Am 22. Dezember 1999 haben sechs ivorische Soldaten genug. Sie fühlen sich von ihrer Regierung im Stich gelassen und fordern ausstehende Löhne und Prämien für Auslandeinsätze. Die Gruppe besteht aus kriegserprobten Militärs. Sie stürmen das Munitionsdepot der Kaserne von Akouédo im Osten der Hauptstadt Abidjan und drohen, es in die Luft zu sprengen.

8000 Kilometer von der Elfenbeinküste entfernt, im weihnachtlichen Pennsylvania, besucht Tidjane Thiam gerade die Familie seiner Frau Annette, einer versierten Juristin, die früher einmal für den heutigen US-Vizepräsidenten Joe Biden arbeitete. Von den Ereignissen in seiner Heimatstadt Abidjan bekommt Thiam zuerst nichts mit.

CS-Aktie legt nach Thiam-Ankündigung um 7 Prozent zu

15 Jahre, 2 Monate und 15 Tage später: In Zürich stellt Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner Tidjane Thiam als neuen Konzernchef vor. Medien, Kaderleute, Investoren sind überrascht. Der Aktienkurs der Grossbank reagiert mit einem Sprung um 7 Prozent. Thiam wird Hoffnungsträger eines Unternehmens, das seinen Weg noch sucht. Die Erwartungen an den Neuen sind entsprechend gross. Da und dort werden wahre Wunder erwartet, wenn Thiam am 21. Oktober nun eine neue Strategie der Öffentlichkeit vorstellt. Er soll eine neue Credit Suisse präsentieren.

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Doch Wunder werden nicht geschehen. Sicherlich ändere sich einiges, hört man aus der Credit Suisse. «Aber eine Revolution gibt es nicht.» Man könne ja schliesslich nicht von einem Tag auf den anderen die zweitgrösste Schweizer Bank von Grund auf erneuern. Das hat Thiam auch nicht vor. Wer zu schnell zu viel wolle, der werde am Ende verlieren, meint er. Mit Samthandschuhen fasst der neue Chef deswegen aber niemanden an.

«Besser richtig gute Argumente haben»

Man werde die Arbeit aller Abteilungen «schonungslos» auf deren Leistung hin analysieren und dann entscheiden, welche Bereiche Zukunft hätten und welche nicht, sagte Thiam kurz nach Amtsantritt. Warum so etwas sein muss, illustrierte er einmal mit einem afrikanischen Sprichwort: «Wenn man in einer runden Lehmhütte eine Spinne findet, dann nur, weil die Wand einen Riss hat.» Diese Risse gilt es bei der CS zu finden. 

Genau solche Aufgaben liegen Thiam. «Er hat die seltene Gabe, eine Situation schnell zu erfassen und sie dann ganz einfach darzustellen», sagt ein langjähriger Weggefährte. Nach der Analyse suche Thiam mit seinem Team nach Lösungen – die Meinung anderer ist ihm wichtig. Um sich bei ihm durchzusetzen, muss man aber hart arbeiten. «Wenn Sie mit ihm diskutieren, sollten Sie besser richtig gute Argumente haben», sagt ein Freund.

Das ganze Portrait, viele weitere Informationen über den neuen CS-Chef Tidiane Thiam und andere Themen lesen Sie in der neuen «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.