Gegenstände ausleihen statt selber kaufen: Das ist der Grundgedanke der Sharing Economy. Eine Überlegung, die Sinn macht und zum Zeitgeist passt. Statt einen Hochdruckreiniger oder einen Bohrmaschine selber anzuschaffen und diese Produkte dann gefühlt 350 Tage unbenutzt zu lassen, verschafft man sich sinnvoller und kostengünstiger nur dann Zugang zu diesen Gegenständen, wenn man sie auch wirklich braucht.  

Seit sieben Jahren pflegt Sharely diesen Gedanken und dieses Geschäft. Jetzt macht die Schweizer Sharing-Plattform einen Schritt vorwärts. CEO Lucie Rein, die Sharely seit Frühling 2021 führt, kommt an Frischgeld und an prominente Investoren.  

Ausland kann zum Thema werden  

Zwar ist die aktuelle Finanzierungsrunde mit 660 000 Franken nicht galaktisch gross, sie zeigt aber auf, wie es für Sharely weitergehen kann. Und der nächste Schritt zeichne sich bereits ab, sagt Rein, die vor Sharely den Schweizer Ableger der Anti-Foodwaste-App Too Good To Go aufgebaut hatte: «Das Geld fliesst in die Plattform; per Ende Jahr wollen wir unsere Website komplett neu lancieren. Eine nächste, höhere Finanzierungsrunde  ist dann für Anfang 2022 geplant.»  

Sharely, sagt Rein, sei «definitiv ein skalierbares Modell. Wenn wir damit die Schweiz gut abgedeckt haben, kann auch das Ausland zum Thema werden.» Das Geschäftsmodell von Sharely beruht wie bei vielen Online-Plattformen auf einem Kommissions-Modell. Wenn sich Plattform-Teilnehmer gegenseitig Gegenstände ausleihen, bleiben 20 Prozent der bezahlten Mietsumme bei Sharely.  

Das läuft am besten auf Sharely  

Aktuell verfügt Sharely über 43 000 aktive Nutzerinnen und Nutzer; 6500 davon haben Miet-Objekte hochgeladen. Zwar gilt in der reinen Lehre der Sharing Economy die gemeine Bohrmaschine als jenes Produkt, das sinnbildlich für den Nutzen des Teilens steht. Bei Sharely aber laufen andere Gegenstände besser.  

Bestseller für die Miete, sagt Rein, seien hierzulande Autoanhänger, Hochdruckreiniger und Teppich-Reinigungsmaschinen.  

Ex-LeShop-Chef bei den Investoren  

Zu den neuen Investoren von Sharely gehören unter anderen Pascal Meyer, Chef des Online-Händlers Qoqa.ch, Matthias Kost, CEO von Radio Zürisee und Christian Martin, Managing Director Alps Region bei Google Cloud.

Zusätzlich konnte Rein einen Schweizer Online-Evangelisten der ersten Stunde gewinnen: Auch der langjährige LeShop-Chef und heutige Farmy.ch-Investor Dominique Locher gehört zu den Sharely-Geldgebern. «Die Pandemie hat der Kreislaufwirtschaft noch einmal einen Kick gegeben. Seither gilt noch stärker: Teilen ist das neue Konsumieren», sagt Locher. Ein weiterer Grund für sein Investment sei die Chefin von Sharely: «Lucie Rein hat schon bei Too Good to Go einen sehr guten Job gemacht. Und wird diese Arbeit als Vollblutunternehmerin bei Sharely fortführen.»  

Beim Teilen den Handel einbinden  

In der allgemeinen Wahrnehmung funktioniert die Sharing Economy als ein Peer-to-Peer-Modell. Privatpersonen leihen anderen Privatpersonen ihre privaten Gegenstände aus. Lucie Rein glaubt, dass hier noch viel mehr drin liegen könnte: Indem auch der Detailhandel in die Kreislaufwirtschaft eingebunden wird.  

Erste Erfolge konnte Sharely in der Schweiz bereits erzielen. Lucie Rein schaffte es, Marktriesen wie Migros Do It + Garden sowie Interdiscount auf die Plattform zu holen. Was mit Too Good To Go funktioniere, könne im Handel ebenso gut, wenn nicht besser funktionieren, sagt Rein:  «Im Handel gibt es mehr zu retten als beim Essen. Statt dass Händler ihre Ladenhüter mit null Marge abstossen, können sie sie vermieten.»  

In diesem Zusammenhang spricht die Sharely-Chefin lieber von «Access Economy» als von «Sharing Economy»: «Wir können den Handel dazu befähigen, statt Besitz, den Zugang zu Dingen zu verkaufen. Davon profitieren auch die Konsumenten, denn sie können so neue Produkte ausprobieren.»