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Sicherheit hat Priorität

Die Stückgutlogistik bildet mit einem Anteil von 43 Prozent am Gesamtmarkt den grössten Teilmarkt.

Wascosa Mit der Entwicklung neuer Systeme können die Sicherheit im Schienengüterverkehr und die Flexibilität des Wagenparks deutlich verbessert werden.

Von Kurt Bahnmüller
am 07.09.2011

Das Statement ist klar: «Der Schienengütertransport gehört unverändert zu den sichersten Verkehrsträgern. Das Sicherheitsniveau der Schiene liegt deutlich über demjenigen der Strasse», stellt Philipp Müller, Delegierter des Verwaltungsrates der Luzerner Wascosa, fest.

In der Tat zählt die Schiene für die unterschiedlichsten Güter, aber vor allem auch für Gefahrengüter, zu den sichersten Verkehrswegen. Die Liberalisierung der Eisenbahn hat im europäischen Schienenverkehr allerdings zu einer Verschiebung der Verantwortlichkeiten im Bereich der Sicherheit geführt.

Zuständigkeit ist neu geregelt

Die Unfälle in Zürich-Altstetten vor ­einigen Jahren oder in jüngerer Zeit die Unfälle in Viareggio und im deutschen Müllheim rückten die Frage nach der ­Sicherheit von Transporten auf der Schiene und nach deren Überwachung wieder ins Zentrum der Diskussion. Verantwortlich für die Sicherheit der Schienentransporte ist in erste Linie der Wagenhalter beziehungsweise der Vermieter von Güterwagen. Das ist das Kerngeschäft der Firma Wascosa. Aber auch die Eisenbahnverkehrsunternehmungen und ihre technischen Visiteure sind in die Verantwortlichkeit eingebunden.

Mit der Schaffung einer europäischen Richtlinie für Eisenbahnsicherheit ECM (Entity in Charge of Maintenance), welche auf den 1. Januar 2011 in Kraft trat, wird jedem Güterwagen eine für die Instandhaltung zuständige Stelle zugeordnet. ­Damit soll das Sicherheitsniveau im Schienengüterverkehr auch in Zukunft ­gewährleistet sein. Mit dem von Wascosa realisierten Safety Package, welches dem Wagenmieter als Option mit unterschiedlichem Umfang angeboten wird, kann der Wagenbetreiber den Sicherheitsstandard seiner Flotte deutlich erhöhen. Zu den einzelnen Komponenten gehören ein Entgleisungsdetektor, ein Crashpuffer, der bei einem Aufprall die Energie über die Puffer abbaut, sowie ein Aufkletterschutz, der das Aufsteigen eines Wagens bei einem Zusammenstoss verhindert. Diese drei ­Sicherheitselemente können für bestehendes Rollmaterial nachgerüstet oder bei neuem Rollmaterial direkt eingebaut werden. Für neues Rollmaterial stehen zusätzlich ein Überrollschutz, ein versenkter Einfülldom sowie eine optimierte Übergangsbühne an jedem Wagenende zur Verfügung.

Multifunktionalität im Vordergrund

Auf der Schiene werden heute die unterschiedlichsten Güter befördert, entsprechend ist auch die Vielfalt des dafür eingesetzten Wagenmaterials. Für diese verschiedenen Transporte muss ein entsprechender Park an Güterwagen vorgehalten werden. Aus Sicht der Wagenbetreiber wären also Güterwagen, die flexibel an geänderte Transportbedürfnisse angepasst werden können, ein Vorteil. Eine Idee, die schon seit Jahren im Raum steht, möchten doch die Güterbahnen die Komplexität ihres Wagenparks aus Kostengründen reduzieren.

Genau hier setzt die Firma Wascosa mit ihrem «flex freight system» an. Dieses ermöglicht eine flexible Anpassung der eingesetzten Wagen an saisonal sich verändernde Gütertransporte. Basiselement ist ein vollwertiger 60-Fuss-Containertragwagen, der jederzeit im unbegleiteten Verkehr eingesetzt werden kann. Zusätzlich verfügt der Wagen über spezielle Befestigungsmöglichkeiten für das Anbringen verschiedener Aufbauten für Holztransporte, für die Beförderung von Langgütern oder verschiedensten Schüttgütern. Der Basiswagen kann quasi im Baukastensystem für verschiedene Transporte eingesetzt werden, was die Kosten reduziert und auch die regelmässigen Revisions- und Unterhaltsarbeiten zeitlich besser verteilt.

