Auf dem Gruppenbild, für das sich nach Abschluss alle Teilnehmer fotogen aufstellen müssen, werden viele Top-Shots zu sehen sein. Sie strömen aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland, vor allem aus Deutschland und Frankreich, ins Swiss Re Centre for Global Dialogue nach Rüschlikon. Das Zentrum versteht sich als elitärer Think Tank der Schweizer Wirtschaft und gefällt sich daher in der Rolle, den passenden Rahmen zu bieten für die 300 CEO und leitenden Angestellten, die nicht zuletzt Dank einer Ausbildung an einer der renommiertesten Universitäten der Welt heute von Headhuntern und Human-Relations-Verantwortlichen heftig umworben werden.

Visionärer Gründer

Hinter der Veranstaltung steht Benno Marbach, 37, der zusammen mit ein paar Kollegen 2004 die Swiss Association of MBAs (Samba) gründete – und das hat eine Geschichte: Der HSG-Absolvent verliess vor zwölf Jahren die St. Galler Eliteschule gleich mit zwei Abschlüssen, einem in internationalen Beziehungen und einem in internationalem Management. Marbachs Ziel war immer, eine internationale Laufbahn zu verwirklichen. Da ausserhalb Europas Schweizer Abschlüsse jedoch noch immer zu wenig bekannt sind und daher nach seiner Meinung als Türöffner kaum geeignet schienen, erwarb er seinen MBA an der Stephen M. Ross School of Business der University of Michigan, von wo ihn Samsung noch während seines Studiums direkt vom Campus weg anheuerte.
Als Global Strategist ist er auch heute noch am Sitz in Soul tätig und für den weltweit tätigen Industriekonzern vor allem in den USA unterwegs. In seiner Freizeit pflegt er Kontakte mit anderen MBA-Absolventen aus Europa und den USA sowie Koreanern, die er an der Ross School kennen gelernt hat. Diese Beziehungen und Erfahrungen im beruflichen und privaten Bereich haben Benno Marbach mit Sicherheit auch inspiriert, das Netzwerk Samba zu gründen. Zu den Samba-Mitgliedern gehören Studierende, Ehemalige, aber auch Professoren.

Denkanstösse vermitteln

Das Ziel der Veranstaltung ist klar: Wissen auf höchstem Niveau zu vermitteln und Denkanstösse für die global ausgerichteten Sektoren der Schweizer Wirtschaft zu geben. Zwischen mehreren Referaten im Plenum werden zwei Blöcke von anspruchsvollen, sogenannten Knowledge Sessions in Leadership-Gruppen durchgeführt. Dabei geht es um aktuelle Themen aus den Bereichen Strategie, Marketing, Finanz, Technologie, Human Relations, Kommunikation und Innovation. Angekündigt sind Vordenker aus der Praxis und dem akademischen Umfeld, darunter Namen von Führungskräften von Novartis, Swiss Re, McKinsey & Company und Egon Zehnder.
Unter den amerikanischen und europäischen Business Schools finden sich in den Knowledge Sessions bekannte Exponenten, zum Beispiel der General Manager von Google Schweiz, Andreas Schönenberger, und der ETH-Professor für Technologie und Innovation, Roman Boutellier. Als Keynote Speaker referieren unter anderem Thomas Ebeling, CEO von Novartis Pharma, und Thomas Held vom Schweizer Think Tank für Sozial- und Wirtschaftspolitik Avenir Suisse.
300 hochkarätige Teilnehmer aus Europa und den USA erzeugen bei Unternehmen angesichts der stark umworbenen raren Spezies Begehrlichkeiten. Nicht umsonst figurieren Namen von Vertretern grosser Beratungsfirmen wie McKinsey & Company und Egon Zehnder auf der Teilnehmerliste.

