Nun wird es wohl doch nichts mit dem Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union am 31. Oktober. Denn das britische Parlament hat dem Brexit-Deal noch nicht zugestimmt und die EU-Staaten haben gerade eine Verlängerung bis Ende Januar 2020 angeboten. 

Einige dürften erstmal aufatmen. Doch sollte es vorher gelingen, das Austrittsabkommen zu ratifizieren, wäre ein EU-Austritt auch schon vor Fristende möglich. 

Der Druck auf die in London ansässigen Banken, die ihr EU-Geschäft nach dem Brexit nicht mehr aus der britischen Hauptstadt abwickeln können, ist daher keinesfalls gebannt. 

Allerdings haben die Banken bisher vor allem die regulatorischen Anforderungen erfüllt, um ihre Banklizenz zu sichern. Bei den Stellenverlagerungen aus London in andere Finanzzentren innerhalb der EU habe sich bisher wenig getan, wie die Karriereplattform für Finanzjobs «efinancialcareers» berichtet.

So weit sind ausgewählte Banken in ihren Brexit-Vorbereitungen:

UBS

Die Schweizer Grossbank hat bis zu 200 Jobs aus London verlagert – die meisten nach Frankfurt, dem «Hub» innerhalb der Eurozone. Dazu mussten laut «efinancialcareers» vor allem Mitarbeiter im Middle und Back Office umziehen. Die Front-Office-Stellen hingegen sollen über verschiedene EU-Standorte wie Mailand und Paris verteilt werden, seien aber noch nicht alle ausgefüllt. 

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Damit sei die UBS nun «parat» für den Brexit, die Vorbereitung seien so weit wie möglich abgeschlossen, sagt eine UBS-Sprecherin auf Anfrage.

Credit Suisse

Von der Credit Suisse selbst ist bisher wenig über die Brexitpläne bekannt. Medienberichten zufolge will die Grossbank bis zu 250 Stellen aus der City nach Kontinentaleuropa verlagern. Die Bank selbst bestätigt, sie arbeite daran, den Zugang zu Kunden und Märkten in der EU zu gewährleisten. Dazu weitet sie ihre bestehenden Standorte wie Madrid, Frankfurt und Luxemburg aus. Mit den Aufsichtsbehörden in Grossbritannien sei sie zudem im Gespräch, denn London bleibe für die Credit Suisse auch nach dem Brexit wichtig.

Goldman Sachs

Die US-Grossbank ist offensichtlich besonders gut auf den Brexit vorbereitet. In Frankfurt wurde eigens eine neue Konzerngesellschaft gegründet, welche in Zukunft das Sales und Trading auf dem europäischen Kontinent übernimmt. Die vorherige deutsche Banklizenz wurde übertragen, und bisherige und neue Mitarbeiter – insgesamt 300 – sind ins Frankfurter Bankenviertel umgezogen.

In den neuen Büroräumen gibt es nach Angaben der Bank noch «Platz für die doppelte Anzahl von Mitarbeitern». Zur Vorbereitung auf den Brexit seien vor allem Mitarbeiter in den Bereichen Legal, Compliance, Risikomanagement und Operations eingestellt worden. Auch Banker aus London mit deutscher Kundschaft seien in die deutsche Bankenstadt umgezogen.

JP Morgan

Die US-Grossbank hatte vor einem Jahr angekündigt, einige hundert Jobs von London in die Eurozone zu verlagern. Statt nach Frankfurt, wo JP Morgan wie die meisten US-Banken bereits eine Banklizenz hat, will die Bank rund 200 Jobs nach Paris auslagern. 

Morgan Stanley

Die amerikanische Investmentbank wird ihre Mitarbeiter in Frankfurt im Zuge des Brexits auf 400 verdoppeln; dort verfügt sie auch über eine Banklizenz. Vor allem solle aus der Mainmetropole das Sales und Trading für die Eurozone erfolgen. Personal für das Middle und Back Office wurde auch bereits eingestellt.

Standard Chartered

Die britische Grossbank hat in Frankfurt eine neue Tochtergesellschaft gegründet und eine deutsche Banklizenz erhalten. Geplant sind 260 Mitarbeiter in der Eurozone, 230 seien nach eigenen Angaben schon eingestellt. Allein in Frankfurt hat die Bank ihre Mitarbeiterzahl auf 200 verdoppelt. Damit ist Standard Chartered eine der wenigen Banken, die ihre Brexit-Vorbereitungen bereits abgeschlossen haben.

Auch die japanischen Finanzdienstleister Daiwa, Nomura, Mizuho und Sumitomo haben sich für Frankfurt als ihren neuen EU-Sitz entschieden, haben mittlerweile eine deutsche Banklizenz und verlagern einige Jobs aus London.

(mlo)