Daten-Tracking per Smartphone wird derzeit heiss diskutiert. Einige Länder wollen so die Ausbreitung von Covid-19 kontrollieren, damit die Menschen nach wochenlangen Lockdowns wieder zu einer gewissen Normalität zurückkehren können.

Statt Handydaten zu überwachen, wählt Liechtenstein einen anderen Weg: Das Fürstentum will seine Bürger mit biometrischen Armbändern ausstatten, um mögliche Infektionen mit dem Coronavirus in Echtzeit zu verfolgen. Das berichtet die «Financial Times»

Im Rahmen einer bereits laufenden Studie werden 2'200 Armbänder an Freiwillige verteilt, welche Körperdaten wie Hauttemperatur, Atemfrequenz und Herzfrequenz zur Analyse an ein Schweizer Labor zurücksenden. In einer zweiten Phase könnten bis zu weitere 5000 Personen in das Testprojekt aufgenommen werden.

Schloss Vaduz, Sitz des Fürstenhauses Liechtenstein

Schloss Vaduz: Das «Ländle» wählt einen innovativen Weg bei der Eindämmung des Corona-Virus.

Quelle: Getty Images

Überwachung von Gesundheitsdaten

Ganz unbedenklich ist es nicht, wenn Regierungen nicht nur Bewegungsdaten – worauf sich das derzeit in anderen Ländern diskutierte oder teilweise bereits eingesetzte Handy-Tracking beschränkt –, sondern auch Gesundheitsdaten seiner Bevölkerung überwacht. 

Die Liechtensteiner Regierung versichert gegenüber HZ allerdings, keinen Zugriff auf die Daten zu haben, sondern sich nur an der «Covi-Gapp-Studie» zu beteiligen – auch finanziell.

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In Liechtenstein gibt es bislang nur 80 Fälle des Coronavirus, doch die Regierung will künftige Infektionen verhindern und seine Bevölkerung testen. Dazu greift sie zu radikalen Massnahmen: Neben wöchentlichen Tests für Risikogruppen soll das Abwasser auf Spuren des Virus überwacht werden.

Im Herbst rechneten die Gesundheitsbehörden mit einer zweiten Infektionswelle, sagt Sozialminister Mauro Pedrazzini der «Financial Times». Mit den rund 2000 Armbändern in der ersten Studienphase sollen Veränderungen der Körperdaten Aufschluss über eine Corona-Infektion geben, noch bevor sich Symptome einstellen könnten. Ziel ist es, künftige Coronavirus-Fälle rasch zu diagnostizieren und zurückzuverfolgen. 

Schweizer Startup Ava

Das Projekt wurde von Lorenz Risch, dem Präsidenten des labormedizinischen Zentrums Dr. Risch, ins Leben gerufen. Die Armbänder liefert das Schweizer Medtech-Unternehmen Ava, die normalerweise als Fruchtbarkeits-Tracker eingesetzt werden. 

(mlo)