Spar hat zum ersten Mal mehr als eine Milliarde Franken Umsatz erzielt. Ist dies eine Folge der Flächenexpansion?

Stefan Leuthold: Ja. Wir haben letztes Jahr sechs neue Spar-Filialen eröffnet und zwei TopCC Abholmärkte. Ohne diese Neueröffnungen hätte ein Wachstum gar nicht drin gelegen. Denn die Preise auf dem Lebensmittelsortiment sind mit fast 5 Prozent sehr stark gesunken. Einen solchen Preisrückgang habe ich meiner über 20-jährigen Karriere noch nie gesehen. Für den Detailhandel ist eine Deflation das Schlimmste.

Der Detailhandel ist letztes Jahr insgesamt schrumpft. Wem haben Sie Marktanteile abgenommen?

Den grossen Shopping-Centern auf der grünen Wiese. Die Konsumenten wollen schnell einkaufen können. Läden in der Agglomeration und in Städten wie wir sie mit Spar haben erfahren in ganz Europa einen Aufschwung.

Das heisst: Spar hat auf Kosten von Migros und Coop gewonnen?

Andere gibt es ja kaum.

Welche Detailhändler werden denn dieses Jahr am meisten Federn lassen müssen?

Grosse Läden und Shopping-Center in Grenzregionen werden sicher am meisten leiden.

Wie lauten Ihre Aussichten für Spar in diesem Jahr?

Ich bin zuversichtlich und erwarte, dass Spar weiter an Umsatz gewinnt. Der Euro hat sich stabilisiert und die Preise werden nicht mehr so stark sinken wie letztes Jahr.

Und Spar wird weiter expandieren.

Wir wollen in der Deutschschweiz acht bis zwölf neue Spar-Märkte eröffnen und einen neuen TopCC Abholmarkt. Zudem planen wir drei neue Convenience-Märkte an Bahnhöfen und in der Innenstadt.

Keine Tankstellen-Shops? ihre zwei Convenience-Pilot-Filialen befinden sich an Tankstellen.

Tankstellenshops sind derzeit nicht geplant. Wir sind aber mit mehreren Tankstellen-Betreiber in Gesprächen über Kooperationen und wollen die möglichst bald abschliessen.

Obwohl die Preise nicht mehr so stark sinken, kündigt Spar eine aggressive Preisstrategie an. Um wie viel werden Sie die Preise senken?

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Preisreduktionen in hohem Ausmass sind schwierig. Der Kampf mit den Markenartikelhersteller um tiefere Einkaufspreise ist noch lange nicht ausgefochten. Diese wehren sich mit jedem Mittel gegen Preisnachlässe und üben Druck auf die Politik auf. Überhöhte Einstandspreise in der Schweiz sind nach wie vor ein Fakt.

Mit Parallel-Importen, Cassis de Dijon und dem internationalen Spar-Netzwerk, über das Sie einkaufen können, sollte es für Sie doch ein Leichtes sein, die Markenartikelhersteller zu umgehen?

Überhaupt nicht. Die Politik legt uns riesige Knüppel zwischen die Beine. Die Parallelimporte und Cassis de Dijon funktionieren nicht richtig und bringen dem Lebensmitteldetailhandel wenig. Nehmen Sie das Beispiel Red Bull. Das können wir wegen den geltenden Deklarationsvorschriften in der Schweiz nach wie vor nicht direkt in Europa einkaufen. Unser entsprechender Antrag wurde abgelehnt, mit der Folge, dass wir in der Schweiz 30 bis 40 Prozent mehr bezahlen als in Deutschland.

Sie betonen gerne, dass Sie das letzte Familienunternehmen im Schweizer Detailhandel sind. Ist Ihre Nachfolge geregelt?

Ich bin noch relativ jung (52) und denke noch nicht an den Ruhestand, aber es freut mich sehr, dass mein Sohn bereits im Unternehmen arbeitet. Wir wollen trotz des schwierigen Marktumfeldes unabhängig bleiben und dank der international starken Marke Spar haben wir gute Chancen dazu.