Die Beteiligung des saudiarabischen Staatsfonds am amerikanischen Konzertveranstalter beläuft sich auf rund eine Milliarde Dollar, wie amerikanische Medien berichten: Der Saudi Public Investment Fund hält nun 5,7 Prozent an Live Nation, er ist nun drittgrösster Aktionär des Entertainment-Konzerns – nach Liberty Media und der Fondsfirma Vanguard. Nach der Bekanntgabe stieg der Aktienkurs von Live Nation um rund zehn Prozent. 

Saudis greifen bei Lockdown-Opfern zu

Es ist nicht die einzige Beteiligung, die sich der saudi-arabische Staatsfonds seit Ausbruch der Corona-Krise geschnappt hat. Die Saudis griffen schon mehrfach bei Firmen zu, die ihr Kerngeschäft zurzeit nicht ausüben können oder die speziell unter der Wirtschaftskrise leiden. Unter anderem sind sie dabei, den Premier-League-Fussballclub Newcastle United zu schlucken. Und seit April bauten sie ihre Anteile bei den Ölformen Equinor, Royal Dutch Shell, Total und Eni aus. 

Dazu gehört auch Live Nation: Der weltgrösste Konzertveranstalter erleidet wegen der globalen Absagen massive Einbussen. Und die Aussichten auf Konzerte und Shows haben sich bis Ende des Jahres massiv verschlechtert. Entsprechend ist der Aktienkurs des grössten Konzertveranstalters seit Jahresbeginn um etwa 40 Prozent eingebrochen.

Oberster Chef des Openair Frauenfeld verdient über 70 Millionen Dollar

Das Openair Frauenfeld gehört seit letztem Sommer zum US-Entertainment-Konzern Live Nation. Sein Chef verdient wie ein Rockstar. Mehr dazu gibt es hier

Der Entertainment-Konzern ist aber immer noch der weltgrösste Konzert-Veranstalter, ferner mit seiner Tochtergesellschaft Ticketmaster der grösste Kartenverkäufer, und schliesslich vermarktet er die Tourneen von hochkarätigen US-Megastars wie etwa Taylor Swift und besitzt oder betreibt weltweit über 220 Konzerthallen.

Weiter hält Live Nation auch die Rechte an zahllosen Festivals, unter anderem am Lollapalooza, einem der grössten Festivals der USA.

Auch am grössten Kreuzfahrtunternehmen der Welt beteiligt

Anfang April gab der saudische Fonds auch eine Beteiligung von rund acht Prozent an schlingernden Kreuzfahrt-Konzern Carnival bekannt.

Nach Bekanntgabe stieg der Kurs der Kreuzfahrtgesellschaft der Welt um fast 30 Prozent hoch. Saudi-Arabien ist nun der zweitgrösste Anteilseigner. Carnival hatte seit Jahresbeginn rund drei Viertels des Werts verloren, nachdem es einige schwerwiegende Ausbrüche von Covid-19 auf Kreuzfahrtschiffen gab. 

Die durch Corona entstandene Rezession bietet den Saudis eine neue Gelegenheit, sich bei Firmen zu beteiligen. Dabei fokussiert sich der Staatsfonds vor allem auf Firmen, deren Kerngeschäft durch Covid-19-Verbote stark beeinträchtigt wurden.

Seit rund drei Jahren gehört auch das Openair Frauenfeld zu Live Nation – und damit das wichtigste Hip-Hop-Festival von Europa. Dass die Saudis auch das Live-Programm des Openairs künftig mitbestimmen, ist unwahrscheinlich. So versichert der Chef des Staatsfonds, Aramco-Präsident Yasir Al-Rumayyan, dass es sich beim Engagement an Live Nation um eine passive Beteiligung handelt. 

In der Schweiz ist Live Nation aber nicht nur beim Openair Frauenfeld dabei, sondern auch bei Ticketmaster. Ende 2018 hat Live Nation den Schweizer Konzertveranstalter Mainland Music übernommen. Mainland Music ist Mitveranstalter von Top Acts wie Sam Smith, Macklemore, Queens Of The Stone Age, Parkway Drive, Rise Against, Flogging Molly, Snow, Die Antwoord, oder Cypress Hill, wie der «Blick» berichtete.

Aramco chairman Yasir al-Rumayyan

Einflussreicher Mann in Saudi-Arabien: Yasir al-Rumayyan. Er ist Präsident des saudischen Ölgiganten Aramco und dazu auch Chef des Staatsfonds. 

Quelle: Keystone

Die Beteiligung in der Entertainment-Branche ist für Saudi-Arabien tatsächlich ungewöhnlich. Das strikte Land im Nahen Osten ist nicht bekannt für grosse Konzerte und Festivals. Trotzdem kann sich Saudi-Arabien damit im Feld von Live-Veranstaltungen ins Spiel bringen. Diese gewinnen im Nahen Osten an Bedeutung.