Die Pharmakonzerne Roche und Regeneron üben im Kampf gegen Covid-19 den Schulterschluss. Die beiden Unternehmen werden zusammen Regenerons Antikörper-Cocktail REGN-COV2 entwickeln, herstellen und weltweit vertreiben, wie Roche mitteilte.

Bei einer Zulassung soll die Herstellkapazität deutlich erhöht werden. REGN-COV2 wird derzeit in zwei klinischen Phase-II/III-Studien zur Behandlung der Infektionskrankheit getestet, ferner in einer Phase-III-Studie zur Prävention bei Haushaltskontakten infizierter Personen. 

Nach einer Zulassung würde Regeneron den Vertrieb in den USA übernehmen, Roche im Rest der Welt. Die Partner wollen die Versorgung mit REGN-COV2 auf mindestens das Dreieinhalbfache der aktuellen Kapazität zu erhöhen.

Für Patienten mit Symptomen

Die Behandlung könnte nach Darstellung von Roche eine dringend benötigte Chance für Menschen bieten, die bereits Symptome von Covid-19 aufweisen. Sie habe zudem das Potenzial, die Ausbreitung der globalen Pandemie zu verlangsamen.

In einem ersten Analystenkommentar lobt Analyst Michael Nawrath von der ZKB, dass sich zwei der besten Pharmakonzerne, die es auf dem Gebiet der Antikörperforschung gibt, in dieser Kooperation zusammengefunden hätten. «Roche, insbesondere mit ihren grossen biotechnologischen Prozessanlagen auf dem Gelände von Genentech, kann schnell Kapazitäten für die Produktion hochfahren», so Nawrath weiter. Damit dürfte die weltweite Versorgung gewährleistet sein, was Regeneron allein nicht geschafft hätte.

Eine kommerzielle Abschätzung lasse sich allerdings derzeit nicht seriös ableiten. Auf jeden Fall sei die Meldung aber positiv einzustufen. Er sehe eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit der Antikörper, erklärte der Analyst.

Passive Immunisierung

Die Genussscheine von Roche stiegen im frühen Börsenhandel leicht an – womit sie aber lediglich im Rahmen der allgemeinen Kursentwicklung blieben. Die amerikanische Biotech-Firma Regeneron, gegründet 1988 in Eastview, New York, hat unter anderem Wirkstoffe gegen die feuchte Makuladegeneration (VEGF-Inhibitoren), Dermatitis, Ebola und Arthritis (einen Interleukin-1-Blocker) entwickelt. Im letzten Jahr erreichte sie mit 8'100 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 8 Milliarden Dollar. 

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Auch bei Mirabaud hält sich Analyst Olav Zilian mit einer Einschätzung über die potenziellen Einnahmen vorerst zurück. Wie er ausführt, verspreche diese Antikörperkombination eine passive Immunisierung von Personen, die mit Leuten in Kontakt kämen, die mit dem Coronavirus angesteckt seien und dieses verbreiten würden.

Eine solche passive Immunisierung hebe den Immunstatus gegen das Virus sofort an – im Gegensatz zur üblichen aktiven Immunisierung nach der Impfung, die Wochen dauere, bis die Schutzwirkung durch das Immunsystem aufgebaut sei.

«Wenn die klinischen Studien dies beweisen, wird die Verabreichung der Antikörperkombination zu vorhersehbar konstanten Konzentrationen im Blut führen, was durch eine aktive Immunisierung nicht unbedingt gewährleistet ist», erklärte der Experte weiter. Der Nachteil dieser passiven Immunisierung sei, dass sie nicht mit einem Memory-Effekt des Immunsystems einhergehe, die Injektion also alle paar Wochen wiederholt werden müsste.

REGN-COV2 hat zwei Antikörper, die das Coronavirus neutralisieren sollen. Es ist eine von mehreren Monoklonale-Antikörper-Therapien, die weltweit gegen das Coronavirus getestet werden. Die Strategie zielt hier darauf ab, die natürliche Reaktion des körpereigenen Immunsystems nachzuahmen, indem das Medikament das sogenannte Spike-Protein blockiert, mit dem das Virus in menschliche Zellen eindringt.
 

(AWP – «Bloomberg» — rap)

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