VERSICHERUNGEN. Jede zweite Ehe in der Schweiz endet mit einer Scheidung. Im vergangenen Jahr wurden 21000 Scheidungen ausgesprochen, Tendenz steigend. Dieser Trend ist den Versicherern nicht entgangen, doch bisher hatte sich noch keine an das heikle Thema herangewagt, wie Raffael Maiani, Geschäftsleitungmitglied von Cardif Versicherungen Schweiz, sagt. Cardif, eine auf Restschuldversicherungen spezialisierte Tochter der französischen Bankengruppe BNP Paribas, will gemäss Recherchen der «Handelszeitung» nun als erste in der Schweiz eine Versicherung anbieten, die finanzielle Risiken von Scheidungen absichert. «Wir werden nächstes Jahr eine Scheidungsversicherung einführen», bestätigt Maiani. Das Produkt befinde sich noch in Vorbereitung. Details wie Prämien würden nächstes Jahr veröffentlicht. Fest stehe, dass es sich nicht um eine Rechtsschutzversicherung handle, also Prozesskosten nicht übernommen würden. Zudem biete Cardif die Scheidungsversicherung den Kunden nicht direkt an, sondern über Finanzinstitute.

Was die Versicherten erwarten können, lässt sich aus der Scheidungsversicherung, die Cardif Deutschland bereits anbietet, ableiten, obwohl Maiani betont, sein Angebot sei speziell auf den Schweizer Markt ausgerichtet. Laut Tatjana Tschacher, Cardif-Deutschland-Sprecherin, wird das Produkt in der BRD nicht als Standalone-Versicherung angeboten, sondern zusammen mit Kredit-, Hypothekar-, Zahlungsversicherungen oder Sparplänen. Ziel sei es, im Falle einer Scheidung, wenn erhöhter Kapitalbedarf bestehe oder Einkommenseinbussen entstünden, die Lücken abzufedern, etwa durch die Übernahme von Raten oder in Form von Einmalzahlungen. Zu den Prämieneinnahmen, Anzahl Versicherungsabschlüssen und ausgezahlten Leistungen wollte Tschacher keine Auskunft geben. Stattdessen sagt sie: «Wenn Sie die Zunahme der Scheidungen in Betracht ziehen, können Sie sich in etwa vorstellen, wie hoch die Nachfrage ist.»Weil die Scheidungsraten hoch sind, stieg die Zürich Versicherung bisher nicht in dieses Geschäft ein. Auch Konkurrentin Swiss Life kennt keine Scheidungsversicherung. Zürich-Sprecherin Sarah Soland begründet: «Wir bieten keine Scheidungsversicherung an, weil es zu viele Scheidungen gibt und die Kosten zu hoch wären, respektive die Versicherungsprämien zu hoch sein müssten.» Hinzu komme die Missbrauchsgefahr. Die Baloise-Versicherung plant aus ähnlichen Gründen keine Scheidungsversicherung. Sprecher Dominik Marbet: «Angesichts der hohen Scheidungsraten und damit einer hohen Schadenwahrscheinlichkeit müssten bei einer solchen Versicherung aus versicherungsmathematischen Überlegungen entweder die Leistung sehr tief oder die Prämien sehr hoch sein.»Bei der Basler Österreich sind allerdings in der Rechtsschutzversicherung Kosten für eine Mediation gedeckt, die Scheidungen verhindern soll. Gedeckt werden auch etwaige Streitigkeiten (wie über Unterhaltszahlungen), welche ab dem ersten Jahr nach Scheidung auftreten und bei der Scheidung nicht absehbar waren.

In Deutschland ein Geschäft

Dass man mit Scheidungsversicherungen sehr wohl ein Geschäft machen kann, beweist die Düsseldorfer Arag Allgemeine Rechtsschutz-Versicherungs-AG. Die vor sechs Jahren eingeführte Scheidungsversicherung, die im Jahr 123.10 Euro kostet, übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten, die bei Scheidungsverfahren entstehen, wobei es 500 Euro Selbstbeteiligung gibt. Sie richtet sich an verheiratete Paare (auch gleichgeschlechtliche). Arag-Sprecher Klaus Heiermann betont, dass das kein Massengeschäft sei. Doch immerhin habe Arag bisher einige tausend Versicherungen verkauft. Pro Jahr habe es durchschnittlich 100 Leistungsfälle gegeben.

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