Welche Frauen und Männer sind künftig die Aushängeschilder des Schweizer Fernsehens? Diese Frage wird derzeit auf den Gängen des SRF-Sitzes am Leutschenbach heftig diskutiert. Denn das Management plant einen Kahlschlag vor der Kamera. Nicht die Sendegefässe an Randzeiten sind davon betroffen, sondern etwa auch Aushängeschilder wie «10vor10» oder die Tagesschau. Reduktion auf das Wesentliche lautet die Devise.

Bei der Tageschau sind derzeit noch vier Moderatoren regelmässig zu sehen. Das sind laut der neuen Strategie zwei zu viel, wie handelszeitung.ch aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr. Auch die Vorabend-News-Sendung «Schweiz Aktuell» hat mehr als zwei Moderatoren. Da werden ebenso einige Moderatoren aus dem Scheinwerferlicht treten müssen. Es sind nur zwei Beispiele von vielen. Von einem neuen Konzept will SRF zwar nicht sprechen. Es gebe keine Grundsatzentscheidung dieser Art, erklärt ein Sprecher. Indirekt wird dann aber doch noch bestätigt: «Selbstverständlich überprüfen wir laufend Sendungskonzepte, mit der Absicht, Formate klar zu positionieren.»

Kein Ersatz bei Einstein

Für diese «klarere Positionierung» gibt es einige Hinweise. Bei der Suche nach einer Nachfolgerin für Christine Meier als Moderatorin der News-Sendung «10vor10» wurde lediglich eine Ferienablösung gewählt, welche Sprecher Stefan Klapproth und Daniela Lager ergänzt. Offensiv kommuniziert wurde dies nicht. «Daniela Lager und Stephan Klapproth sind langjährige, ausgezeichnete Moderatoren von «10vor10». Es gibt somit keinen Zeitdruck, eine weitere Moderatorin oder einen weiteren Moderator zu bestimmen», erklärt der SRF-Sprecher. Auch bei der Wissenschafts-Sendung «Einstein» wurde Moderatorin Nicole Ulrich nicht ersetzt. Für sie kommt eine Übergangsmoderatorin. «Im Fall von «Einstein» soll die neue Redaktionsleitung bei der definitiven Neubesetzung mitreden. Deshalb ist der Einsatz von Kathrin Hönegger befristet», erklärt SRF.

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Redaktionen wenig erfreut

Das neue Konzept erntet in den Redaktionen der Sendungen wenig Beifall. Vorbehalte haben die Verantwortlichen der Sendungen vor allem im Bezug auf kurzfristige Ausfälle der künftigen Moderatoren. Auch haben viele, die beim Schweizer Fernsehen als Moderationskräfte beschäftig sind, tiefe Arbeitspensen. Und vor allem verlieren die Zuschauer von SRF auch einige bekannte Gesichter, die bisher für Sender-Treue sorgten.

Nebenjobs so erlaubt

Doch die Meinungen scheinen gemacht zu sein. Wie handelszeitung.ch erfuhr, heisst es intern, es seien zu viele Personen am Bildschirm präsent. Die Folge ist eben die bestätigte «Absicht, Formate klar zu positionieren». Doch hinter der Neuausrichtung der Moderation könnten auch Sparanstrengungen liegen. Viele SRF-Moderatoren haben keinen eigentlichen Anstellungsvertrag, wie es die redaktionell tätigen Journalisten und das übrige Personal haben. Mehrere gut bezahlte Aushängeschilder haben einen sogenannten Artisten-Vertrag und «vermieten» sich selber über eine eigene Firma an das Schweizer Fernsehen.

Nur so sind lukrative Nebenjobs als Moderator von Podien, Anlässen und Shows möglich. Redaktionell tätige Angestellte haben strickte Auflagen und Verbote. Das Schweizer Fernsehen kann mit weniger Moderatoren sparen, da es weniger teure Artisten unterhalten muss.