Hakle steckt in der Krise – und ist zum Sanierungsfall geworden. Der Hygieneartikelhersteller mit Sitz in Düsseldorf hat laut Angaben des dortigen Amtsgerichts ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Der Grund: die «massiv gestiegenen Kosten für Material- und Energiebeschaffung sowie der Transporte», wie verschiedene Medien berichten. 

Dieser Kostenanstieg habe bisher nicht «in hinreichendem Umfang» an die Kundschaft im Lebensmitteleinzelhandel und dem Drogeriesektor weitergegeben werden können. Als erstes Medium hatte die «Lebensmittel Zeitung» über die Krise beim mittelständischen Unternehmen berichtet.

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Der Geschäftsbetrieb von Hakle soll im Insolvenzverfahren in vollem Umfang fortgeführt werden. Weil das Unternehmen ein Verfahren in Eigenverwaltung anstrebe, sei die notwendige Flexibilität und Geschwindigkeit für eine nachhaltige Sanierung gegeben, sagte Geschäftsführer Volker Jung der deutschen Nachrichtenagentur dpa. Sowohl der Standort als auch die dortigen Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.  

Hakle-Mitarbeitende erhalten Löhne sicher bis Ende November

Laut Jung sind bereits erste Schritte zur Stabilisierung des Unternehmens eingeleitet worden. Bis Ende November seien Löhne und Gehälter erstmal gesichert, indem auf das Insolvenzausfallgeld der deutschen Bundesagentur für Arbeit zurückgegriffen werde. Zudem hätten wichtige Kunden und Partner schon signalisiert, Hakle im Sanierungsprozess zu unterstützen.

Die Geschäftsführung um Volker Jung ist während des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung weiter für das operative Geschäft zuständig. Das Düsseldorfer Amtsgericht stellte der Leitung aber den Restrukturierungsspezialisten Jan-Philipp Hoos als vorläufigen Sachwalter zur Seite.

Während der Pandemie hatte Hakle aufgrund eines Runs auf Toilettenpapier noch zu den Gewinnern gehört. Im Geschäftsjahr 2020 hatte das Unternehmen einen Umsatz von knapp 80 Millionen Euro und einen Überschuss von rund 650’000 Euro erwirtschaftet, wie aus dem im «Bundesanzeiger» veröffentlichten Jahresabschluss hervorgeht.

Kimberly-Clark hat das Hakle-Geschäft in Deutschland im Jahr 2013 verkauft. Es besteht keine Verbindung zwischen der Marke Hakle in der Schweiz und dem Unternehmen Hakle in Deutschland.

(mth)

In diesem Artikel wurde am 7. September 2022 ergänzt, dass Hakle-Deutschland und die Marke Hakle in der Schweiz nicht zur gleichen Firma gehören.