Grosse Boni sind bei der breiten Öffentlichkeit seit der Finanzkrise in Verruf. In der  Finanzbranche, in und um die Bahnhofstrasse in Zürich, gehören sie aber weiterhin zur Kultur. Besonders im Private Banking und im Asset Management sprudeln die Zulagen, wie eine neue Auswertung der Personalvermittlerin Page Group zeigt. Sie gibt Einblick in die Verdienstmöglichkeiten in der Branche bis Ende des ersten Quartals, unter Ausklammerung der Spitzenlöhne bei den beiden Grossbanken. Das Finanzportal Finews hat zuerst darüber berichtet.

Ein Leiter (Head) im Private Banking erhält beispielsweise ein Fixsalär von bis zu einer halbe Million Franken – im Schnitt beträgt der Verdienst 340'000 Franken. Zusätzlich winkt ein Bonus von weiteren 70 Prozent des Betrags.

Ähnlich generös ist der Verdienst eines Chief Investment Officer im Asset Management – hier fliessen bis zu 450'000 Franken als Grundlohn sowie weitere maximal 60 Prozent als Bonus. Ein Management Director im Fusionsgeschäft (M&A) im Investment Banking wiederum erhält bis zu 350'000 Franken fix, die Zulage kann 90 Prozent des Basissalärs erreichen.

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Im höheren Management ist die eigentliche Kompensation häufig sogar höher als Lohn und Bonus zusammen: Das Spitzenkader kommt in den Genuss sogenannter Long Term Incentive Plans, bei denen zu einem späteren Zeitpunkt Dividenden, Aktien und Pensionkasssen-Guthaben ausgeschüttet werden, wenn bestimmte Ziele erreicht wurden.

Im Backoffice sind Boni weniger verbreitet

Die grössten Boni liessen im Asset Management, im Investment Banking und Private Banking – also in jenen Segmenten, in denen die Banker direkt Kontakt mit Kunden pflegen und neue Gelder hereinholen.

Weniger üppig fliessen leistungsabhängige Zustüpfe im Firmenkundengeschäft und im Retail Banking sowie in den nachgelagerten Funktionen aller Institute. Chefjuristinnen beispielsweise haben ein Bonus von maximal 30 Prozent in Aussicht, Steuerexperten in Leitungsfunktion dürfen einen Zustupf von bis zu 20 Prozent erwarten. Für Buchhalterinnen ist ein Bonus von fünf Prozent üblich.

Trotz der immer noch guten Verdienstmöglichkeiten: In der Finanzbranche sind Löhne und Stellen durchaus unter Druck. «Klassische Bankerfunktionen und gewisse Positionen im Back Office sind heute gefährdet. Es entstehen dafür neue Stellenprofile für Mitarbeiter, die Finanzmarktwissen mit Technologiewissen kombinieren», sagt Stephan Surber, Leiter der Finanz-Kadersuche bei Page Executive.

Stark gefragt seien auch Spezialisten für Private Markets im Asset Management. «Um solche Leute läuft in der Branche ein Wettbewerb», sagt Surber.

(mbü)