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Schweizer Kitas werden immer professioneller

Essen in der Kita: Betrieb von Kinderkrippen und Tagesstätten wird inzwischen oft ausgelagert. Keystone

Die Kinderbetreuung in der Schweiz wird zunehmend professionalisiert. Ein Vorreiter ist dabei das waadtländische Unternehmen Pop e Poppa. Die Gruppe bietet heute etwa 1150 Betreuungsplätze an.

Veröffentlicht am 04.06.2016

Der Sektor der professionellen Kinderbetreuung in der Schweiz befindet sich im Höhenflug. Zahlreiche öffentliche und private Institutionen lagern den Betrieb von Kinderkrippen und Tagesstätten aus, um den hohen Standards der Behörden gerecht zu werden.

Es ist ein Geschäftsmodell, das sich mehr und mehr durchsetzt. Mit den zahlreichen berufstätigen Eltern ist die Kinderbetreuung ein Markt mit hohem Wachstumspotenzial. Die Zahl der Arbeitgeber, die Betreuungslösungen für die Kinder ihrer Mitarbeitenden anbietet, steigt. So haben sich zum Beispiel die Versicherung Generali, der Energiekonzern Romande Energie und in jüngerer Zeit das Kantonsspital Freiburg für das Angebot von Pop e Poppa entschieden.

Spezialisiert auf Auslagerungen

Das waadtländische Unternehmen hat sich auf die Auslagerung von Betreuungseinrichtungen für Kinder spezialisiert. «Der Sektor Kinderbetreuung hat sich in den vergangenen 10 bis 15 Jahren stark professionalisiert, sagt der Mitgründer von Pop e Poppa, Frédéric Chave. Heute wird eine Krippe wie ein KMU geführt.»

Pop e Poppa ist aus dem Zusammenschluss zwischen der Schweizer Firma Amalthea und dem französischen Unternehmen La Maison Bleue hervorgegangen und bietet sein Know-how Unternehmen an. Andererseits gibt es immer mehr Gemeinden, die den Betrieb ihrer Kinderbetreuungseinrichtungen dem Spezialisten anvertrauen.

Hohe Anforderungen

«Eine Kinderkrippe zu führen erfordert ein starkes Engagement und vertiefte Kenntnisse in diesem Bereich», sagt Chave. «Kleine private Krippen und Gemeinden haben oft nicht die nötigen Mittel, um die Dienstleistungen im geforderten Umfang anzubieten.»

Andrea Weik, Vorsteherin des Jugendamtes des Kantons Bern, teilt diese Ansicht. «Die Anforderungen an eine Betriebsgenehmigung sind hoch.» Der Entscheid, den Aufbau und den Betrieb einer Kinderbetreuungsstätte in professionelle Hände zu geben, mache es einfacher für Unternehmen oder Gemeinden, überhaupt ein solches Projekt zu starten.

Kein Geld vorhanden

Liegt es an zu tiefen Subventionen, dass Gemeinden es vorziehen, private Akteure mit der Kinderbetreuung zu betrauen? «Es gibt Subventionen von den Kantonen, aber Budgetkürzungen sind überall eine Realität», sagt Weik. «Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen steigt, aber die finanziellen Ressourcen halten nicht Schritt.»

Eine Gemeinde, die ein Kinderbetreuungsprojekt aufgleisen will, beauftragt also lieber ein privates Unternehmen damit, um das ihr zur Verfügung stehende Geld möglich effizient einzusetzen. «Das Outsourcing an einen privaten Akteur ist keine schlechte Sache», sagt Weik. «Es ist eine Option für spezielle Bedürfnisse und keine Konkurrenz für die Kantone.»

Strenge Vorschriften

Private Anbieter wie Pop e Poppa sehen offensichtlich einen Anreiz darin, eine Partnerschaft mit den kantonalen Behörden einzugehen, wobei letztere zuständig sind für Zulassung, Überwachung und finanzielle Unterstützung. Es herrschen strenge Vorschriften, etwa bezüglich der Qualifikation des Personals, der Räumlichkeiten, der Sicherheit, der Gesundheit oder der Finanzen.

«Und dies ist auch der heikle Punkt für die privaten Kinderbetreuer», sagt Weik. Um die hohen Standards zu erfüllen, sind viele Einrichtungen fast dazu gezwungen, die Verwaltung ihrer Kinderbetreuungsstätten einem spezialisierten Unternehmen anvertrauen.

Neuer Marktführer

Durch die im April angekündigte Fusion zwischen Pop e Poppa Schweiz und thkt Familienservice entstand ein neuer Marktführer im Bereich Kinderbetreuung. Die neue Gruppe bietet heute etwa 1150 Kinderbetreuungsplätze in 28 Einrichtungen in der Deutschschweiz und der Romandie an.

«Die beiden Unternehmen haben die gleiche Philosophie und die gleichen Qualitätskriterien. Mit der Fusion ergänzen wir uns sowohl geographisch als auch bezüglich des Angebots», sagt Chave. 2017 strebt die Gruppe einen Umsatz von 40 Millionen Franken an.

(sda/gku)

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