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Prozess
Sonja Kohn: Freispruch im Madoff-Betrug

Sonja Kohn: Von Bernard Madoff hinters Licht geführt. (Bild: Bloomberg)

Investmentbankerin Sonja Kohn wurde vom Verdacht der Komplizenschaft mit Megabetrüger Bernard Madoff in allen Punkten freigesprochen. Jetzt äussert sie sich erstmals zu der schwierigen Zeit.

Von Daniel Ammann
am 06.11.2013

Die Wahlschweizerin Sonja Kohn wurde vom britischen Handelsgericht freigesprochen: Das Gericht verneinte, dass die bekannte Geschäftsfrau Komplizin des Jahrhundertbetrügers Bernard Madoff gewesen sei. In der Handelszeitung äussert sich Kohn zum ersten Mal zu diesem spektakulären Urteil. «Die Gerechtigkeit hat gesiegt», sagt Kohn nach dem Freispruch. Die Investmentbankerin, die heute in Zürich lebt, galt als bedeutendste Geschäftspartnerin von Madoff in Europa. Sie führte zwanzig Jahre lang institutionelle Anlager bei Madoff ein. Im Prozess wurde sie von jeder Schuld freigesprochen.

Kohns Vermögen wurde vor dem Prozess weltweit eingefroren. Das Geld wurde sichergestellt für den Fall, dass sie den Prozess in London verlieren würde. «Diese finanzielle Bedrohung», sagt Kohn, «war in der ganzen Zeit das Schlimmste». Es sei bitter gewesen, zu erleben, wie ein Kläger völlig falsche und ungerechte Vorwürfe in die Welt setzen könne – «und wie die Medien diese Vorwürfe weiterverbreiten, als wären sie die Wahrheit und nicht einfach die Behauptungen einer Partei.»

Statt Betrügerin Betrogene

Gemäss Gericht ist auch Kohn von Madoff betrogen worden. Ihre Familie verlor gegen 12 Millionen Dollar. Neben Kohn erlitten viele Schweizer Investoren und Privatbanken Millionenverluste. Die Folge waren diverse Gerichtsverfahren. Die Richter in London kritisierte den klagenden Madoff-Konkursverwalter Irving Picard scharf. Sie sprachen von «unhaltbaren Vorwürfen» und einer «öffentlichen Erniedrigung».

Bernard Madoff ging als «erster globaler Betrugsfall» in die Geschichte ein: Er betrog weltweit 4’800 wohlhabende Kunden um gegen 20 Milliarden Dollar. 2008 flog er auf, 2009 wurde er zu einer Gefängnisstrafe von 150 Jahren verurteilt. Der New Yorker Vermögensverwalter betrieb zwanzig Jahre lang ein Schneeball-System: Das Geld der Investoren legte er nicht an, sondern zweigte es für sich ab.

Konkursverwalter sackte bisher 823 Millonen ein

Konkursverwalter Picard ist damit beauftragt, allfällige Vermögenswerte für die Geschädigten zu finden. Er hat bislang 9.5 Milliarden Dollar sichergestellt. Seine Kanzlei ist Profiteur der Affäre: Sie verdiente am Madoff-Fall bisher 823.6 Millionen Dollar an Anwaltsgebühren. Bei seiner Suche nach Madoff-Millionen klagte er in London gegen Sonja Kohn – und scheiterte kläglich. Bar.

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