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Schweizer lieben Mineralwasser aus Europa

Mineralwasser
Mineralwasser: Über 90 Prozent werden aus Frankreich und Italien importiert.Quelle: Getty Images

Trotz ausreichend eigener Mineralwasserquellen wird fast jede zweite Flasche Wasser importiert. Die Schweizer Produzenten sind sauer.

Von Sven Zaugg («Blick»)
am 12.09.2018

Fünf Prozent der gesamten Süsswasservorräte Europas lagern in der Schweiz. Das blaue Gold sprudelt landesweit aus über 20 Mineralwasserquellen. Das ist gewaltig und eigentlich mehr als genug, um den hiesigen Bedarf an Tafelwasser zu decken. Doch Schweizer Konsumenten hängen immer mehr am ausländischen Tropf.

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Laut dem Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten (SMS) werden 42 Prozent des hiesigen Konsums durch Importe gedeckt – 1995 waren es noch 18 Prozent. Das sind bei einem jährlichen Gesamtkonsum pro Kopf von 115 Liter über 48 Liter. Inzwischen stammt fast jede zweite Flasche Mineralwasser, die in der Schweiz getrunken wird, aus dem Ausland.

Über 90 Prozent der importierten Mineralwasser werden in  Italien und Frankreich abgefüllt. Insgesamt wurden vergangenes Jahr gut 415 Millionen Liter Mineralwasser mit einem Wert von über 85 Millionen Franken aus mehr als 40 Ländern importiert. Gleichzeitig stagniert die Schweizer Produktion. Das ist paradox, hat aber einen handfesten Grund. Es geht um Geld.

Hart umkämpftes Rappengeschäft

Der grosse Durst auf ausländische Ware hat mit starken Marken und den tiefen Preisen zu tun. Detailhändler, die Mineralwasser aus der EU importieren, profitieren vom günstigen Franken-Euro-Kurs und zahlen keine Zölle. Der Verkaufspreis bleibt hingegen gleich – während die Marge steigt. Bei vielen Importflaschen dürften die Händler mehr verdienen als bei Flaschenwasser aus der Schweiz. Den Konsumenten gefällt es, den Produzenten stösst es sauer auf.

Mineralwasser

Für Alois Gmür (63), Präsident Verband Schweizerischer Getränkegrossisten und CVP-Nationalrat, ist klar: «Transport- und Lohnkosten für die Multis sind derart tief, dass sie ihre Ware auf dem hiesigen Markt spottbillig verkaufen können.» Gmür spricht von einem Rappengeschäft, in dem mit harten Bandagen gekämpft wird. Das setze die lokalen Produzenten unter Druck.

Bei Discountern, wie beispielsweise Denner, sind die Preisdifferenzen zum Schweizer Wasser enorm. Hier kostet das günstigste italienische Wasser nur halb so viel wie das günstigste Schweizer Wasser. Man befinde sich einem Verdrängungsmarkt, sagt Damaris Buchenhorner (32), Verwaltungsratspräsidentin bei der Mineralquelle Eptingen. «Das führt unweigerlich zu tiefen Preisen.»

Swissness soll neuen Schub verleihen

Allerdings sieht die Branche auch Chancen: Produzenten wie Eptinger, Passugger oder Goba grenzen sich im Markt klar von den Billig-Produkten ab. «Gerade im Bezug auf Regionalität, die zunehmend wieder mehr Beachtung findet», sagt Buchenhorner.

Das sieht auch Passugger-Chef Urs Schmid (53) so: «Die Hauptgründe für unser Wachstum liegt einerseits in der Qualität unserer Traditionsmarken – zudem beschränken wir uns hauptsächlich auf die deutschsprachige Schweiz.» Von der Region für die Region – die regionalen Produzenten hoffen mit ihrer Swissness-Strategie bei den Konsumenten zu punkten und das Rappengeschäft zu gewinnen.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen bei blick.ch mit dem Titel «Schweizer hängen am ausländischen Tropf».