Zum ersten Mal fand das WEF ohne ihn statt – nach über 55 Jahren. Während sich die Mächtigen der Welt letzte Woche in Davos trafen, zog sich Klaus Schwab (78) mit seiner Frau Hilde (79) in die Berge des Oman zurück. Möglichst weit weg, möglichst Abstand bekommen.
Doch sein Lebenswerk lässt ihn nicht los. Schwab tut alles, damit das WEF seiner Gründungsidee treu bleibt: ein gemeinnütziges Forum des Dialogs – mit Sitz in der Schweiz.
Im Stiftungsrat hat er offiziell nichts mehr zu sagen. Der langjährige Präsident wurde im Vorjahr durch eine Intrige gestürzt. Interne Gegner warfen ihm Missstände vor – zwei unabhängige Untersuchungen entkräfteten allerdings sämtliche Vorwürfe.
Doch Schwab kämpft weiter – im Hintergrund. Er will, dass das World Economic Forum in der Schweiz bleibt. Sein Vorschlag: Die Eidgenossenschaft soll das Grundstück des WEF-Hauptsitzes in Cologny GE erhalten – als Schenkung.
40'000 Quadratmeter für die Schweiz
Das Areal umfasst rund 50’000 Quadratmeter, davon gehören 10’000 dem Kanton Genf. Es zählt zu den wertvollsten Grundstücken der Schweiz. Schwab hatte es einst gekauft und seinen Wert auf rund 200 Millionen Franken gesteigert. Er wohnt bis heute neben dem Hauptsitz.
Noch vor Jahresende wandte er sich schriftlich an den Bundesrat. Die Landesregierung hat die Idee diskutiert, doch so einfach scheint die Annahme des Geschenkes nicht. Zuerst braucht es eine gesetzliche Grundlage – und die Zustimmung des Stiftungsrats. Eine entsprechende Antwort, unterzeichnet von Bundespräsident Guy Parmelin (66) und dem Bundeskanzler, ging kurz vor dem diesjährigen WEF an Schwab. Zu den Blick-Recherchen gibt sich die Bundeskanzlei auf Anfrage zugeknöpft: Zu «allfälligen Korrespondenzen des Bundesrates mit Privatpersonen» erteile sie keine Auskünfte.
Springt Stiftungsrat über seinen Schatten?
Gemäss Korrespondenz nannte Schwab zwei Gründe für die Schenkung: Erstens will er der Schweiz für ihre jahrzehntelange, verlässliche Unterstützung danken und etwas zurückgeben. Zweitens soll die Übertragung an den Staat das WEF dauerhaft in der Schweiz verankern.
Schwab selber will auf Anfrage die Vorgänge derzeit nicht weiter kommentieren. Bereits im November sagte er jedoch im Magazin «Interview by Ringier», er wolle mit der Eidgenossenschaft als Miteigentümer «das Weltwirtschaftsforum noch stärker institutionell in der Schweiz verankern». Ausserdem will er verhindern, dass das WEF zum Spekulationsobjekt wird.
Jetzt ist der Stiftungsrat am Zug. Für das Forum selbst würde sich kaum etwas ändern – ein garantiertes Nutzungsrecht für das Gelände bei Genf bliebe bestehen. Aber ob die Personen, mit denen Schwab im Streit auseinandergegangen ist, seine Idee unterstützen?
Auf Anfrage schreibt die Medienstelle: «Das WEF hat keine Pläne, die Immobilie in Cologny, wo sich unser Hauptsitz befindet, aufzugeben.» Trotzdem scheint Schwabs Idee nicht vom Tisch. Laut Blick-Informationen macht das WEF derzeit entsprechende Abklärungen. Es hat unter anderem Kontakt mit der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht aufgenommen.
Wer WEF-Chef wird, ist matchentscheidend
Doch es geht um mehr als ein Stück Land. Es geht um die Frage: Will das WEF überhaupt in der Schweiz bleiben? Oder zieht es in eine Weltmetropole – etwa nach New York? Solche Überlegungen gibt es. Insider sehen dabei einen Zusammenhang mit der künftigen Führung.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde (70) gilt als Schweiz-freundlich. Doch falls Blackrock-Chef Larry Fink (73), der das WEF derzeit interimistisch leitet, dauerhaft übernimmt, befürchten viele den Abzug.
Auch der Bund ist alarmiert. «Das WEF ist enorm wichtig für die Schweiz», sagte Cassis am Rande des WEF letzte Woche zu Blick. Der Bundesrat sei fest entschlossen, alles zu tun, um das Forum im Land zu halten.
Die Grundstücksschenkung könnte zum Wendepunkt werden – für die Zukunft des WEF.
Dieser Artikel erschien zuerst bei Blick.
