Seit Monaten verzücken Schweizer Firmen die Investoren und Analysten mit Ergebnissen, die weit über allen Erwartungen liegen, und bereits schrauben die Konjunkturforscher ihre Prognosen in die Höhe. Doch damit begeben sie sich auf dünnes Eis: «Knapp ein Jahr nach einem solchen Absturz kann die laufende Aufwärtskorrektur nicht als Anfang eines Aufschwungs wie in gewöhnlichen Zyklen interpretiert werden», erklärt Martin Neff, Chefökonom der Credit Suisse. «Gerade die heutigen Bullen sind vor zwei Jahren noch die schlimmsten Bären gewesen. Insgesamt ist das kein gutes Zeugnis für die Zunft der Prognostiker», so Neff weiter.

Auch UBS-Ökonom Markus Irngartinger bremst aufkeimende Euphorie: «Das Wachstum der 1. Jahreshälfte in der Schweiz kann nicht einfach auf das Gesamtjahr hochgerechnet werden.» Ein Grund sei die Schwäche, die derzeit von den USA ausgehe. Am Arbeits- und Häusermarkt der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt sieht es düster aus. «Der Ausblick für die amerikanische Wirtschaft ist ausserordentlich unsicher», hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke Ende Juli vor dem Senat gesagt.

Wenig Anlass zum Jubeln gibt es noch aus einem anderen Grund: «In vielen Bereichen der Wirtschaft arbeitet man noch bis zu 20% unter Normallast», meint CS-Chefökonom Neff. Firmen wie ABB, Holcim, Rieter, Clariant oder die UBS haben bei Weitem noch nicht die Auslastung erreicht, die sie vor der Krise verzeichneten.

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