Als einziger der drei Anbieter legt die Swisscom ihre Zahlungen an Mobilfunkkunden offen. Diese belegen, dass die Subventionierung von Handys und Händlerprovisionen auf einem neuen Höchststand angelangt sind: Betrugen die Kosten für Neukunden und Kunden, die ihren Mobilfunkvertrag verlängerten, bei Swisscom 2006 noch 255 Mio Fr., stieg der Wert 2007 auf 272 Mio Fr. In den ersten drei Quartalen 2008 hat die Swisscom bereits 217 Mio Fr. ausgegeben. Sprecher Sepp Huber prognostiziert: «Für das Gesamtjahr 2008 werden wir den Wert aus dem Jahr 2007 wahrscheinlich übertreffen.»

Grund für die Explosion im laufenden Jahr waren die Subventionen fürs iPhone. Swisscom und auch Orange zahlten pro Neukunde rund 450 Fr. Swisscom-Chef Carsten Schloter geht davon aus, dass auch bisherige Kunden nach einem Wechsel aufs iPhone pro Monat 10 Fr. mehr fürs Telefonieren und für den mobilen Datenverkehr ausgeben. Auch bei Orange erklärt Sprecherin Therese Wenger: «Wie unsere ersten Erfahrungen zeigen, nutzen iPhone -Kundinnen und -Kunden ihr Mobiltelefon in Sachen Datenverkehr bis zu fünfmal mehr als Kunden mit anderen Mobiltelefonen. Entsprechend schneller ist der Return-on-Investment bei einem iPhone erreicht.»

Trotzdem sind die hohen Provisionen für die Telekomfirmen ein Ärgernis. Denn die massive Subvention von Handys verhindert beispielsweise, dass die Minutentarife auf breiter Front sinken– das in einem Bereich, in dem die Schweiz in allen internationalen Preisvergleichen extrem schlecht aussieht.

Tiefere Tarife als Prepaid-Kunden

Nach Informationen der «Handelszeitung» prescht nun Sunrise vor und wird in den kommenden Tagen ein neues Angebot lancieren. «SIM only» soll es heissen. Kunden können dabei ein Abo ohne neues Handy und ohne Vertragsbindung lösen. Es stehen verschiedene Monatsgebühren zwischen 10 und 100 Fr. zur Auswahl. Angepeilt werden damit vor allem auch Geschäftskunden.

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Der Vorteil gegenüber den gängigen Prepaid-Angeboten liegt auf der Hand: Der Minutenpreis bei «SIM only» soll nicht höher sein als bei einem anderen Abonnement. Sunrise-Kommunikationschef Dominique Reber möchte zum neuen Angebot keine Stellung nehmen, lässt aber durchblicken, dass sich Sunrise «diesbezüglich Gedanken gemacht» habe. Damit wird klar: Die Spirale, dass sich Kunden nur mit der Abgabe billiger Mobiltelefone zum Vertragsabschluss respektive einer Vertragsverlängerung ködern lassen, dürfte in der Schweiz durchbrochen werden. Kunden können nun ein Abo lösen, das sie nicht ein oder zwei Jahre lang an eine Telekomfirma bindet. Wollen sie nach ein paar Monaten trotzdem ein neues Mobiltelefon kaufen, können sie das in einem der zahlreichen Online-Shops oder bei einem unabhängigen Händler tun.

Dort werden die gängigen Telefone zu deutlich besseren Konditionen als zum Listenpreis verkauft. So ist beispielsweise das neue Nokia E71 Smartphone bei Digitec ohne Vertrag für 509 Fr. erhältlich. Der offizielle Preis des Gerätes liegt bei 699 Fr.

«Eine Schweizer Besonderheit» seien die hohen Gerätesubventionen, sagt auch Ralf Beyeler, Telekomexperte beim Vergleichsdienst Comparis. Am meisten Rabatt habe bisher Sunrise auf Handys gewährt, beobachtet er. Kein Wunder also, dass genau diese Firma nun aktiv werden will.

Dass sich Sunrise im Mobilfunk derzeit besonders erfinderisch zeigt, liegt auch daran, dass das Unternehmen im Gegensatz zu Swisscom und Orange kein iPhone verkaufen darf. Dennoch hat Sunrise im 3. Quartal des laufenden Jahres prozentual am meisten Handy-Kunden gewonnen und legte in diesem Segment um gut 9% zu. Sunrise-intern erhofft man sich vom neuen «SIM only» auch im letzten Quartal zahlreiche wechselwillige Kunden.

Ob mit «SIM only» auch mehr Umsatz erzielt werden kann, wird sich zeigen. Hier steht Sunrise unter Zugzwang: Für die Offensive gegen Swisscom zahlt das Unternehmen bisher einen hohen Preis. Der Gewinn ging in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um fast 28% zurück, der Umsatz schrumpfte um über 5%. Bisher konnte Sunrise trotz Preisoffensive weniger Kunden gewinnen als erhofft.

Orange mit höchstem Umsatz

Zudem sind jene Kunden, die mit Sunrise mobiltelefonieren, entsprechend preissensibel und erzielen den niedrigsten Monatsumsatz. Beträgt die Rechnung eines Swisscom-Abokunden im Schnitt 78 Fr., liegt dieser Wert gemäss Experten bei Sunrise um 10% tiefer. Am höchsten ist der Wert bei Orange. Gerechnet über alle Kunden (also Abo- und Prepaid-Kunden), vertelefoniert ein Orange-Kunde pro Monat 62 Fr. Bei der Swisscom liegt dieser Wert bei bloss 53 Fr.

Nach dem Vorpreschen von Sunrise dürften die anderen Anbieter schon bald ähnliche Abos lancieren. Kunden, die sich indes gerne ein neues Mobiltelefon subventionieren lassen, können dies weiterhin tun. Und wer vertraglich darf, sollte sich jetzt ein neues Handy zulegen – denn in den Wochen vor Weihnachten werden traditionell die höchsten Rabatte gewährt.