Man stelle sich vor: Tranquillo Barnetta, Johann Vogel, Alex Frei, Raphael Wicky, Philippe Senderos, Ludovic Magnin und Patrik Müller werden von einem Moment zum andern aus der Schweizer Nationalmannschaft abberufen, und Nationalcoach Köbi Kuhn muss mit dem verbleibenden Bestand an Fussballern subito einen Grosserfolg wie die Qualifikation für die WM 2006 wiederholen.

Graham Kaye, Köbi Kuhns Amtskollege in Diensten des Schweizerischen Golfverbandes (ASG), muss sich ungefähr so vorkommen. Er erreichte Ende 2004 in Puerto Rico einen einzigartigen Erfolg, als seine Drei-Mann-Crew Nicolas Sulzer/Roger Furrer/Martin Rominger den 4. Platz der Amateur-Weltmeisterschaft belegte, geschlagen nur von den Auswahlen der USA, Spaniens und Schwedens. Nicolas Sulzer und Martin Rominger, die Barnettas und Senderos der Golf-Nationalmannschaft, haben letzten Herbst den Profi-Status angenommen und stehen somit Graham Kaye für künftige Projekte auf Amateurebene nicht mehr zur Verfügung. Die neue Herausforderung, die Team-WM vom 26. bis 29. Oktober im südafrikanischen Weinparadies Stellenbosch, steht jedoch schon vor der Tür. Für Kaye ist es nicht einfach, nach dem Erfolg von Puerto Rico ein neues Ziel zu bestimmen: «Was soll man nach dem 4. Platz sagen? Es wäre wohl zu optimistisch, die Top 8 zu nennen. Ein Platz in den ersten 15 wäre schon sehr gut für die Schweiz.»

Wer soll für den Neustart der Amateur-Nationalmannschaft die Lücken schliessen, die Sulzer und Rominger hinterlassen? Roger Furrer ist weiterhin als Amateur dabei. Er hat sich wie Tino Weiss und Damian Ulrich schon mehrfach bewährt, so im Juli 2005 , als die Schweizer mit einem Sechserteam den Coup der WM auf eindrückliche Weise bestätigten und im englischen Southport nach einem abschliessenden Sieg über die favorisierten Franzosen den 3. Platz der Team-EM belegten. Es war der erste Schweizer Medaillengewinn überhaupt in diesem traditionsreichen Wettkampf.

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Furrer, Weiss und Ulrich müssen sich im internen Wettbewerb um die WM-Startplätze gegen die nachdrängenden Sandro Tan-Piaget und Alessandro Fischer durchsetzen. Von den Jüngsten, den U18-«Boys», hat der Waadtländer Marc Dobias die besten Aussichten, sich auf Kosten eines Arrivierten einen WM-Startplatz zu erspielen. Die Nominierung des WM-Teams erfolgt nach einem weiteren Highlight der Saison 2006: Nach den Einzel-Europameisterschaften von Ende August in Biella (Italien).

Motivierte Spitzengolferinnen

Auch für die Schweizer Amateurinnen sind die Team-Weltmeisterschaften in Stellenbosch (eine Woche vor den Männern) der Höhepunkt. Gemäss Nationalcoach Régine Lautens, der langjährigen Golferin im europäischen Profi-Circuit der Frauen, sind alle Kaderspielerinnen sehr motiviert, obwohl einige mit Ausbildung und Beruf stark belastet sind. Das Kader ist im Unterschied zu den Männern stabil geblieben. «Dies ist eine gute Voraussetzung für ein zufrieden stellendes Abschneiden an der WM», sagt Lautens.

Fabienne In-Albon, Caroline Rominger, Natalia Tanno und Stephanie Noser sind in der Poleposition für die WM-Plätze. Diese drei sind auch für einen Start am neuen Turnier der Ladies European Tour in Losone vorgesehen, wo sie als Amateurinnen im Feld der Profis ihren Horizont erweitern können. Stephanie Noser hat in den USA beträchtliche Fortschritte erzielt. Fabienne In-Albon und Caroline Rominger sind trotz Maturaprüfungen beziehungsweise Studium sehr intensiv an der (golferischen) Arbeit. Noch unsicher ist die Zukunft von Niloufar Azaam. Auch Régine Lautens ist bei der Formulierung des WM-Ziels eher vorsichtig. Sie spricht von einem Platz in den ersten 15. Nationale Highlights 2006 sind die Schweizer Amateur-Meisterschaften (im Matchplay-Format) Ende Juni in Kandern. Gesucht werden die Nachfolger von Sulzer und Azaam. Beim Omnium in Waldkirch Ende Juli heissen die Titelverteidiger Damian Ulrich und Sheila Lee.

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Damian Ulrich: Der Jungstar

Damian Ulrich (23) ist der nächste junge und talentierte Schweizer Golfamateur, der sich eine Karriere als Profi vornimmt. Er hofft, sich ins Schweizer Drei-Mann-Team für die Team-WM zu spielen. Es soll für den Zuger ein schönes Erlebnis in der Zeit als Amateur werden, parallel dazu wird er aber möglicherweise schon in diesem Herbst ins Business der Profis einsteigen.