Der Name Malom Group ist Programm. Malom steht für «Make A Lot of Money» - verdiene eine Menge Geld. Und genau das taten Hans-Jürg Lips und sein Partner Martin Ulrich Schläpfer. Doch ihre Millionen machten sie nicht auf korrekte Weise, wie Strafverfolgungsbehörden auf beiden Seiten des Atlantiks vermuten.

Lips und Schläpfer sollen zusammen mit amerikanischen Partnern aus Zürich und Las Vegas ein Anlagesystem betrieben haben, das Investoren astronomische Gewinne auf ihren Einsatz versprach. Offenbar funktionierte die Masche derart gut, dass sie bei über 30 Amerikanern 11 Millionen für ihre heissen Investments auftrieben. Das geht aus Akten hervor, die handelszeitung.ch vorliegen.

«Lügen» um «Geld zu stehlen»

Nun geht die US-Börsenaufsicht SEC gegen die Gruppe um die Schweizer zivilrechtlich vor und legt ihnen betrügerische Handlungen zur Last. In einer Pressemitteilung schreiben die Regulatoren: Durch «Lügen» und «gefälschte Dokumente» sei eine Luftnummer aufgezogen worden, die als einziges Ziel hatte, «Geld zu stehlen». Malom versprach den Investoren, Gelder via «Structured Notes» zu beschaffen – hinterlegt unter anderem mit wertlosen brasilianischen Staatsanleihen.

Neben der SEC klagt auch das US-Justizministerium gegen Schläpfer, Lips und Co. – strafrechtlich. Die Justizbeamten sprechen von einer «Verschwörung», um betrügerisch Gelder von Investoren zu akquirieren. Sie beschreiben den Fall so: Die Angeschuldigten hätten bei jedem Kunden zwischen 200'000 und 1,2 Millionen Dollar eingesammelt, jedoch die Gelder nicht wie versprochen in Projekte investiert. Eine besondere Duftnote hinterlässt die Tatsache, dass in der Malom Group ein von Anwaltstätigkeiten eigentlich ausgeschlossener Rechtsanwalt als Compliance-Officer fungierte.

197'000 Franken Lohn

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Die Ermittlungen in den USA gingen vom FBI-Büro in Las Vegas aus, welches die Börsenaufsicht SEC einschaltete. Diese Behörde übernahm das Zivilverfahren. Gleichzeitig hat sich aber für Strafermittlungen das Justizministerium eingeklinkt. Ebenfalls in die US-Ermittlungen involviert war die Staatsanwaltschaft Zürich. Die Anklage in den USA ist das Produkt von US-Präsident Barack Obamas «Financial Fraud Enforcement Task Force» (FFETF), die sich seit dem Bankenkollaps 2009 speziell mit Finanzbetrügereien befasst.

Schläpfer und Lips waren sich nicht nur in der Zuger Malom Group verbunden, auch in der Zürcher NAS Operations trafen die beiden aufeinander. Dort lief es wirtschaftlich offenbar nicht wie gewünscht. So demissionierte Lips Anfang 2012, kurz nachdem er aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, als «Head of Structured Finance». Für 2010 und 2011 wollte er noch ausstehenden Lohn von 197'000 Franken sehen. Wenig später ging die Firma pleite.

Wunder-Millionen bei EFG Zürich und in Vaduz

Die NAS Operations spielte auch im Fall Malom eine Rolle. Laut der Staatsanwaltschaft Zürich für Wirtschaftsdelikte ist das Verfahren gegen die Malom-Gruppe hier nicht abgeschlossen – über weitere Details gibt man sich bedeckt. Fakt ist: Einer der Angeschuldigten wurde erst diesen November aus der Untersuchungshaft entlassen, der andere kam viel früher frei. In US-Gerichtsakten ist weiter von einem anderen Verfahren die Rede, das einen Vorfall mit «surety bonds» zwischen 2003 und 2011 beleuchte.

Die Gruppe spiegelte laut den Akten ihren Opfern vor, die NAS Operations und die Malom Gruppe verfügten bei verschiedenen Schweizer Banken über Konten mit Hunderten Millionen Vermögen. So verschicke Schläpfer an seine Geschäftspartner eine E-Mail, in der vorgespiegelt wurde, sie stamme von einem Banker der EFG Bank Schweiz. Der angebliche EFG-Banker schrieb, Malom sei ein «jahrelanger Kunde» und verfüge über 3 Millionen, obwohl die Firma erst 2011 ein Konto eröffnete. Zur Zeit jener E-Mail war kein Geld auf dem ominösen EFG-Konto, später lagen dort nie mehr als 500'000 Dollar.

Fake-Konti in Südtirol

Ein ähnliches Spiel lief mit der Centrum Bank mit Hauptsitz Vaduz, Liechtenstein. Auch dort wurde den Kunden vorgegaukelt, man verfüge über ein Konto mit 30 Millionen. Ein Konto existierte – für wenige Monate, Geld befand sich dort jedoch keins.

Lips machte laut den Akten im Millionenspiel munter mit. So unterschrieb er als «Chairman and Head of Structured Finance» mehrere Dokumente, die besagten, dass Malom über Hunderte Millionen auf Bankkonten verfüge. Im Februar 2011 behauptete er etwa, 25 Millionen Dollar lagerten bei der Südtirol Bank und der Centrum Bank. Malom hatte bei der Südtirol nie ein Konto eröffnet. Investoren schickte Lips einen Brief eines Bankers der Südtirol Bank zu – er war gefälscht. Auch die EFG-Nummer von Schläpfer zog Lips durch, mal mit 2,4 Millionen, dann wieder mit 2,5 Millionen.

«Kontakte nach U-Haft bis Oktober 2013»

Erschwerend kommt hinzu: In der Anklageschrift der SEC wird Lips weiter zur Last gelegt, dass er nach Dezember 2011, als er aus der Untersuchungshaft entlassen worden sei, weiter Investoren kontaktierte und ihnen versicherte, ihre Gelder seien vorhanden, Malom sei fähig, sie auszuzahlen. «Diese Kontakte bestanden bis sicher Oktober 2013 weiter», ist in den Dokumenten zu lesen.

Die Gruppe fälschte auch Dokumente der Falcon Private Bank sowie der Deutschen Bank. Weiter wurde den Kunden vorgegaukelt, man unterhalte beste Verbindungen zum Top-Kader von Merrill Lynch und Goldman Sachs und hätte mit Wal Mart, der Bank of America sowie dem Staat New York Deals abgewickelt.

Keine Aussagen

Handelszeitung.ch ersuchte die mutmasslichen Täter Schläpfer und Lips um eine Stellungnahme. Der Verteidiger von Martin U. Schläpfer wollte sich zu «laufenden Verfahren nicht äussern». Von Lips kam bis zum Publikationsdatum keine Antwort.

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