Wer in der Schweiz eine freie 5-Zimmer-Wohnung findet, kann sich glücklich schätzen. Denn solche Wohnungen sind gefragt: Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Das zeigt eine Auswertung von Suchabonnementen auf mehreren Immobilienportalen, die das Beratungsunternehmen Wüest Partner im Mai 2020 durchgeführt hat.

Rund 18'000 Abonnentinnen interessierten sich dabei für solche 5-Zimmer-Familienwohnungen. Zur Miete ausgeschrieben waren aber nur etwa ein Drittel so viele: Knapp 6700.

Ein Missverhältnis besteht auch bei kleinen Wohnungen mit 2,5 Zimmern oder weniger. 41'000 Abonnenten suchen nach solchen Objekten. Das Angebot betrug aber weniger als 24'000.

3-Zimmer-Wohnungen gibt's wie Sand am Meer

Mehr im Gleichwicht ist der Markt für 3- bis 3,5-Zimmer-Wohnungen, hier hielten sich Angebot und Nachfrage in etwa die Waage: Die Autoren zählten je rund 35'000 Abos und Inserate. Einigermassen ausgeglichen präsentiert sich auch die Situation bei 4- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen: Rund 34'600 Abos standen einem Angebot von gut 25'000 Objekten gegenüber.

Natürlich entsprechen diese Suchabonnementen nicht der tatsächlichen Nachfrage. Viele suchen nur aus Neugierde, manche geben aus anderen Gründen einen Suchauftrag auf. Dennoch lässt die Auswertung Rückschlüsse zu, welche Wohnungen heute besonders gefragt sind.

Aufschlussreich ist auch der Blick auf die Preisvorstellungen. Bei den kleinen Wohnungen sind günstige Objekte im Bereich von 1000 bis 1500 Franken übermässig gefragt. Bei den mittelgrossen Apartements wiederum ist in den mittleren Preissegmenten das Interesse am grössten. Und bei den grossen Objekten mit 5 Zimmern oder mehr suchen die meisten Interessenten nach teuren Bleiben mit einer Monatsmiete von über 2000 Franken oder sogar über 3000 Franken.

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In den Städen sind Familienwohnungen rar

Dass vor allem teure Familienwohnungen gesucht werden, lässt darauf schliessen, dass sich viele Interessenten in den Städten umschauen: Dort sind die Mieten höher und grosse Wohnungen auf dem freien Markt rar. In Zürich beispielsweise haben vor allem Genossenschaften solche Angebote. Ausserhalb der Städte (und Tourismuszentren) sind Immobilien grundsätzlich weniger teuer. Grosse Wohnungen sind auch weniger knapp.

Das starke Interesse an kleinen Wohnungen auf der Gegenseite erklärt Wüest Partner mit einer gesellschaftlichen Entwicklung. Immer mehr Menschen leben alleine, die Zahl der Singlehaushalte steigt. Und Einzelpersonen mit durchschnittlichem Budget suchen vermutlich nach kleinen Wohnungen.

Mikroapartement sind im Trend

In einem freien Markt sollte die Nachfrage langfristig das Angebot steuern – das lehren uns die Wirtschaftswissenschaften. Der Wohnungsmarkt ist allerdings nicht völlig frei, sondern streng reglementiert. Das zeigt nur schon ein Blick auf den Umfang des Mietrechts. Das Zusammenspiel zwischen Offerte und Bedarf funktioniert nicht optimal. Zehntausende Wohnungen leer stehen, weil Investoren zu viele Mehrfamilienhäuser an wenig beliebten Orten bauen.

Der Markt ist zwar träge, doch Bauunternehmen reagieren durchaus auf den Trend zu mehr Singlehaushalten. Besonders sogenannte Mikroapartements werden häufiger gebaut.

Bei grossen Wohnungen dürfte das Angebot nicht so rasch steigen. Denn grosse Objekte lassen sich schwerer vermieten, und für Investoren ist es wegen des teuren Bodens lukrativer, kleine Wohnungen zu planen. Wer bei der Suche nach einer Familienwohnung auf bessere Zeiten hofft, wird vermutlich enttäuscht.