen Details», hält Dubler fest. Ebenso wichtig ist ihm der Kundenkontakt. Eine von 20 Personen, die am Schalter vorbeikommen, besichtigt auch die Produktion. «Manche Leute können es nicht fassen, dass wir in diesen Räumen noch selber produzieren. Wir lassen die Kunden gerne herein, wir haben keine Geheimnisse.»

An Spitzentagen verlassen 50000 Mohrenköpfe die kleine Fabrik. Heute gibt es sie auch in den Aromen Mokka, Orange, Banane, Amaretto und Pfefferminz. Die Varianten Caramel und Erdbeer hatte bereits der Vater kreiert. Produziert wird in drei Grössen, wobei die kleinsten besonders gut bei Kunden aus dem Tessin ankommten. Neben Mohrenköpfen sind am Schalter auch Süssigkeiten von anderen Produzenten wie Kirschstengeli und Champagnerwürfel erhältlich. Auf konjunkturelle Durststrecken angesprochen, meint der Patron: «Der Absatz funktioniert antizyklisch. Wenn es den Leuten schlecht geht, brauchen sie etwas Süsses für das Gemüt.» Zu schaffen machte der Firma einzig der Hitzesommer 2003 damals standen die Maschinen manchmal tagelang still, denn es war schlicht zu heiss für Mohrenköpfe.

Jeden Tag einen Mohrenkopf

Von übermässigem Wachstum hält Dubler nicht viel. Im Gegenteil: Stolz erklärt er, der Umsatz der Fabrik liege seit Jahren konstant bei 2 Mio Fr. Auch die Handvoll schweizerischer Mitbewerber macht ihm keine Sorgen, obwohl er weiss, dass in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Mohrenkopfanbieter schliessen mussten. Er ist überzeugt, dass der Markt die Konkurrenz verträgt, und er weiss, was die Kunden schätzen. Auch ihm sind die Mohrenköpfe noch nicht verleidet, im Schnitt isst er einen pro Tag. Und was ist es nun, das Geheimnis eines guten Mohrenkopfes? «Die Schokolade. Sie muss zartbitter sein, beim Hineinbeissen knacken und im Mund zerschmelzen.»

Firmen-Profil

Name: Robert Dubler AG

Geschäftsführer: Robert Dubler junior

Gründung: 1946 in Wohlen von Robert Dubler senior

Umsatz: 2 Mio Fr.

Beschäftigte: 8

Produkt: Mohrenköpfe, Vertrieb von anderen Süsswaren

Kunden: Privatpersonen, Grossisten, Detaillisten

Internet: www.mohrenkopf.com, www.dubler.net