Die Pandemie hat das Wachstum der Technologiebranche befeuert: Im Homeoffice sind Mäuse, Kopfhörer und weiteres Computerzubehör gefragt. Nachdem Logitech bereits in den letzten Jahren stark zulegen konnte, gab diese Entwicklung noch einmal kräftig Schub und beförderte Logitech flugs in den SMI.

Dagegen liessen die verordneten Reisebeschränkungen, Shop-Schliessungen und Unterbrüche in der Produktion den Umsatz von Swatch 2020 um knapp einen Drittel einbrechen, die Inhabertitel verloren 11 Prozent an Wert. Nun muss sich der Uhrenhersteller nach 23 Jahren aus dem Leitindex verabschieden, trotz zwischenzeitlicher Erholung.

Der Bieler Konzern gibt sich unbeeindruckt: "We could not care less", kommentierte Swatch im April gegenüber der Finanzzeitung "Finanz und Wirtschaft" die Möglichkeit des Rausfalls. Swatch-Chef Nick Hayek führte später in einem Interview mit der FuW weiter aus: "Für uns ändert sich nichts." Da Swatch einer der grössten industriellen Arbeitgeber der Schweiz sei, sei es eher ein Verlust für den SMI.

SMI im Wandel der Zeit

Änderungen im Swiss Market Index (SMI) sind nichts Neues. Nur 9 der 20 Firmen, die aktuell im Index vertreten sind, waren bei der Gründung vor 33 Jahren schon dabei. Jeweils zur Jahresmitte bestimmt die Börsenbetreiberin SIX anhand der Marktkapitalisierung und dem jährlichen Handelsvolumen die Top 20 und gibt die Änderungen bekannt, die im September in Kraft treten. So bildet der SMI die wirtschaftliche Landschaft und ihre Entwicklungen ab.

Um zu häufige Wechsel zu vermeiden, gibt die SIX einen Toleranzbereich vor. Mit Rang 24 liegt Swatch neu ausserhalb dieses Bereichs und muss deswegen Logitech weichen, das auf Platz 16 geführt wird.

Von Abstürzen und Comebacks

Ein Ausschluss aus dem SMI muss indes nicht für immer sein: So war der Versicherer Swiss Life 2010 vom Ölunternehmen Transocean nach dessen Listing verdrängt worden. Doch nur wenige Stunden nach dem Schweizer Börsengang sorgte eine Explosion auf dem Bohrschiff Deepwater Horizon im Golf von Mexiko für Schockwellen und leitete den beispiellosen Abstieg von Transocean ein.

Einen schlimmeren Absturz erlebte wohl nur die Swissair: Seit der Gründung im SMI dabei, endete die Zugehörigkeit der Airline mit ihrem Grounding. Transocean wiederum zog sich schliesslich sechs Jahre nach dem Börsengang stark geschrumpft von der Schweizer Börse zurück - und Swiss Life erhielt ihren Platz zurück.

Mangelnde IT-Vertretung

Die Index-Zugehörigkeit verspricht nicht nur Prestige und verstärkte Beachtung bei den Investoren, sondern kurbelt auch effektiv den Kurs an. Vor allem der SMI wird weithin als Vergleichsmarke für Anlagen herangezogen. Fonds, die einen Index nachahmen, müssen die vertretenen Titel normalerweise nachkaufen. Und viele institutionelle Anleger dürfen nur in Papiere investieren, die in bestimmten Indizes vertreten sind.

Gegen einen Abstieg aus dem SMI angekämpft hatte vor Jahren der Verschlüsselungsspezialist Kudelski. Dies wäre "kein gutes Signal für die Schweizer Informationstechnologie", liess Firmeninhaber André Kudelski damals verlauten. Kudelski sei nämlich das einzige IT-Unternehmen in dem Index. Die Vertretung der Informationstechnologie im SMI habe auch verschiedene Branchenunternehmen motiviert, sich in der Schweiz kotieren zu lassen.

2005 verteilte die Kudelski-Besitzerfamilie sogar noch ihr Aktienpaket um, um den Streubesitz zu erhöhen, auf dem die von der SIX berechnete Marktkapitalisierung beruht. Doch es half nicht - ein Jahr später flog das Westschweizer Technologieunternehmen aus dem SMI. Seither rückten auch keine neuen IT-Unternehmen mehr nach - bis jetzt. Mit Logitech steigt zwar kein Softwareunternehmen, aber immerhin ein Tech-Vertreter in den Aktienolymp auf.

Banken machen Pharma Platz

Platzhirsch an der Schweizer Börse ist und bleibt indes ganz klar die Pharmaindustrie. Mit Novartis und Roche stammen zwei der drei Index-Schwergewichte aus dieser Branche. Gemeinsam mit dem Nahrungsmittelriesen Nestlé machen sie an der Schweizer Börse einen Anteil von über 40 Prozent aus.

Die Banken - die traditionell ein wichtiger Bestandteil des SMI waren - haben indes seit der Finanzkrise stark an Boden verloren. So machte vor zwei Jahren die Privatbank Julius Bär Alcon Platz, dem von Novartis abgespaltenen Augenheilkonzern.