Jordans Fussstapfen sind gross. Der mächtige SNB-Chef, wegen seiner Statur und seines Einflusses auch «Big Thomas» genannt, hat die Geld- und Währungspolitik erfolgreich gelenkt und das Land vor grösserem Unheil bewahrt. Selbst während der Energie- und Inflationskrise schaffte er es, die Preise einigermassen stabil zu halten. Die letzte Rezession liegt 15 Jahre zurück. Die letzte Immobilienkrise gar 30 Jahre.

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Auch Schlegel hat das Zeug, ein ausgezeichneter Notenbankchef zu werden und die Schweizer Wirtschaft auf Kurs zu halten.

Aber das sollte kein Grund sein, sich vor Reformen zu verschliessen. Diese scheinen dringend nötig, und der Zeitpunkt könnte nicht besser sein, jetzt, da der mächtige Traditionalist Jordan ausscheidet.

Mehr Transparenz ist nötig

So gut die SNB ihren Job auch macht, sie bleibt für Aussenstehende eine Blackbox. Die immens wichtigen Zinsentscheide werden vom Präsidenten mit einer Stimme in der Tradition einer Kollegialbehörde nach aussen getragen. Und er steht auch den Medien Red und Antwort. Aber darüber, wie es genau zum Entscheid gekommen ist, erfährt man wenig. Wer hat wie abgestimmt? Gibt es abweichende Meinungen? Haben auch die stellvertretenden Direktionsmitglieder etwas zu melden?

Geldpolitik ist immer auch Ermessenssache, auch wenn vieles regelbasiert und datenabhängig ist. Am Schluss muss jemand hinstehen und sagen: So ist die Lage, so könnte es sich entwickeln. Das ist der angemessene Leitzins. Und dazu kann es verschiedene Meinungen geben.

Zu erfahren, wie diese sind, wäre das Mindeste, was man von einer so wichtigen Institution erwarten könnte. Andere grosse Zentralbanken führen dazu öffentlich zugängliche Protokolle.

Mehr Transparenz wäre definitiv wünschenswert und ein erster Schritt in Richtung einer Notenbank, die den künftigen Herausforderungen gerecht wird.

Der zweite Schritt wäre, die Machtkonzentration an der SNB-Spitze etwas aufzuweichen und mehr Meinungen zuzulassen. Das könnte mit einer Aufstockung des Direktoriums erreicht werden. Seit ihren Anfängen vor über hundert Jahren wird die SNB von einem Dreiergremium geführt. Aber seither sind viele neue Aufgaben dazugekommen. Die Bevölkerung hat sich mehr als verdoppelt, von 3,5 auf 9 Millionen. Und die Bilanzsumme ist auf 800 Milliarden Franken angeschwollen.

Das Killerargument gegen Reformen ist der Leistungsausweis. Machen es Fed und EZB deswegen besser?

Natürlich nicht, aber die jüngsten Erfolge sind im Wesentlichen den starken Personen wie Jordan zu verdanken. Vom institutionellen Set-up her wirkt das Modell SNB etwas in die Jahre gekommen.

Langfristiger Erfolg hängt nicht an Personen, sondern an den institutionellen Rahmenbedingungen. Das sollte sich auch die SNB unter neuer Führung zu Herzen nehmen. 

rop
Peter Rohnerist Chefökonom der Handelszeitung.Mehr erfahren