Doppelstockwagen im Kommen

Ein wichtiger Punkt sind auch die besseren Nutzungsmöglichkeiten der im europäischen Schienennetz vorhandenen Lichtraumprofile. Immer mehr Strecken werden für den Einsatz von Doppelstockwagen umgerüstet. Die verbesserte Ausnutzung des vorhandenen Lichtraumprofils wird deshalb immer wichtiger für den Güterverkehr, weil das spezifische Gewicht vieler Transporte immer geringer wird, die Transportmenge jedoch steigt. Eine Studie geht davon aus, dass der Anteil von leichten Gütern wie Halb- und Fertigfabrikaten in Tonnenkilometer an der gesamten Güterstruktur von derzeit 35 Prozent bis zum Jahr 2025 auf über 50 Prozent ansteigen wird.

Das «flex freight system» trägt ausserdem dazu bei, die Umschlagszeiten an den Terminals zu verkürzen und damit Kosten einzusparen. Zudem kann das System, im Gegensatz zu ähnlichen Systemen, nicht nur im Schienentransport, sondern teilweise auch im Strassentransport eingesetzt werden.

 

Interview mit Philipp Müller, VR-Delegierter der Wascosa, Luzern

Welche Ziele verfolgt die Firma Wascosa mit dem Safety Package?

Philipp Müller:
Wir bieten mit dem eigenentwickelten Safety Package dem Kunden eine Auswahl an Sicherheitselementen an. Es bleibt ihm überlassen, welches Sicherheitsniveau er anstreben will. Viele Kunden sind bereit, für diese zusätzlichen Sicherheitselemente einen Mehrpreis zu bezahlen. Die Erfahrung zeigt, dass mit diesen Elementen, welche wir schrittweise in allen unseren Wagen einbauen werden, das Sicherheitsniveau im Bahntransport erhöht wird.

Ein weiteres Element sind die Kunststoffklotzbremsen, die anstelle von Bremsen mit Graugusssohlen verwendet werden.

Mit den neuen Bremsen, die sukzessive in alle Güterwagen eingebaut werden, kann das Geräuschniveau im Güterverkehr um 11 Dezibel reduziert werden. Was bei Strecken, die durch Wohngebiete führen, ein entscheidender Faktor ist. Allerdings ist der Einsatz dieser Kunststoffbremsen mit Mehrkosten verbunden.

Wie verhält es sich mit den Kosten? Werden diese vom Wagenbetreiber getragen?

Diese Mehrkosten können nicht vom Wagenbetreiber allein getragen werden, hier muss eine Finanzierungslösung beispielsweise über Betriebsbeiträge an die Wagenhalter erreicht werden. Beispielsweise indem Wagenbetreiber, die mit lärmarmen und damit umweltfreundlicheren Wagen unterwegs sind, einen Lärmbonus erhalten und die Eisenbahnen einen tieferen Trassenpreis zahlen.

Welche Erwartungen verbindet Wascosa mit dem neuen «flex freight system»?

Der Wagen ist vor allem für Bahnunternehmen geeignet, welche zyklische und unterschiedlichste Gütertransporte durchführen. Dieser flexible Wagen ist ­allerdings teurer in der Miete als ein klassischer Wagen. Mit diesem Wagen kann das zur Verfügung stehende Lichtraumprofil auf den europäischen Bahnstrecken besser genutzt werden. Das «flex freight system» eröffnet neue logistische Möglichkeiten, bei welchen im kompletten Paket verladen werden kann.

Wie viele Wagen vermietet die Firma ­Wascosa derzeit und wie wird sich diese Anzahl in Zukunft verändern?

Wir sind der fünftgrösste Wagenvermieter in Europa und bewirtschaften derzeit rund 5000 Güterwagen. Wir gehen davon aus, dass das Flottenmanagement ganzer Wagenparks in naher Zukunft an Bedeutung zunimmt, was sich auf die Zahl der vermieteten Wagen auswirkt.

 

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