Schweizer Unternehmen in der Ukraine werden von den dortigen Kriegshandlungen eingeholt. Clariant hatte sich dieser Tage aus der umkämpften Ost-Region der Ukraine zurückgezogen. Jetzt gibt auch Nestlé bekannt: «Wir haben vorübergehend unsere Fabriken, Lagerhäuser und Lieferketten in der Ukraine geschlossen», sagt ein Sprecher. Man habe den Mitarbeitenden empfohlen, zu Hause zu bleiben und die Anweisungen der Regierung und der lokalen Behörden zu befolgen.

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«Zu diesem Zeitpunkt sind alle Mitarbeitenden in der Ukraine in Sicherheit», sagt ein Nestlé-Sprecher, «wir wollen die lokale Bevölkerung weiterhin mit unseren Produkten versorgen und werden die Lieferungen wieder aufnehmen, wenn es die Lage erlaubt.»

Optimismus auf dem Prüfstand

Von einem Rückzug weiterer Schweizer Firmen, die Standorte in der Ukraine unterhalten, ist zu diesem Zeitpunkt noch nichts bekannt. Darunter fallen eine Reihe vom SMI-Titeln wie ABB, Sika, Syngenta, Geberit, Novartis und Roche, um nur einige zu nennen (siehe Grafik).

Die meisten Schweizer Firmen, die auf dem ukrainischen Markt tätig sind, waren bis anhin grundsätzlich optimistisch in Bezug auf die Entwicklung ihrer Geschäftstätigkeit und sahen ein grosses Potenzial auf dem Markt, wie das Aussendepartement im Vorjahr noch vermeldet hat. Sektoren wie IT-Dienstleistungen konnten sich gut behaupten. In diesem Bereich sind vor allem KMU aus der Schweiz in der Ukraine tätig.

Viertgrösster Investor

Die Schweiz ist der viertgrösste Investor in der Ukraine mit 12,7 Milliarden Dollar. Der Zufluss der Schweizer Direktinvestitionen war in den vergangenen Jahren, bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie, deutlich gestiegen. 

Die Ukraine importiert deutlich mehr aus der Schweiz, als sie in die Schweiz exportiert. Insbesondere in den Bereichen Maschinen, technische Ausrüstungen und Apparate sowie chemische Industrie, Pharma und Lebensmittel ist die Schweiz in der Ukraine mit Repräsentanzen oder Produktionsstandorten im Land präsent.

Der bilaterale Handel zwischen der Schweiz und der Ukraine stieg 2020 noch um 7,6 Prozent, 696 Millionen Franken, an. Dies ist vor allem auf den starken Anstieg der Schweizer Exporte von pharmazeutischen Produkten (plus 40 Prozent) zurückzuführen, deren 258 Millionen Franken fast 50 Prozent der Schweizer Exporte in die Ukraine ausmachen. Die Schweiz exportiert hauptsächlich pharmazeutische Produkte, dann Textilien (27 Prozent) und Edelmetalle (20 Prozent).