Sergio Ermotti wird Chairman von Investindustrial Acquisition, wie das Unternehmen mit Geschäftsadresse in London mitteilt. Ermotti wird seinen neuen Job am 1. Januar aufnehmen.

Investindustrial ist eine Mantelgesellschaft oder eine so genannte «Blank Check»-Firma, welche in diesem Jahr in den USA einen regelrechten Boom erleben. Solche Unternehmen bringen sich in einem ersten Schritt selber an die Börse und halten dann rund zwei Jahre Ausschau, um eine Firma zu übernehmen. Das durch den Börsengang eingenommene Geld wird in der Zwischenzeit bar gehalten und in Staatsanleihen angelegt. In den USA haben solche Firmen den Namen «Special Purpose Acquisition Companies» oder kurz SPAC erhalten.

Am SPAC-Modell sollen alle Beteiligten profitieren: An Börsengängen interessierte Firmen umgehen bei einer Übernahme durch ein SPAC Kosten und Vorschriften wie bei herkömmlichen IPO (Initial Public Offering). Investmentbanken können bei den SPAC-IPO höhere Gebühren kassieren.

Auch Investoren sollen auf ihre Rechnung kommen. Der Wert der Spacs bewege sich mit dem Zinsertrag nach oben, sagt Oliver Leipholz, CEO bei Deutsche Oppenheim Family Office, zum deutschen «Handelsblatt». «Die grössten Kursgewinne winken dann, wenn ein Kaufobjekt gefunden wurde. Findet man innerhalb von 24 Monaten kein Unternehmen, dann wird die Spac zurückgegeben und die Einzahlung inklusive Zinsen zurückbezahlt.»

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Zurück zu den Wurzeln als Investmentbanker

Ermottis Unternehmen Investindustrial Acquisition hat gegenüber der US-Börsenaufsicht am Dienstag Details zum IPO gegeben. Es will mit dem Börsengang 350 Millionen Dollar einnehmen, und das IPO soll an der New York Stock Exchange über die Bühne gehen. Übernahmeziele sind laut Börsenprospekt Firmen in den Bereichen Konsum, Gesundheit, Industrie und Technologie mit einem Unternehmenswert zwischen 1 und 5 Milliarden Dollar.

SPACS erleben in den USA in diesem Jahr einen regelrechten Boom. Ihr Anteil an den Börsengängen beträgt rund ein Drittel. Besonders ins Auge stach der rund 4 Milliarden Dollar schwere Börsengang von Hedgefonds-Milliardär Bill Ackman im Juli. Michael Klein, ein ehemaliger Top-Manager von Citigroup, soll bereits sein fünftes SPAC aufgegleist haben.

Sergio Ermotti, der seinen UBS-Chefposten am 1. November abgibt und 2021 Präsident von Swiss Re wird, kehrt mit seinem neuen Engagement quasi zurück zu seinen Wurzeln als Investmentbanker. Der lange Zeit im Aktienderivatehandel aktiv gewesene Tessiner war Mitte der Nullerjahre Investmentbankingchef der Unicredit.