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Industrie und Wirtschaft

Als Keynote Speaker tritt seitens des Gastgebers Swiss Re Serge Troeber an. Als Head of Natural Catastrophes bei dem global tätigen Versicherer referiert der mit einem ETH Masters Degree in Environmental and Natural Sciences dekorierte Wissenschaftler über den Klimawandel, Umweltkatastrophen und deren Konsequenzen für die Gesellschaft.
Angesprochen auf die Gastgeberrolle und Präsenz von Swiss Re zeigt Benno Marbach die Schnittpunkte zu Samba auf: «Swiss Re ist als globales Unternehmen sehr daran interessiert, den Kontakt zu Ländern, Schulen und Absolventen zu pflegen. Samba mit den angeschlossenen Universitäten bietet diese globale Komponente, verfügt aber gleich wie Swiss Re auch über einen Schweizer Kern, da auch Samba in der Schweiz entstanden ist. Swiss Re hat daher ein vitales Interesse, an einem solchen Anlass gute Leute auf sich aufmerksam zu machen.»

Elite unter sich

Unter den über 400 Schweizer Samba-Members befinden sich etwa 60 MBA-Absolventen und Absolventinnen von IMD Lausanne und der Hochschule St. Gallen. Benno Marbach rechnet in Rüschlikon mit etwa der Hälfte, nämlich 30 Schweizerinnen und Schweizern mit einem MBA-Abschluss von einer der 25 angeschlossenen europäischen und amerikanischen Eliteschulen. Auffallend ist im Übrigen der Anteil von nur etwa 15% Frauen unter den Teilnehmern. Benno Marbach führt das unter anderem auf den noch immer relativ niedrigen Frauenanteil bei MBA-Abschlüssen zurück. Für ihn ist es durchaus denkbar, dass die niedrige Zahl an Frauen mit einem MBA-Abschluss im Jahr 2008 zu einem Schwerpunktthema wird.
Unter den 300 Konferenzteilnehmern versammeln sich an diesem Eintagesevent jedoch auch Führungskräfte mit einer Ausbildung von einem der bekannten und renommierten Institute wie Stanford und Kellogg, Chicago und Columbia oder Insead und London Business School. Unter ihnen wird voraussichtlich auch der viel gefragte und als weltweit führender Experte für Business-Strategien hochgelobte Gary Hamel sein, der im 20. Jahrhundert zu den 25 einflussreichsten Business-Pionieren auf dem Globus gezählt wird, zu denen auch Henry Ford und Bill Gates gehören.

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NACHGEFRAGT Benno Marbach, Samba-Gründer: «Aufnahmekriterien für weitere Schulen sind hoch»

Unter den 25 Mitgliedern befinden sich mit IMD und HSG nur zwei Schweizer Institute. Warum? Wo bleiben andere Institute, die in Rankings gut abschneiden?

Benno Marbach: Es stimmt, dass wir von Abgängern anderer Schulen immer wieder angefragt werden. Dass wir derzeit nur mit IMD und der HSG zusammenarbeiten, liegt an drei Kriterien, die erfüllt werden müssen: Ein GMAT Score (Graduate Management Admission Test) von 690 Punkten, zweites müssen Bewerber in den Top Rankings wie «Boston Journal», «Financial Times» und «Business Week» unter den 20 besten Schulen zu finden sein. Und die Alumni-Vereinigung sollte mindestens fünf Mitglieder für Samba stellen.

Wie alt sind die Teilnehmer der Almuni-Konferenz?

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Marbach: Beim Start von Samba waren die MBA-Abgänger meistens um die 30, so wie meine Kollegen und ich. Verschiedene Events mit Führungskräften haben uns aber darin bestätigt, dass ein guter Mix wichtig ist. Inzwischen gehören Alumni zu unserem Kreis, die bereits vor 5 bis 15 Jahren abgeschlossen haben. Zu unseren Mitgliedern gehört auch ein 83 Jahre alter Harvard-Absolvent. Wenn wir hohe Qualität bringen wollen, werden wir vermehrt auch die erfahrenen Alumnis bei uns haben.

Samba macht auch mit anderen Events Schlagzeilen.

Marbach: Wir haben in diesem Jahr zum zweiten Mal ein Drachenbootrennen auf dem Zürichsee durchgeführt. Letztes Jahr haben wir die Samba Night in New York besucht, die von unserem amerikanischen Ableger gestaltet wurde, dieses Jahr wird es ein Treffen in Cambridge sein. Wir planen aber auch kulturelle Events, um die Bindung zwischen den Mitgliedern enger zu gestalten. Doch wird unser Schwerpunkt immer der Business-Bereich bleiben.

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