Die Beamten der brasilianischen Bundespolizei schlugen am 1. Juli zu. Sie durchsuchten im Industriegebiet Santa Cruz bei Rio de Janeiro Büros des Staatsunternehmens Casa da Moeda. Es produziert Münzen, Banknoten und Sicherheitssiegel und steht unter Verdacht, Verträge illegal vergeben zu haben.

An der gleichen Strasse sitzt auch die brasilianische Tochter des Waadtländer Hochtechnologieunternehmens Sicpa. Das ist kein Zufall. Sie stellt Sicherheitsfarben und Systeme her, welche die Casa da Moeda bei der Produktion braucht. Über 1000 Menschen arbeiten im Werk.

Operation «Laster»

Die beiden Firmen waren sich vielleicht ein wenig zu nah. Während die Ermittler das Staatsunternehmen durchkämmten, durchsuchten sie auch die Büros von Sicpa Brasil. Die Razzien sind Teil der Operação Vícios (Operation Laster), mit der Brasilien die Korruption ausmerzen will.

Die Bundespolizei glaubt, dass Mitarbeitende von Casa da Moeda und Sicpa gemeinsame Sache machten - zum Nachteil des Staates. Grossaufträge sollen illegal den Schweizern zugeschanzt worden sein. Dafür sollen rund 100 Millionen Real (28 Millionen Franken) an Schmiergeldern geflossen sein.

Das Schicksal nahm 2007 seinen Lauf. Damals vergab die Casa da Moeda einen Auftrag zur Kennzeichnung von Getränken an Sicpa. Die Produktionsstrassen der Hersteller werden seither mit einem System der Schweizer ergänzt, das auf alle Flaschen eine digitale Signatur aufträgt. So wird verhindert, dass unversteuerte Produkte auf den Markt gelangen.

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System zur Kontrolle von Getränken

Sechs Jahre lang lief alles glatt. Sicpa verdiente gut, der Staat konnte seine Einnahmen erhöhen. Win-win. Doch 2013 bekam die Casa da Moeda einen neuen Chef. Dem fielen Unregelmässigkeiten auf und er alarmierte die Behörden. Die Folge davon waren die Razzien Anfang Juli. «Es gibt Anzeichen, dass die Vergabe nicht korrekt verlief», urteilt die Bundespolizei. Es geht es um ein Auftragsvolumen von 1,6 Milliarden Franken.

In Prilly VD weist man die Vorwürfe weit von sich. «Sicpa hat keine Unregelmässigkeiten begangen und arbeitet im Rahmen der Ermittlungen eng mit den brasilianischen Behörden zusammen», so eine Sprecherin am Hauptsitz. Die Angebote seien im Rahmen internationaler Ausschreibeverfahren erfolgt. «Wir haben sie aufgrund unserer anerkannten Fachkompetenz gewonnen.»

Für Sicpa ist die Nachricht dennoch unangenehm. Vertrauen ist schliesslich der Kern des Erfolgs des Familienunternehmens mit 3000 Angestellten. Es begann auch erst vor kurzem zaghaft, mehr über sich zu verraten. Die Schlagzeilen, die man sich versprach, waren freilich andere.