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Liaison
So nahe sind sich Spuhler und Diktator Lukaschenko

Der Megadeal zwischen dem letzten Diktator Europas und Stadler Rail erhitzt die Gemüter. Der Schweizer Firmenchef Peter Spuhler wiegelt ab. Doch er und Lukaschenko verstehen sich schon länger bestens.

Von Mathias Ohanian
am 04.12.2014

Der Deal mit dem letzten Diktator Europas schlägt hohe Wellen. Stadler Rail hat das gesamte Trolleybusgeschäft des weissrussischen Staatsbetriebs Belkommunmash (BKM) übernommen, berichtet die «Handelszeitung» in ihrer heutigen Ausgabe. Für den Schweizer Zugbauer ist das Werk in Minsk eine der grösseren Investitionen der letzten Jahren. Es winkt ein Umsatzpotenzial von bis zu 100 Millionen Franken. «Wir kommen zu diesem Geschäft wie die Jungfrau zum Kind», sagt Peter Spuhler.

Vielerorts ist die Empörung über die Geschäfte von Stadler Rail mit Lukaschenko jedoch gross. Denn der Staatspräsident gilt als letzter Diktator Europas, regiert sein Land seit inzwischen zwei Jahrzehnten mit repressiven Mitteln. Die Zeitschrift «The Economist» kategorisiert Lukaschenkos Weissrussland als autoritäres Regime. Freie Wahlen gibt es nicht, politische Teilhabe und Kultur sind unterentwickelt, Bürgerrechte werden mit Füssen getreten.

«Eher Belarusse denn Schweizer Staatsbürger»

Gemäss dem renommierten britischen Finanzblatt liegt Weissrussland in Sachen Demokratie weltweit lediglich auf dem 141. Rang (von 167 untersuchten Ländern), nur knapp vor der Volksrepublik China. Entsprechend rechtfertigte sich Stadler-Rail-Chef Spuhler für den Deal: «Wir liefern die Züge ja nicht für den Präsidenten, sondern fürs Volk, das damit zur täglichen Arbeit fährt», sagte er dem «SRF».

Unbestritten jedoch ist, dass der weissrussische Diktator und der Schweizer Unternehmer sehr gut miteinander können. «Jeder wird mir zustimmen, wenn ich sage, dass es heute in Europa und in anderen Staaten wenig Menschen gibt, die wie Peter Spuhler an ihren Versprechen festhalten», sagte Lukaschenko bereits im November über den Schweizer. Und mehr noch: Man erweise Spuhler die volle Unterstützung. «In den letzten Jahren fühlt er sich wohl eher als Belarusse denn als Schweizer Staatsbürger», wurde der Staatspräsident von der nationalen Nachrichtenagentur «Belta» zitiert.

«Was kann man zu so einem Mann sagen?»

Selbst in seiner Rede zur Lage der Nation lobte Lukaschenko Spuhler schon im vergangenen Jahr ausführlich. «Was kann man zu so einem Mann sagen, der nicht nur viel verspricht, sondern bereits begonnen hat, diese Versprechen einzulösen?», fragte der weissrussische Präsident im April 2013 seine «lieben Mitbürger, geschätzten Abgeordneten und Mitglieder des Republikrates» rhetorisch.

Zuvor hatte Lukaschenko Spuhler zugesichert, den Bau eines Fertigungswerkes «persönlich« überwachen zu wollen. Auch wenn Spuhler diese Umarmung nicht gleichermassen erwidert: Der nun geschlossene Deal zeigt, dass sich Lukaschenko und Spuhler nach wie vor bestens verstehen.

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