1. Home
  2. Unternehmen
  3. Streit um Calida – Eigner erwogen Verkauf

Uneins
Streit um Calida – Eigner erwogen Verkauf

Unterwäsche und Schlafanzüge von Calida: Wer regiert künftig den Konzern? Calida

Die Eigentümerfamilie Kellenberger hat doch einen Verkauf von Calida erwogen. Der Plan sei dann erstmal ad acta gelegt worden. Beobachter fürchten einen zweiten Sika-Fall, doch das ist nicht möglich.

Veröffentlicht am 11.01.2016

Die Besitzverhältnisse beim Bekleidungskonzern Calida sorgen weiterhin für Schlagzeilen. Die Familie Kellenberger, die einen Anteil von 34,7 Prozent an Calida hält, habe im vergangenen Jahr den Verkauf ihrer Beteiligung geprüft, heisst es in einem Artikel der «Sonntagszeitung». Der Verkaufsplan sei dann aber vorerst ad acta gelegt worden.

Laut dem Artikel hat die Familie Kellenberger den Verwaltungsrat im Frühjahr 2015 über ihre Verkaufsabsichten informiert. Bei der Diskussion im Gremium habe dann die zweitgrösste Aktionärsgruppe um VR Christian Haas (Micalux), die 16,4 Prozent an Calida hält, ihrerseits die Absicht bekundet, ihren Anteil verkaufen zu wollen. Die Familie Kellenberger habe daraufhin die Verkaufsbemühungen abgebrochen, worauf Haas aus dem Verwaltungsrat zurückgetreten sei.

Gespräche mit einer Grossbank

Eine Unternehmenssprecherin von Calida bestätigte gegenüber der Zeitung, dass es im vergangenen Jahr Gespräche zwischen der Familie Kellenberger und einer Grossbank über einen Verkauf der Aktien gegeben habe. Ein konkreter Verkaufsauftrag sei dabei nicht erteilt worden. Eine Anfrage von AWP diesbezüglich blieb bis dato unbeantwortet.

Im Artikel in der Sonntagspresse wurde auch Erich Kellenberger, der als Vertreter der Familie im Verwaltungsrat sitzt, zitiert, und zwar mit folgenden Worten: «Wir wollen Ankeraktionär bleiben», ohne allerdings die Vorkommnisse näher zu kommentieren.

Rücktritt von CEO Sulzberger

Die Unstimmigkeiten wurden Anfang Dezember bekannt. Damals hatte CEO Felix Sulzberger in einem Interview mit der Zeitung «Finanz und Wirtschaft» Rücktrittsabsichten geäussert und dabei auch den möglichen Ausstieg des Hauptaktionärs kommentiert: «Die Familie ist seit langem der stabile Ankeraktionär. Aber in der Tat: Sie haben keine Nachkommen, die eine führende Rolle im Unternehmen übernehmen wollen.» Dass sich die Familie also ihre Gedanken mache, sei «klar».

Kurz darauf wurde dann der Rücktritt von Sulzberger bekannt gegeben und Reiner Pichler zum neuen CEO per 1. April 2016 bestimmt. Der Grund für den Rücktritt des langjährigen CEO Sulzberger dürfte gemäss dem Artikel der Sonntagszeitung auch bei einer im vergangenen Jahr geplatzten Akquisition liegen. Eine aufgegleiste Übernahme sei am Widerstand des Hauptaktionärs gescheitert, weil dieser weder an einer dafür notwendigen Kapitalerhöhung teilnehmen, noch eine Verwässerung des Anteils in Kauf nehmen wollte, heisst es.

Unsichere Besitzverhältnisse

Die Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Besitzverhältnissen dürften ab Beginn seiner Amtszeit auch den designierten CEO Pichler beschäftigen, meint die Bank Vontobel in einem Kommentar. Einen zweiten «Fall Sika» werde es aber nicht geben. Bei Calida bestehe keine Opting-Out-Klausel und ein allfälliger Käufer des ganzen Aktienpakets der Familie Kellenberger müsste allen anderen Aktionären ein Übernahmeangebot vorlegen, schreibt der zuständige Analyst René Weber. Neben der Formulierung einer klaren Strategie seien aber die Besitzverhältnisse eine weitere Herausforderung für den neuen CEO.

Die Calida-Aktien reagierten mit Abgaben auf den Bericht aus der Sonntagspresse. Bis 10.30 Uhr verlieren die Titel bei bescheidenen Volumen 1,7 Prozent auf 31,00 Franken. Damit sinken die Aktien auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren, nach dem die Titel im Laufe des vergangenen Jahrs mit 42,50 Franken noch ein neues Allzeithoch erklommen hatten.

 

Anzeige