Für eine kurze Zeit schien Amag-Besitzer Martin Haefner der Applaus sicher. Bis zu 325 Millionen Franken wollte er in Schmolz + Bickenbach (S+B) investieren. Eine solche Kapitalerhöhung hätte dem angeschlagenen Stahlkonzern natürlich kräftig geholfen. Die Kredit gebenden Banken jubelten, das Management unterstützte den Plan. Und Haefner wäre innerhalb weniger Wochen zum starken Mann beim Luzerner Unternehmen aufgestiegen.

So glatt geht das alles nun nicht über die Bühne. Im Gegenteil. Haefner und S+B-­Verwaltungsratspräsident Jens Alder wird das gleiche Versäumnis zum Verhängnis, welches kürzlich auch die Ka­pitalerhöhung bei Sunrise scheitern liess: Man einigte sich nicht vorgängig mit dem grössten Einzelaktionär. Im Fall von Schmolz + Bickenbach ist das die Gesellschaft Liwet, die zu 44 Prozent dem rus­sischen Investor Viktor Vekselberg gehört. Und Vekselberg sagt nun zu Haefner: Njet. Keine Kapitalerhöhung. Zumindest nicht auf diese Weise.

Der Schatten der Sanktionen

Die Zeichen stehen auf Konfrontation. Liwet verlangt seit diesem Dienstag die Abwahl von vier Verwaltungsräten, die bisher Haefner unterstützt hatten, darunter auch der Haefner nahestehende Präsident Alder, und portiert vier neue Kandidaten mit Industrieerfahrung. Nun herrscht Hektik: Hinter den Kulissen wird die Übernahmekommission eingeschaltet, eine Offerte formuliert, um Vekselberg auszukaufen, und eine Verwaltungsratssitzung einberufen. Bleiben die Fronten verhärtet, kommt es noch dieses Jahr an einer ausserordent­lichen Generalversammlung zum Showdown.

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Zum Zerwürfnis zwischen den grossen Aktionären trugen die US-Sanktionen gegen Viktor Vekselberg bei. Haefner – selber in den USA engagiert – wollte aus Angst vor Reputationsschäden und politisch-­juristischen Unwägbarkeiten um keinen Preis einen Deal mit einer Vekselberg nahestehenden Gesellschaft eingehen. Insgeheim hofft die Haefner-Seite möglicherweise, Liwet könne wegen Geldmangel gar nicht an einer grossen Kapitalerhöhung teilnehmen. Noch immer sind zum Beispiel Vekselbergs Erlöse aus dem Verkauf von Sulzer-Aktien blockiert. Liwet ihrerseits pocht darauf, selber nicht auf der Sanktionsliste zu stehen, und verlangt die Gleichbehandlung aller Ak­tionäre. Zudem will man sich nicht ohne Not verwässern lassen.

Martin Haefner

Martin Haefner: Geht im Duell mit Liwet-Mann Vekselberg auf Distanz.

Quelle: Bilanz

Bis zur Generalversammlung dominiert deshalb die Frage, wer wie viele Stimmen am Tag der Abrechnung auf seiner Seite hat. Liwet verfügt über 27 Prozent der Aktien. Haefner mit seiner Bigpoint Holding kommt vorerst nur auf 17 Prozent. Einige Prozent könnten die Kontrahenten noch im Verdeckten aufkaufen, bevor nächste Meldeschwellen überschritten würden, mehr aber auch nicht.
Beträchtliches Gewicht kommt in dieser Situation deshalb der dritten grösseren Aktionärin zu, der deutschen Erbenfamilie, die Schmolz + Bickenbach gründete und heute über die S+B KG noch immer 10 Prozent am Stahlunternehmen hält. Sowohl Haefner wie auch Liwet haben ein Interesse, sich diese 10 Prozent einzuverleiben. Bekannt ist, dass beide Kontrahenten schon das Gespräch mit der KG gesucht haben. In der Vergangenheit stand die KG eher auf der Seite von Liwet.

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Vekselberg auskaufen

Das Problem ist nur: Wer jetzt Aktien zukauft und die Schwelle von 33 Prozent überschreitet, muss allen anderen Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot machen. Man müsste wegen der sogenannten Best-Price-Regel allen Aktionären den gleichen Preis bieten wie zum Beispiel der Familie. Das könnte ganz schön teuer werden. Gerade in einer Situation, in der sowohl Haefner wie Vekselberg geneigt sein könnten, der Familie einen hohen Preis zu bezahlen, um an die matchentscheidenden Aktien zu kommen.

Einen Ausweg ermöglicht die Übernahmekommission (UEK). Die Bundesbehörde kann Aktionäre in Ausnahmefällen davon befreien, ein Übernahmeangebot machen zu müssen. Zum Beispiel muss der Aktionär glaubhaft darlegen, dass er mit seinem Handeln zum Überleben einer bedrohten Firma beiträgt. Haefner hat das bereits getan. Und niemanden würde es erstaunen, wenn auch Liwet bei der UEK vorspräche.
Möglicherweise kommt es gar nicht zum Showdown. Im Umfeld von Banken wird in diesen Tagen ventiliert, ob man Liwet vorgängig nicht doch auskaufen könnte. Die Pläne seien bereits ziemlich ausgearbeitet, heisst es in der Branche. Ob Liwet für einen solchen Deal zu haben wäre, ist komplett offen. Letztlich dürfte es wie immer auch eine Frage des Preises sein.

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Die nächsten Tage dürften Klärung bringen. Noch diese Woche findet eine Verwaltungsratssitzung statt. Ausgeschlossen sind Kompromisse also trotz allen Streitereien im Aktionariat nicht. Schliesslich hat auch die hochverschuldete Gesellschaft nicht endlos Zeit.