Im Hauptgeschäft von Tourneau in Midtown Manhattan – Teil des Luzerner Uhrenhandelshauses Bucherer – herrscht am späten Nachmittag gähnende Leere. Hinter den Theken von Breitling, Rolex und Co. im Erdgeschoss stehen die Verkäufer parat und warten auf Kundschaft.

In der Occasions-Abteilung zwei Stockwerke darüber dagegen ist es lebendig. Hierher finden aber nur Kenner. Oder Kunden, die nach den «certified pre-owned»-Uhren (CPO) fragen.

Sogar eine Rolex «Pepsi» ist im Angebot

Gerade lässt sich ein Paar Uhren zeigen. Elegant ausgeleuchtete Glasvitrinen sind auf einem halben Oval aus Buchenholz angeordnet, in jeder Truhe liegen dutzende gebrauchte Uhren aller möglichen Marken – IWC, Omega, Patek Phillippe und auch einige Rolex.

Unter den Schmuckstücken ist auch eine der hochgefragten und seltenen «GMT Master II Pepsi» von Rolex. «Ein Glücksfall», erklärt die Verkäuferin. «Davon haben wir nur eine einzige in allen dreissig Läden. In wenigen Tagen ist die verkauft.» 10'500 Dollar soll das Stück kosten, Damit liegt der CPO-Preis um 1250 Dollar über dem für eine nagelneue, identische Uhr. Denn die Wartezeit auf eine neue Rolex « Pepsi» beträgt fünf Jahre. Deshalb gewährt Tourneau auch keinen Rabatt auf die gebrauchte Uhr.

«Wir verkaufen mehr gebrauchte Rolex als neue»

Die gefragtesten Modelle kann Rolex gar nicht schnell genug liefern.  Stücke aus Edelstahl sind absolute Mangelware. «Wir verkaufen auf alle Fälle mehr gebrauchte Rolex als neue, weil wir sie in neu kaum ins Sortiment bekommen.» Auch beliebte Modelle von Patek Phillippe Stücke gehen bei Tourneau aus demselben Grund häufiger als CPO über den Ladentisch als neu.

Für die amerikanischen Kunden ist es ein «No-Brainer», eine Rolex pre-owned bei Tourneau zu kaufen, statt im Internet. Dort kosten die «Pepsis» gerne mehr als 15'000 Dollar, obwohl sie nicht den drei Monate dauernden Restaurierungs-Prozess bei Tourneau in Long Island durchlaufen, für den die Uhrmacher eigens in der Schweiz trainiert wurden. Im Netz fehlt häufig auch die Garantie, ganz zu schweigen davon, dass man nicht beschwören kann, dass es sich um ein garantiert echtes Stück handelt.

Uhren als Wertanlage

Wer eine gebrauchte Uhr bei Tourneau kauft, kann sie auch nach Jahren wieder zurückbringen und verkaufen. «Viele Kunden tauschen ihr alte Uhren ein und suchen sich eine andere aus. So bleiben sie uns über Jahre verbunden»,  sagt die Verkäuferin. Die Strategie macht auch für die Kunden Sinn. Innerhalb von drei Jahren ist der Wert einer gebrauchten Rolex «Pepsi» um 1600 Dollar gestiegen. «Das ist eine echte Wertanlage», sagt die Verkäuferin.

Nicht in jeden Tourneau-Laden liegen die CPO-Theken dezent versteckt wie im Flagship. In der kleineren Filiale von Tourneau am Bryant Park stellt die Vitrine mit den zertifizierten Secondhand-Uhren sogar das kreisrunde Herzstück in der Mitte des Ladens dar. Die Stände der anderen Uhrenmarken sind da herum angeordnet.

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