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Telekomanbieter
Schweizer Politiker zeigen ersten Unmut gegenüber Huawei

Praesentation des neuen 5G - Netz von Sunrise an einer Medienkonferenz in Zuerich am Dienstag, 12. Dezember 2017. Sunrise zeigte heute, wie schnell wir kuenftig mobil surfen werden. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Sunrise ist im Kern Huawei: Seit 2012 betreibt Huawei für Sunrise das Mobilnetz.Quelle: © KEYSTONE / WALTER BIERI

Sunrise-Firmenkunden nehmen die Verbindung zu Huawei gelassen. Politiker hingegen fordern Massnahmen, allerdings nicht nur gegenüber Huawei.

Von Jonathan Noack
am 16.02.2019

Der politische Druck auf den Technologiekonzern Huawei wächst. Politiker werfen der chinesischen Firma vor, über Netzwerkgeräte Spionage für den chinesischen Staat zu betreiben. Australien und Neuseeland haben den Einsatz von Huawei-Equipment bereits verboten, in Deutschland werden neue Sicherheitsstandards für Hersteller von Netzwerkequipment erarbeitet.

Unbeeindruckt von diesen Entwicklungen zeigen sich die Schweizer Huawei-Kunden. Die Swisscom setzt bei Teilen der Festnetzinfrastruktur auf Huawei. Sunrise hat gar den ganzen Betrieb des Mobilfunknetzes an Huawei ausgelagert, inklusive Aufbau des neuen 5G-Mobilfunknetzes.

Die enge Partnerschaft von Sunrise und Huawei hatte in der Vergangenheit mehrfach zu Kritik geführt. Sunrise betonte jedoch stets, es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Infrastruktur für Spionage missbraucht werde. Tatsächlich ist bisher kein solcher Fall bekannt.

Mit der Qualität der Huawei-Technologie dürfte Sunrise ohnehin zufrieden sein. Seit einigen Jahren erreicht Sunrise im Netztest der Zeitschrift «Connect» regelmässig Spitzenwerte und schlägt teilweise sogar Konkurrentin Swisscom. Derartige Resultate waren vor der Auslagerung an Huawei undenkbar, Sunrise war eher für eine mangelhafte Netzabdeckung bekannt. Nicht zuletzt das schlechte Image beim Thema Netzabdeckung dürfte bei Sunrise im Jahr 2012 zum Entscheid geführt haben, auf Huawei zu setzen.

Sunrise: Loyale Firmenkunden

Die Frage der Sicherheit in den Netzwerken ist vor allem für Unternehmen zentral. Die Post oder der Flughafen Zürich nutzen das Netzwerk von Sunrise. Das bedeutet, zum Teil sensible Unternehmens- und Kundendaten werden mittels Huawei-Technologie im Sunrise-Netz übertragen. Auf Anfrage zeigen sich die Unternehmen loyal zu Sunrise. Die Post schreibt, sie habe hohe Sicherheitsstandards, die zertifiziert seien. Aufgrund der aktuellen Diskussion rund um Huawei habe man keine speziellen Massnahmen ergriffen.

Im Auftrag des Flughafens Zürich betreibt Sunrise eine Basisinfrastruktur, um den Handy-Empfang in den Gebäuden sicherzustellen. Zudem telefonieren die Mitarbeitenden über das Sunrise-Netz. Der Flughafen betont, man halte sich an alle gängigen Sicherheitsstandards und stehe in einem regelmässigen Austausch mit Sunrise.

Sunrise ihrerseits verweist ebenfalls auf geltende Standards und sagt, das Netz sei so konstruiert, dass Datenabflüsse praktisch ausgeschlossen seien. Huawei und Sunrise verweisen auf die Loyalität ihrer Kunden: Es gebe zwar Diskussionen mit Kunden, diese könnten jedoch politische Vorwürfe und technische Anforderungen gut trennen.

Politik beunruhigt

Die Politik beobachtet die Situation weniger gelassen und macht nun auch in der Schweiz Druck. Fabio Regazzi, CVP-Nationalrat aus dem Kanton Tessin, plant in der nächsten Session eine Interpellation zum Thema. Er möchte vom Bundesrat wissen, wie dieser sicherstelle, dass es in der Schweiz nicht zu Spionage komme. Regazzi sagt: «Ich spüre beim Thema Huawei eine grosse Verunsicherung von vielen Leuten.»

FDP-Nationalrat Marcel Dobler versteht das Misstrauen gegenüber Huawei, warnt jedoch vor Kurzschlusshandlungen. Das Problem liege in der Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern, nicht bei Huawei. «Es gibt derzeit keine verbindlichen Richtlinien zum Einsatz von ausländischer Hardware bei kritischen Infrastrukturen», so Dobler. Zu kritischen Infrastrukturen zählt er neben der Telekommunikation auch die Stromund Wasserversorgung oder die Armee. Dobler fordert eine Auslegeordnung, wo der Bund derzeit steht und welche Massnahmen ergriffen werden könnten. Der IT-Dachverband ICT Switzerland, der von Dobler präsidiert wird, hat dazu die Kommission Cybersecurity gegründet. Dort sollen Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik nach Lösungen im Bereich der Supply-Chain-Sicherheit suchen.

Auch Stefan Frei sieht das eigentliche Problem nicht bei Huawei. Der Experte für Cyber Security forscht an der ETH Zürich und sagt: «Auch bei Produkten von amerikanischen Herstellern wäre es möglich, dass damit Spionage betrieben wird.» Frei erläutert: «In den eingesetzten Produkten sind Hunderte von Bauteilen unterschiedlichster Hersteller verbaut, die von Geheimdiensten ausgenutzt werden können. Die Sicherheit muss über die ganze Lieferkette betrachtet werden.» Es wäre also auch möglich, dass nicht einmal die Hersteller oder Anbieter selbst von Spionageaktivitäten wissen.

Um dies zu verhindern, schlägt er eine neue und unabhängige Instanz in Europa vor. Diese soll eingesetzte kritische Geräte untersuchen und Backdoors identifizieren. Die Ergebnisse sollten dann publik gemacht werden. Damit könnte Spionage detektiert und Druck auf die Hersteller ausgeübt werden. Zudem müssten die Hersteller für Schäden haftbar gemacht werden, die durch den Einsatz ihrer Produkte entstehen, so Frei.

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